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Jahrhundertaufnahmen Jazz

Ab sofort präsentiert ARTE-Online zusammen mit der SWR 2-Jazzredaktion in einer neuen Reihe die "Jahrhundertaufnahmen des Jazz" – von den Anfängen bis zur (...)

Jahrhundertaufnahmen Jazz

30 Jahrhundertaufnahmen des Jazz - 20/03/06

Louis Armstrong: "Fireworks"

von H.-Werner Wunderlich

Die Auswahl im Überblick


Selbst ein Musikfreund, der den Jazz eher gering schätzt, kann mit dem Namen "Louis Armstrong" etwas anfangen und weiß, dass dieser Trompeter und Sänger eine Art Symbolfigur des Jazz war und im Andenken seiner Fans immer bleiben wird.
Louis Armstrong war der erste große Jazzsolist und einer der ersten, die den Jazz vom reinen Entertainment zu einer großen Kunstform führten.

Nachdem Armstrong bei Kid Ory, King Oliver, Fletcher Henderson und anderen engagiert war, machte er ab Ende 1925 Aufnahmen mit eigenen Bands, den "Hot Five" und "Hot Seven", in denen seine zweite Ehefrau, die Pianistin Lil Hardin und die Gebrüder Johnny und Baby Dodds an Klarinette und Schlagzeug wichtige Partner waren. In den 20er Jahren stand der Begriff "hot" synonym für Jazz. Mit "hot" wurde die expressive Tonbildung der Blasinstrumente bezeichnet, der häufige Wechsel zwischen Kollektiv-Improvisation und Soli.

Die einzelnen Stücke des vorliegenden Albums stammen aus dem Jahr 1928, aus der Zeit zwischen dem 27. Juni und 12. Dezember. "Louis Armstrong and His Hot Five" nannte sich die Gruppe nun und bestand folglich aus sechs Musikern. Earl Hines hatte Lil Hardin am Piano abgelöst, Fred Robinson spielte Posaune, Jimmy Strong Klarinette und Tenorsaxophon, Mancy Cara hielt das Banjo im Schoß und Zutty Singleton saß am Schlagzeug. Wenn der Bandname "Louis Armstrong and His Savoy Ballroom Five" hieß, waren gar sieben Musiker beteiligt; Don Redman war als Klarinettist und Altsaxophonist und vor allem als Arrangeur hinzugekommen, dessen Arbeit manchmal bereits auf den kommenden Swing-Stil hinweist. Gute Musiker allesamt und zweifellos hoch begabte Sidemen, doch neben dem Star Louis Armstrong manchmal kaum mehr als musikalische Statisten, öffentliche Auftritte gab es nicht, man traf sich im Plattenstudio der Firma OKeh.

Unter den insgesamt 21 Titeln der CD "Fireworks" findet man einige echte Meisterwerke. "Weather Bird (Rag)" zum Beispiel, ein Duett von Armstrong und Earl Hines, aufgenommen am 5. Dezember 1928, in dem zwei große Solisten gleichberechtigt nebeneinander einen faszinierenden Dialog führen und einander kongenial ergänzen. "Muggles", "Tight Like This", "Two Deuces", "Skip The Gutter" und ein paar andere Stücke der CD zeigen den Weg des Jazz zu einer musikalisch anspruchsvollen Kunstform.

Zwei Titel des Albums gehören "Carroll Dickerson's Savoyagers", einer Bigband, in der Armstrong zu der Zeit in den verschiedenen Ballsälen sein Brot verdiente.

Überragend aber ist der "West End Blues", eine Komposition von Armstrongs einstigem Chef King Oliver. Ein Höhepunkt in Armstrongs frühen musikalischen Reifejahren, ein Beispiel für meisterhafte Dramaturgie. "Allein seine neuntaktige Einleitungskadenz wirkt wie eine Art Essay über die elementaren Charakteristika des Jazz", findet Wolfram Knauer in seinem Armstrong-Beitrag zu "Jazz Klassiker" (Reclam). Und Gunther Schuller, nicht nur Jazz-Wissenschaftler, sondern auch Musiker, wird im CD-Text zitiert mit: "Louis' 'West End Blues'-Einleitung besteht aus nur zwei Phrasen. Doch diese beiden Phrasen allein fassen Louis' gesamten Stil und seinen Beitrag zur Sprache des Jazz zusammen."

Text: H.-Werner Wunderlich

Louis Armstrong: "Fireworks"
Dreyfus Jazz FDM 36710-2 (Vertrieb Soulfood)

Erstellt: 20-03-06
Letzte Änderung: 20-03-06


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