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Samstag, 24. März 2007, um 22.35 Uhr in MUSICA - 29/03/07

Mstislaw Rostropowitsch

Das musikalische Gewissen


Ein Portrait des russischen Cellisten zu seinem 80. Geburtstag

  • Gewinnfrage: Warum erhielt Rostropowitsch in den siebziger Jahren ein Arbeitsverbot? Schicken Sie die Antwort an info@arte-tv.de (Absender nicht vergessen!). Unter den ersten richtigen Einsendern verlosen wir die Doppel-CD "Cello Concertos" (Deutsche Grammophon).

    Vielen Dank! Die Frage ist beantwortet: Weil er Alexander Solschenizyn bei sich aufnahm.


Er ist einer der letzten großen Musiklegenden des 20. Jahrhunderts: Der russische Cellist Mstislaw Rostropowitsch hat mit fast allen großen Musikerpersönlichkeiten des letzten Jahrhunderts zusammengearbeitet. Aber nicht nur das: Sein unablässiger Einsatz für die Freiheit in seinem Heimatland macht sein Leben auch zu einem Spiegel der dramatischen Veränderungen, die sich im Russland der jüngsten Zeit abgespielt haben. Anlässlich seines 80. Geburtstages bietet Thomas Grube einen Blick zurück auf ein Leben zwischen Konzertsaal und Weltpolitik, zwischen großen Erfolgen und einschneidenden, persönlichen Entscheidungen.


Die Dokumentation beginnt am Konservatorium in Moskau. Dort hat Rostropowitsch als Dirigent im September 2006 die 8. Sinfonie von Schostakowitsch aus Anlass von dessen 100. Geburtstag einstudiert. Es ist eine Rückkehr der besonderen Art, denn Dimitri Schostakowitsch war in den frühen Jahren sein Lehrer, Mentor und Freund. Außerdem hat Rostropowitsch hier am Konservatorium selbst studiert, und mit seiner Tätigkeit als Lehrer begann hier auch sein lebenslanges Engagement für den musikalischen Nachwuchs.
Der Film zeigt die wichtigsten Stationen seiner Karriere, unter anderem auch anhand hierzulande unbekanntem Material aus russischen Archiven: Rostropowitsch wuchs in einer Musikerfamilie in Moskau auf. Schon auf dem Konservatorium gewann das Ausnahmetalent erste Preise bei verschiedenen Jugendwettbewerben und spielte in den 50er Jahren zusammen mit Persönlichkeiten wie Dimitri Schostakowitsch, Benjamin Britten, Dimitri Kabalewskij und Swjatoslaw Richter.
In den 60er Jahren begann seine internationale Karriere, er durfte endlich die Sowjetunion verlassen und auch im Westen auftreten. Komponisten schrieben Werke eigens für ihn. Viele bedeutende Werke der Celloliteratur wurden von ihm im Moskauer Konservatorium uraufgeführt, allen voran natürlich die beiden Konzerte von Dimitri Schostakowitsch.

Anfang der 70er Jahre kam der entscheidende Einschnitt: In einem, wie er selber sagt "Akt der Menschlichkeit" brachte der den Schriftsteller Alexander Solschenizyn, in seinem Landhaus unter. In der Folge traf ihn ein nie ausgesprochenes, aber perfekt vollzogenes Arbeits- und Ausreiseverbot, in das auch seine Frau Galina Wischnewskaja, Star des Bolschoitheaters, einbezogen wurde. Die Erfahrungen dieser Zeit haben aus Rostropowitsch einen kompromisslosen Kämpfer für die Freiheit gemacht. Nachdem das Arbeitsverbot aufgehoben wurde, begann er eine neue Lebensphase im Westen. Trotz allen Heimwehs reiste und spielte er, als ob er alles Versäumte in kürzester Zeit aufholen müsse. Er behauptete seinen Ruf als Ausnahmecellist, der die schwierigsten Lagenwechsel so problemlos bewältigt wie die Zeitverschiebungen auf seinen ständigen Reisen.
Von 1977 bis 1994 übernahm er die Leitung des National Symphony Orchestras in Washington, sein moralisches Bekennertum legte er aber nie ab: Nach der Maueröffnung spielte er spontan am Checkpoint Charlie eine Suite von Bach und reiste während des Putschs gegen Boris Jelzin spontan nach Russland, wo er von der Menge als Volksheld gefeiert wurde.

Der Film begleitet den Maestro auch bei einem Meisterkurs in Florenz, wo seine Begeisterung bei der Arbeit mit jungen Musikern deutlich wird. Die Schüler arbeiten an Klaviersonaten von Sergej Prokofjew und an Kammermusik von Dimitri Schostakowitsch. Die Aufnahmen aus Florenz und Moskau belegen nicht nur die hohe Musikalität und Kommunikationsfähigkeit Rostropowitschs, sondern auch seinen besonderen Kontakt zur Musik als Quelle unerschöpflicher Energie.
Daneben hört man Rostropowitsch mit Ausschnitten aus den bedeutendsten Werken der Celloliteratur, unter anderem mit beiden Konzerten von Schostakowitsch, den beiden Haydn-Konzerten, dem Schumann-Konzert, der Sinfonie concertante von Prokofjew, Brahms' Doppelkonzert (mit David Oistrach) und Tschaikowskys Rokoko-Variationen sowie dem Largo, das Krzysztof Penderecki für ihn komponiert hat. Er spielt mit Dirigenten wie Kirill Kondraschin, Herbert von Karajan, Leonard Bernstein und Seiji Ozawa.

Samstag, 24. März 2007 um 22.35 Uhr
Mstislav Rostropowitsch - Das musikalische Gewissen
Dokumentation, Russland / Deutschland 2006, ARTE/ZDF, Erstausstrahlung
Regie: Enrique Sánchez Lansch

Erstellt: 20-03-07
Letzte Änderung: 29-03-07