Gianluca Franzoni ist Feinschmecker und liebt wie viele Italiener gutes Essen. Ich habe selten einen Menschen erlebt, für den das Essen eine so herausragende Rolle spielt.Gianluca war in Italien den ganzen Tag mit dem Was und Wo der nächsten Mahlzeit beschäftigt. Der ganze Drehplan musste immer wieder an die anspruchsvollen Essensgewohnheiten unseres Protagonisten angepasst werden, was uns häufig in erhebliche Zeitnot brachte. In Gianlucas Geburtsstadt Bologna wurde uns klar, woher er seine große Leidenschaft für das Essen hat. In den malerischen Gassen der Altstadt Bolognas reiht sich ein wunderschöner Delikatessenladen an den anderen und das Angebot an den Marktständen ist überwältigend. Hier hat der junge Gianluca seinen Geruchssinn geschult, der ihm heute hilft, die vielfältigen Aromen der verschiedenen Kakaobohnen genaustens zu beurteilen.
Gianlucas Philosophie ist so einfach wie überzeugend. Die Natur selbst bietet alle Zutaten für geschmackvolles und gesundes Essen, nur viele sind in ihrer ursprünglichen Form verloren gegangen und wir müssen sie wieder entdecken. Aus dieser Philosophie heraus entstand auch Gianlucas Wunsch, Schokolade aus 100% Kakaobohnen herzustellen.
In Venezuela spielt das Essen eine nicht so bedeutende Rolle wie in Italien. Viele Menschen dort sind froh, wenn sie überhaupt etwas zu essen haben. Die Armut ist erschreckend, obwohl Venezuela immerhin der fünft größte Erdölproduzent der Welt ist. Doch das Geld bleibt in den Händen einer korrupten Oberschicht hängen, der Großteil der Bevölkerung spürt von dem Reichtum wenig. Allerdings konnten wir uns während der Dreharbeiten über den niedrigen Benzinpreis freuen, 2 Euro für sechzig Liter.
Weniger Freude bereiteten uns der landestypische Dunst in der Luft und die mehrmals täglichen Regenschauer auf der nordöstlich gelegenen Halbinsel Paria. Eine spektakuläre Weitsicht ist in den Hügeln Parias äußerst selten.
Ich hatte mir die hier seit 1840 existierende Kakaoplantage der Franceschi Brüder besonders pittoresk ausgemalt. Ein stilvolles altes Kolonialhaus mit beeindruckender Veranda und einem Weitblick den Hang hinunter, über die gleichmäßig strukturierte Plantage mit Kakaobäumen. Als wir mit Gianluca auf der Plantage eintrafen war ich doch einigermaßen enttäuscht. Weder gab es das reizvolle Haus im Kolonialstil noch ist die Kakaoplantage als solche erkennbar. Die Kakaobäume wachsen mehr oder weniger ungeordnet mitten zwischen anderen tropischen Bäumen und Pflanzen und man erkennt sie erst auf den zweiten Blick. Die Franceschi Brüder wohnen allesamt in der nächst größeren Kreisstadt Carupano.
Filmen in Venezuela ist kein Problem, die Einheimischen sind freundlich und lassen sich von einem ausländischen Filmteam wenig stören. Nur die Plantagenarbeiter waren sehr zurückhaltend, fast schüchtern, was vor allem Filmaufnahmen in ihren Hütten betraf. Beim ersten Besuch hatte ein Arbeiter versucht, sich Mut anzutrinken, was jegliches Filmen mit ihm unmöglich machte. Die Plantagenarbeiter verdienen rund 7000 Bolivar am Tag, rund 2,50 Euro, was gerade zum Überleben reicht.
Auch in Venezuela mochte Gianluca nicht auf seine Essensgewohnheiten verzichten. Jeden Morgen hat unser Protagonist in dem einzigen italienischen Restaurant auf der Halbinsel Paria mit dem italienischen Koch akribisch genau seinen Menüwunsch für den Abend besprochen und ihn mit einem langen Wunschzettel auf den lokalen Fischmarkt in Carupano geschickt.







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

