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Luchino Visconti

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Luchino Visconti

29/08/08

Ludwig II (1/2)

Montag, 01.09.2008 um 21:00


Der Film beginnt mit der Thronbesteigung Ludwigs II. und beschäftigt sich in seinem ersten Teil mit der rauschhaften Sucht des Königs nach Kunsterlebnissen, insbesondere nach der Musik Richard Wagners, von der Ludwig schon als Knabe fasziniert war, nachdem er eine Lohengrin-Aufführung miterlebt hatte.

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Visconti beleuchtet besonders die problematische Freundschaft zwischen dem großzügigen König und dem hemmungslos egoistischen Komponisten, die ohne Zweifel entscheidend zum Ruin des Monarchen beigetragen hat. Genauso kann behauptet werden, dass Wagner ohne das Mäzenatentum Ludwigs nie zu einem Komponisten mit derart eminenter Reputation geworden wäre.

Zusatzinfo
Die Außenaufnahmen des Films entstanden auf den Schlössern Neuschwanstein, Hohenschwangau, Linderhof, Herrenchiemsee, in der Kaiservilla Bad Ischl, auf der Roseninsel im Starnberger See und im Cuvilliés -Theater München.

Regisseur Luchino Visconti, während der Dreharbeiten zu "Ludwig II." schwer erkrankt, wurde von seinem Produzenten gezwungen, den für eine Länge von viereinhalb Stunden konzipierten Film um ein Drittel zu kürzen. Diese ungeheure Verstümmelung - die Laufzeit der Kurzfassung betrug noch knapp zweieinhalb Stunden - konnte der Regisseur später per Gerichtsbeschluss unterbinden. Nach Viscontis Tod erstellten zwei seiner engsten Mitarbeiter, der Schnittmeister Ruggero Mastroianni und die Drehbuchautorin Suso Cecci D'Amico, im Auftrag der RAI eine Neumontage des Werks, die der ursprünglichen Vision des Regisseurs entspricht. Die Uraufführung dieses integralen, gut vierstündigen Films erfolgte 1980 während der Filmfestspiele in Venedig.

"Wer den Film in der Bundesrepublik gesehen hat, hat ihn nicht gesehen", schrieb Wolfram Schütte 1975, ausgehend von der gekürzten Drei-Stunden-Fassung. Denn jener Torso ließ nur in Ansätzen die ganze Meisterschaft Viscontis, die subtile Metapher von "Ludwig" erkennen. Der Film bildet den krönenden Abschluss der so genannten "Deutschen Trilogie" - nach dem bösen Familiendrama "Die Verdammten" und dem Künstlerporträt "Tod in Venedig". Die vollständige, fast vierstündige Fassung von "Ludwig II." ist ein anderer, ein neuer Film. Der Facettenreichtum der visuellen und musikalischen Motive lässt die Gegensatzpaare Kunst und Politik, Eros und Pathos, Schönheit und Tod, die historische Vermittlung von Subjekt und Objekt zum ersten Mal in all ihrer obsessiven Hoffnungslosigkeit, in dem visionären Einfordern einer möglichen, besseren Welt als Utopie, als Desiderat der Kunst und des Lebens aufscheinen. "Ludwig II." ist damit auch notwendigerweise die Kapitulation, das Scheitern einer Gesellschaft, einer überholten Tradition. Visconti beschreibt mit dieser Welt und Zeit im Untergang auch die im Keim angelegten Formen und Auswüchse des Wahnsinns, die sich in der deutschen Geschichte nur wenige Jahrzehnte später so nachhaltig bestätigten.

Das "Lexikon des Internationalen Films" schreibt: "Luchino Visconti gelingt es überzeugend, die rauschhafte Ästhetik des 19. Jahrhunderts aufwändig zu beschwören und zugleich mehrfach kritisch zu brechen."
116 Min.
Spielfilm, Frankreich / Deutschland 1972, Synchronfassung, ZDF
Regie: Luchino Visconti; Buch: Luchino Visconti, Enrico Medioli; Kamera: Armando Nannuzzi; Schnitt: Ruggero Mastroianni; Produzent: Ugo Santalucia; Produktion: Mega Film, Cinetel, Dieter Geissler Filmproduktion
Mit: Helmut Berger - (Ludwig II.), Romy Schneider - (Elisabeth von Österreich), Trevor Howard - (Richard Wagner), Silvana Mangano - (Cosima Wagner), Helmut Griem - (Dürckheim), Nora Ricci - (Ida von Ferenczy), Sonja Petrowa - (Sophie, Elisabeths Schwester), Gert Fröbe - (Pater Hoffmann), John Moulder-Brown - (Otto, Ludwigs Bruder)

Erstellt: 26-11-04
Letzte Änderung: 29-08-08