Als in der Nähe von Frontera, Texas, eine vor 40 Jahren im Wüstensand verscharrte Leiche gefunden wird, beginnt für Sheriff Sam Deeds eine Reise in die eigene Vergangenheit. Der Tote ist Charlie Wade, der zu seiner Zeit nicht nur Sheriff von Frontera war, sondern dafür berüchtigt war, äußerst gewalttätig und korrupt zu sein. 40 Jahre zuvor verschwand er spurlos und mit ihm 10.000 Dollar aus der Gemeindekasse.
Am Vorabend seines Verschwindens war es zu einer schweren öffentlichen Auseinandersetzung zwischen dem Sheriff und einem seiner Hilfssheriffs gekommen: Sams eigenem Vater Buddy Deeds. Nach Charlies angeblicher Flucht hatte Buddy Deeds den Sheriffposten von Rio County übernommen und wurde in den darauffolgenden Jahren zur Legende. Die Bewohner Fronteras - egal ob weiß, schwarz oder mexikanischer Herkunft - sprechen in höchsten Tönen über den Gesetzeshüter. Sam bleibt nun nichts anderes übrig, als dem Mythos des ungeliebten Vaters auf den Grund zu gehen und Schicht für Schicht die Lügen von der Wahrheit zu trennen.
Bei seinen Recherchen trifft er zudem seine verflossene Jugendliebe Pilar wieder, deren Gefühle für Sam noch immer vorhanden zu sein scheinen. Ebenfalls in den Sog der Ermittlungen geraten Bürgermeister Hollis Pogue, Pilars Mutter und Restaurantbesitzerin Mercedes sowie Nachtclubbesitzer Otis Payne. So muss sich Mercedes im Licht ihrer eigenen Vergangenheit darüber Gedanken machen, wie sie mit ihren illegal eingewanderten mexikanischen Angestellten umgeht, während Otis sich auf einmal seinem entfremdeten Sohn Delmore gegenübersieht.
Wer auch immer der Mörder von Charlie Wade gewesen sein mag, eines steht auf jeden Fall fest: Auch nach seinem Tod verändert er nach wie vor das Leben vieler Menschen in Frontera.
Independentregisseur John Sayles ("Passion Fish", 1992) wird oft als soziales Gewissen Amerikas bezeichnet, da er sich in seinen Filmen unter anderem mit regionalen Subkulturen, amerikanischen Wertvorstellungen und dem alltäglichen Leben in den Vereinigten Staaten auseinandersetzt. Mit "Lone Star" legt Sayles kein einfaches "Whodunit" vor, stattdessen entwirft er ein komplexes Beziehungsgemälde und zeigt auf, welche Konflikte entstehen, wenn Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft miteinander leben und welche persönlichen und gesellschaftlichen Grenzlinien sie dabei untereinander ziehen.
Wo diese innerhalb der Gemeinde verlaufen, seziert Sayles' Drehbuch mit Hilfe verschiedener Erzählperspektiven und durch das nahtlose Ineinanderfließen verschiedener Zeitebenen. Nicht umsonst wurde "Lone Star" 1997 sowohl für den Golden Globe, als auch für den Oscar für das beste Drehbuch nominiert. Wie bei nahezu allen seinen Filmen zeichnet sich Sayles auch hier für den Schnitt verantwortlich, ein Umstand, der ihm nicht zuletzt den Ruf eines Perfektionisten eingebracht hat.
Die Filme der Reihe Neo-Western:






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