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08/11/04

Lost in translation

"Lost in Translation" weckt eine ungeduldige Vorfreude auf die künftigen Werke Sofia Coppolas


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Synopsis: Zwei Amerikaner lernen sich in Tokio kennen und lieben. Bob Harris (Bill Murray) ist Filmstar und für einen Dreh für eine Werbung in die Stadt gekommen, die junge Charlotte begleitet ihren Mann, einen karriereorientierten, egozentrischen Fotografen. Die beiden erleben - mal gemeinsam mal jeder für sich - die unüberschaubare Millionenmetropole, in der sie sich oft genug völlig einsam und verloren fühlen.
 
Die Pressekonferenz zum Film (Venedig 2003)
 
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etoile4.gif.imageDataAllemagne123[1].jpg.imageData Auch wenn der Kurzinhalt es vermuten lässt, dies ist keine nette, romantische Liebeskomödie im üblichen Hollywoodstil. Mit ihrem zweiten Spielfilm nach THE VIRGIN SUICIDES beweist die Tochter des legendären Francis Ford, dass sie bereits einen eigenständigen Stil entwickelt hat. Mit viel Gespür für Details - die die Kamera sensibel einzufangen weiß - erzählt Sofia Coppola die Geschichte einer langsamen Annäherung zweier Menschen aus unterschiedlichen Generationen. Beiden gemeinsam ist, dass sie sich einsam fühlen, und unter Sprachverwirrung leiden.
 
Besonders deutlich wird dies bei einigen Szenen, die sehr lustig sind: Der nur japanisch sprechende Regisseur des Werbespots erklärt wortreich und mit vielen Gesten was Bob Harris (Bill Murray in Höchstform!!) tun soll, dessen Dolmetscherin übersetzt ihm immer nur knapp und bündig, dass er in die Kamera schauen soll. Das dies nur im Fiasko enden kann ist vorprogrammiert...
 
Doch Sofia Coppola hat ein ebenso gutes Gespür für Momente der Einsamkeit und der Verlorenheit. Charlotte lässt sie alleine in die Tempelstadt Kyoto reisen, und in Totalen über weite Tempelanlagen laufen, und ihren Zettel an einen Wunschbaum knoten. Auch die Momente der vorsichtigen Annäherung zeigt sie dezent. Da beide an Schlaflosigkeit leiden sehen sie zusammen fern. Irgendwann später streichelt Bob ganz vorsichtig Charlottes Fuß - doch diese ist bereits eingeschlafen. Überhaupt haben die beiden ein Problem mit dem Timing ihrer Liaison, was aber durchaus von Vorteil für den Zuschauer ist, für den die Spannung nicht abnimmt.
 
Auch das Porträt dieser pulsierenden Metropole kommt nicht zu kurz, Tokio ist der dritte Hauptdarsteller des Films. Angefangen vom Nobelhotel - das in seiner dekadenten Geräumigkeit und Luxusausstattung gezeigt wird, führt LOST IN TRANSLATION an extrem unterschiedliche Orte ein und derselben Stadt. Da gibt es elektronische Spielhallen, in denen Jungs vor Automaten wie hypnotisiert tanzen, Karaokebars in den Fenstern von Hochhäusern, Erotikshows und Hotelprostituierte, die auf Sado-Masothemen spezialisiert sind und es auf Bob Harris abgesehen haben.  
 
Allemagne123[1].jpg.imageData Nana A.T. Rebhan
 
etoile4.gif.imageDatafrance123[1].jpg.imageData In Venedig (2003) war man schon äußerst gespannt auf Sofia Coppolas neuen Film. Würde die Tochter des Meisters an die Qualität und den Erfolg ihres Erstlingswerks "Virgin Suicides" anknüpfen? Die Antwort ist ein klares "Ja". In "Lost in Translation" beschreibt Coppola zunächst die Einsamkeit ihrer beiden Figuren Bob und Charlotte, die sich im riesigen Luxushotel völlig verloren fühlen. Schließlich treffen sich die beiden an der Bar und schließen sich zusammen. Von ihrer Freundschaft handelt der zweite Teil des Films. Zu Beginn widmet Sofia Coppola Bill Muray in der Rolle des Bob viel Aufmerksamkeit, wobei sie sein großes Talent voll ausschöpft.
 
So gelingt es ihr mit ganz einfachen Mitteln, eine Komik zu erzeugen, die beim Publikum die größte Heiterkeit auslöst. Bill Murray ist das Gegenteil eines Jim Carrey und verfügt über ein komisches Talent, das an Buster Keaton erinnert.Wenn er in völlig grotesken Situationen keine Miene verzieht, während die Zuschauer lachend nach Luft schnappen, denkt man unweigerlich an den zwischen ständiger Verzweiflung und Zweckoptimismus hin- und her gerissenen Buster Keaton. Damit platziert die Regisseurin auch einen sanften Hinweis darauf, dass das Potential dieses wunderbaren Schauspielers in amerikanischen Produktionen nicht ausreichend genutzt wird. Zum Zuschauer baut Sofia Coppola eine komplizenhafte Beziehung auf. Wie auch die jungen Mädchen in "Virgin Suicides", verkörpert Scarlet Johansson die immer wiederkehrende Figur des jungen Mädchen, das erwachsen werden möchte und dabei zunehmend ihre Kindheitsillusionen verliert.
 
Auch Charlotte erlebt diese Ernüchterung; ihre Ehe ist kaputt und die Erfahrungen mit den Menschen in ihrer Umgebung oft schmerzhaft. Sie zieht sich alleine in ihr Zimmer im obersten Stockwerk des Hochhauses zurück und lässt den Blick über Tokio schweifen, sie gestaltet ihr Hotelzimmer um und langweilt sich. Sofia Coppola konzentriert sich hier ganz auf die innere Dimension ihrer Figur und unterstreicht diese durch leise Musik im Stile von Air und My Bloody Valentine. Dann kommt der Moment, wo Charlotte Bob begegnet, und die beiden schlaflosen Menschen entdecken Tokio bei Nacht. Der für seine äußerst einfühlsamen Aufnahmen bekannte Lance Acord ist hier ganz in seinem Element. Seine Bilder spiegeln auf wunderbare Weise die unbeschwerten nächtlichen Irrfahrten der beiden Protagonisten wieder, die sich schließlich ein wenig ineinander verlieben. Dabei besticht der Film immer wieder durch eine erfrischende und witzige Authentizität, sei es die Beschreibung einer Karaoke-Show auf einem privaten Fest oder die Situationskomik, die sich bei der Begegnung mit den teils spontan auf der Straße für den Film engagierten Japanern ergibt.
 
Die Entwicklung der sensibel und intelligent erzählten Geschichte überzeugt, der Film ist bis zur letzten Szene rundum gelungen. "Lost in Translation" weckt eine ungeduldige Vorfreude auf die künftigen Werke Sofia Coppolas. 
 
france123[1].jpg.imageData Olivier Bombarda
 
 
Das Bonusmaterial: Das Gespräch zwischen Bill Murray und Sofia Coppola ist das Highlight der DVD Bonus Tracks. Ganz entspannt stehen sie auf den Dächern über der Stadt Rom und reden über ihre gemeinsame Erfahrung, die Dreharbeiten zu LOST IN TRANSLATION. Murray zeigt sich tief beeindruckt wie Sofia Coppola trotz geringen Budgets, sprachlicher Verwirrungen und einer riesigen Metropole, in der sie sich kaum auskannte, alles so gemeistert hat. Er erklärt sich ihren Erfolg so: „Sie lächelte immer höflich, sie machte einfach immer weiter, wie ein kleines Tier, das sich durchgräbt, und dann vielleicht durch den Lehm kommt.“ Sofia Coppola kommentiert: „Ich dachte eher wie ein Samurai.“ Bill Murray: „O ja, wie ein Samurai mit kurzem Messer, der sich durchgräbt.“ Murray philosophiert weiterhin, wie lustig der Film sein darf, und verkündet zum Abschluss des Gesprächs, dass LOST IN TRANSLATION sein persönlicher Lieblingsfilm ist.
Das ca. 30-minütige Making-of vermittelt einen überdurchschnittlich guten Eindruck von den recht komplizierten Dreharbeiten. Bereits zu Beginn tobte ein Taifun durch Tokyo. Aber schlimmer als der Taifun war nach Aussagen Sofia Coppolas der Besitzer des Restaurants „Shabu Shabu“, der dem Team viel Ärger bereitete. Der Tonmann berichtet, dass Tokyo extrem laut sei, und der Kameramann einen sehr freien, improvisatorischen Stil pflege, der dem Tonmann seine Arbeit zusätzlich erschwert. Wir erfahren eine seltsame Familientradition der Coppola-Familie: Vor der ersten Klappe fasst sich das ganze Team an den Händen und wünscht sich dreimal hintereinander gemeinsam „Puaba“, was soviel wie Glück bedeutet. Woher diese Tradition stammt erklärt Tochter Sofia nicht, aber möglich wäre es schon, dass sie auf die Dreharbeiten zu Vaters APOCALYPSE NOW (1979) zurückzuführen ist.
Außerdem gibt es Interviews (insgesamt ca. 15 Minuten, auf englisch mit dt. Untertiteln) mit den Haupt-Darstellern Bill Murray und Scarlett Johansson und Giovanni Ribisi. Murray lobt das Drehbuch, es wäre „ein Ferrari“, und verdientermaßen wurde die 32-jährige Autorin und Regisseurin Sofia Coppola dafür mit einem Oscar geehrt. Scarlett Johansson beschreibt die Annäherung zwischen ihr und Bill Murray, wie die zwischen den beiden Figuren, die sie im Film darstellen: „Sie lernen sich langsam kennen. So war es mit uns auch.“ Und Giovanni Ribisi, betont die positive Wirkung, die der Film auf die Zuschauer besitzt: „Jeder mag ihn wirklich sehr und will darüber reden. Er beschreibt eine fragile Beziehung zwischen zwei Menschen.“
Sehr seltsam mutet eine Werbung für eine Airline und das Hotel, in dem die Haupt-Dreharbeiten stattfanden an. Mit deutscher Stimme aus dem Off wird eine Art Diashow über das Hotel erklärt. Vielleicht hatte der Produzent des eher Low-Budget ausgerichteten Films einen besonderen Deal für die DVD-Verwertung mit dem Hotel ausgemacht. Es sei ihm verziehen. Ansonsten entsprechen die Bonus Tracks und das liebevoll gestaltete Menue der DVD durchaus den hohen Erwartungen, die der hervorragende Film auch an eine DVD stellt.
Nana A.T. Rebhan
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DVD Sprachen:
Deutsch, Englisch, Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte

Bonus Tracks:
- Darsteller Infos als Textseiten zu Bill Murray, Scarlett Johansson
- Giovanni Ribisi, Sofia Coppola, Francis Ford Coppola
- Blick hinter die Kulissen (engl. mit dt. Untertiteln)
- Deleted Scenes
- Gespräch zwischen Bill Murray und Sofia Coppola
- Kevin Shields „City Girl Musikvideo
- Making-of (engl. mit dt. Untertiteln)
- Matthew’s Best Hit (in japanisch und englisch)
- Interviews (engl. mit dt. Untertiteln)
- Welcome to Tokyo

Erstellt: 08-11-04
Letzte Änderung: 08-11-04