Bachtalo drom - einen glücklichen Weg" wünscht uns der alte Rom, den wir in Vranje, einer kleinen Stadt in Südserbien, nach Milans Haus fragen. Hier im Vranje-Tal kennt ihn jeder, Milan Mladenovic, "Meister der Trompete" und Leiter eines 11-köpfigen Roma Brass Orchesters. Wären die Straßenschilder hier nicht in kyrillischer Schrift und die schmalen Straßen nicht so beschwerlich, könnte man sich genauso gut im Odenwald oder im Elsass befinden. Wir passieren eine alte Bogenbrücke. Auf einem Hügel vor uns liegt "Mahalla", das Roma-Viertel von Vranje, ein türkischer Name, der an die lange osmanische Herrschaft in Südost-Europa erinnert. "Mahalla", was so viel wie "die Häuser draußen, abseits der Stadt" bedeutet. Dort, wo die Zigeuner leben.Keiner wundert sich über die Weißen, die Nicht-Zigeuner, die "Gadje" aus Deutschland, die sich in diese abgelegene Gegend verirrt haben: Milan ist berühmt, viele Musiker aus dem Ausland haben schon vor uns den beschwerlichen Weg auf sich genommen, um ihn Trompete spielen zu hören und sich einige Tricks und Kniffe abzuschauen. Die Menschen hier lieben Milan, sie sind stolz auf ihn.
Als wir ihn endlich gefunden haben, sind all die Klischees über 'die wilden Zigeuner Musiker des Balkans', wie sie uns Emir Kusturica in seinen Filmen vorführt, mit einem Schlag widerlegt. Vor uns steht ein verschmitzt lächelnder älterer Herr vom Typ eines Jean Gabin, der uns freundlich in sein Haus bittet. Auf geheimnisvolle Weise versammelt sich innerhalb von Minuten die ganze Band im Garten und beginnt zu spielen. 4 Trompeten, 3 Tenorhörner, ein Flügelhorn, eine Tuba, eine Pauke, eine Trommel. Nachbarn kommen, lehnen sich an den Zaun, hören zu. Stühle werden nach draußen geschleppt und wir genötigt, uns zu setzen. "Nein, danke, die Gadje stehen lieber, bei dieser Musik ..." erklärt Duzsan, mein Übersetzer, auch er ein Rom. "Zuerst sollt ihr zuhören, tanzen könnt ihr später". Also setzen wir uns, trinken Kaffee und Schnaps und hören zu. Die Füße wippen im Takt der vertrackten Balkan-Rhythmen.
Und dann, endlich erzählt uns Milan von Guca, einem abgelegenen Städtchen in Zentral Serbien, wo einmal im Jahr das größte Brass Musik Festival der Welt stattfindet. Seit Monaten bereitet sich sein Orchester auf dieses Ereignis vor, denn in Guca den 1.Preis zu gewinnen, die "Goldene Trompete", ist der Traum jedes Trompetenspielers auf dem Balkan. Der legendäre Bakija Bakic, Milans Onkel und Gründer des Orchesters, sein dritter Sohn Nenad und natürlich Milan selbst haben diesen Preis wiederholt gewonnen. Dieses Jahr wird Ekrim, Milans Enkel, zum ersten mal in Guca antreten - und wir sind eingeladen, das Orchester zu begleiten.Über das Festival kann man viel erzählen, und Milan redete bis spät in die Nacht, doch nichts kann den Besucher wirklich auf das vorbereiten, was ihn dort erwartet und Tage später zu dem Stoßseufzer verleiten wird "I survived Guca..."
Über Hunderttausend Menschen belagern das kleine Städtchen und feiern drei Tage und zwei Nächte lang die größte Party auf dem Balkan, eingeheizt von den besten Gypsy Brass Bands des Landes.
In großen Festzelten rund um die Kirche brutzeln Spanferkel und Lämmer über offenem Feuer am Spieß, daneben kocht und dampft in riesigen Tongefässen der Sauerkrauteintopf Kupus. Aus einem Tankanhänger mit der Aufschrift "pivo" wird das Bier direkt gezapft, und die Fleischverkäufer der großen Imbissbuden klappern mit ihren langen Gabeln und Messern im Takt der Musik, die von überhall her kommt. Über 50 Orchester streifen von früh morgens bis spät in die Nacht durch die provisorischen Restaurants auf der Suche nach Gästen, die sie an ihre Tische winken und bezahlen.
Und dort spielen sie, solange ihnen Geld zugesteckt wird.
Oft sind es drei, vier, sogar fünf Orchester, die sich im gleichen Zelt, nur wenige Metern voneinander entfernt, um die langen Tischen herum aufbauen, auf denen nachts, zum wilden Höhepunkt der Party, ausgelassen getanzt wird.
"Wir Roma glauben, dass die Seele im Atem sitzt", erzählt uns Ekrem Saidic, ein Freund von Milan, und beim Spiel tritt jeweils ein Hauch von ihr ins Freie. Vielleicht liegt darin das Geheimnis dieser Musik, deren Heiterkeit ansteckend ist und deren Rhythmus das Leben in Guca für drei laute Tage bestimmt.







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