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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Un Certain Regard - 21/08/08

Los Bastardos

Ein Film von Amat Escalante


Zwei mexikanische Tagelöhner, die in Amerika leben, bekommen einen speziellen Auftrag: Sie sollen die Ex-Frau des Auftraggebers töten

Synopsis: Fausto und Jesús sind zwei mexikanische Tagelöhner, die sich in Los Angeles durchschlagen. Eines Tages bekommen sie einen sehr speziellen, gut bezahlten Auftrag: Sie sollen die Ex-Frau des Auftraggebers töten.

Im Gespräch mit dem Hauptdarsteller Jesus Moises Rodriguez
(Windows Media Video)


Kritik: Regisseur Amat Escalante liebt die deutliche Filmsprache. Seine Eröffnungssequenz zeigt Jesús und Fausto, zwei Mexikaner, die nebeneinander auf einer betonierten Fläche laufen. Langsam, ganz langsam kommen sie näher. Sofort wird dem Zuschauer klar, das will Kunstkino sein, kann es auch. Amat Escalante klagt an. Vor allem Amerika, dass es seine mexikanischen Immigranten so schlecht behandelt. Frühmorgens schon müssen sie vor den Einkaufszentren aufgereiht sitzen, in der Hoffnung, einen Job für den Tag zu bekommen. Meist sind es Jobs auf der Baustelle, pro Stunde gibt es acht bis zehn Dollar.

Am Tag, an dem der Film spielt, bekommen der etwa 30-jährige Jesús und der grade mal volljährige Fausto einen gut bezahlten Job angeboten: Sie sollen die Ex-Frau des Auftraggebers umbringen. Das haben die beiden zwar noch nie getan, aber mit einer großen Knarre bewaffnet machen sie sich auf den Weg. Steigen über das Fenster in die Wohnung der Frau ein, die vor dem Fernseher eingeschlafen ist. Eigentlich könnten sie diese jetzt einfach so erschießen. Doch sie wecken sie, und beginnen ein seltsames Spiel mit ihr, dessen Sinn sich dem Zuschauer nicht recht erschließen mag. Panisch vor Angst kauert sich die Frau auf dem Boden zusammen, bettelt darum, weiter leben zu dürfen. Die beiden - angeführt von Jesús - gehen mit ihr in den Swimming Pool. Patschnass sitzt sie danach in Unterwäsche auf ihrem Sofa. Das erregt Jesús und er beginnt die Frau zu verwöhnen - mit einem Cunnilingus. Das seltsame Treiben nimmt seinen Lauf und endet in einer äußerst brutalen Szene.

Amat Escalante hat zwei Laien für die Hauptrollen der Mexikaner ausgesucht, die tatsächlich als Tagelöhner arbeiten. Dadurch wirkt der Film bisweilen geradezu dokumentarisch. Genau das wirft aber wiederum einige dramaturgische Probleme der Glaubwürdigkeit auf. Würden die beiden die Frau nicht gleich erschießen? Warum sollte ein mexikanischer Tagelöhner, eine Frau, die er nie zuvor gesehen hat, mit einem Cunnilingus befriedigen? Würde er sich wenn schon nicht viel eher von der Frau bedienen lassen?

Die knappen, englischsprachigen Dialoge wirken recht unbeholfen. Nach der grausigen Tat beendet Amat Escalante seinen Film mit einer langen statischen Einstellung von der Arbeit auf dem Felde. Er selbst interpretiert Anfang und Ende so: Die Immigranten können keine Wurzeln in Amerika fassen, sie sind wie Blumen auf Beton - hilflos und verloren. Am Ende keimt Hoffnung auf, Escalante zeigt die Natur. Dort kann etwas wachsen.

Die Diskriminierung, die Escalante in seinem Film zum Thema macht, die gibt es immer und überall. Sein Hauptdarsteller Rubén Sosa, der Fausto spielt, wurde am Flughafen in Nizza abgefangen. Er wurde am ganzen Körper durchsucht, weil sein druckfrischer Pass irritierend auf Beamten wirkte. Rubén Sosa beteuerte, er sei "Elektriker und in Cannes eingeladen". Doch das glaubten die gerufenen Polizeibeamten ihm erst, als Sosa ihnen die offizielle Limousine des Festivals zeigte, die ihn abholen sollte.

Nana A.T. Rebhan
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Los Bastardos
Mexiko/Frankreich/USA 2008, 90 Min.
Ein Film von Amat Escalan
Mit Jesús Moisés Rodríguez, Rubén Sosa, Nina Zavarin, Kenny Johnston
Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Un Certain Regard



Erstellt: 20-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08