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Männer vom Aussterben bedroht

Verweiblichung in der Natur auf der einen Seite, verringerte Spermienproduktion beim Mann auf der anderen.

Männer vom Aussterben bedroht

Männer vom Aussterben bedroht - 01/12/08

LIVE CHAT am 25. November ab 21.00 Uhr

Sylvie Gilman et Thierry de Lestrade haben in unserem Live-Chat Ihre Fragen beantwortet!
Ein großes Dankeschön an alle zahlreichen Teilnehmer! Falls Sie es gestern nicht geschafft haben, sich einzuklicken, können Sie jetzt die Transkription des Chats lesen!


Hallo, guten Abend. Herzlich willkommen beim Arte-Chat.

Guten Abend.

Lyly: Wie ist dieser Film entstanden? Bevor wir diesen Film gemacht haben, drehten wir "La guerre contre le cancer".
Wir hatten damals schon festgestellt, dass es diese hormonähnlichen Stoffe geben musste. Die chemischen Bestandteile, von denen im gerade gezeigten Film die Rede war.
Wir hatten das Thema also schon sozusagen gefunden: die Tatsache, dass diese Substanzen hormonaktiv werden konnten. Das ist der Anfang der Geschichte gewesen.


Tommy: Was wollen Sie mit dem Film erreichen?

Bei Filmen wie diesen geht es darum, wichtige Fragen zu stellen und die Debatte voranzubringen zwischen den Forschern und der Alltagswelt. Wir wünschen uns auch, dass die Frage auf der politischen Ebene gestellt wird.
Das war unser Ziel, al wir dieses Thema in den öffentlichen Raum gebracht haben. Der Film so nützlich sein. Er soll die Menschen wie die Politik gleichermaßen sensibilisieren. Denn die Politiker sollen ja handeln, unter dem Druck der Bürger, die mittlerweile besser informiert sind.

Guest1: Was können Sie uns zur Frage der Babyfläschchen sagen? Können Sie uns da einen Rat geben?

Bei den Babyfläschchen gibt es eine kontroverse Diskussion, speziell beim Bisphenol A. Eine gefährliche Substanz, die in Kanada mittlerweile verboten ist. Diese Entscheidung hat im Rest der Welt für Aufsehen gesorgt.
Es sind diverse Maßnahmen getroffen worden, auch wenn kein Verbot ausgesprochen worden ist, aufgrund der zu geringen Konzentration derer Substanz, zumindest nach Angaben der Hersteller.
Wie kann die Substanz in die Milch kommen? Das ist die entscheidende Frage. Ich würde das Fläschchen zum Beispiel nicht in die Mikrowelle stellen.
Wenn das Bisphenol A wird vom Körper aufgenommen und man weiß nicht, ob es eine gefährliche Wirkung entwickeln kann. Die Frage bedarf weiterer Untersuchung.

Fredie: Gibt es andere Entdeckungen, seitdem Sie den Film beendet haben?
ndauernd. Insbesondere die Entdeckung eines Franzosen. Die Phtalate, könnten sie einen Effekt auf den Menschen haben? Man hat die Hoden von menschlichen Föten diesen Phtalaten ausgesetzt, und der Forscher hat bewiesen, dass 40 Prozent der Hoden befallen waren.

FF: Man sieht immer mehr PVC in den Häusern. Enthält dieser Stoff hormonaktive Substanzen?

Ja, darin sind die Phtalate enthalten. Es ist sehr kompliziert, sich nicht diesen Phtalaten auszusetzen, denn sie sind in sehr vielen Produkten enthalten. Die Industrie ist gefragt, hier alternative Stoffe zu finden, um die Phtalate zu ersetzen.
Es gibt auf dem markt allerdings heute schon Plastik ohne PVC-Anteil, also auch ohne Phtalate. Die Frage stellt sich für sehr viele Berufszweige. Insbesondere im medizinischen Bereich, was medizinische Produkte anbetrifft.

Nath4: Konkret, wie kann man sich im täglichen Leben schützen?
Man kann nur selbst Vorsorge treffen, aber es ist dennoch sehr schwer derzeit, zu sagen, inwiefern man ein späteres Risiko ausschließen kann.
Es gibt sicher Momente im Leben, wie während der Schwangerschaft, wo man kosmetische Produkte, den Umgang mit Färbemittel und so weiter vermeiden sollte. Das Gesundheitsministerium gibt hier Informationen heraus. Die Besucher des Internets können sich hierzu auf der Webseite von Arte unter den Informationen zum Film näher informieren.

Colombe: Haben diese Substanzen eine Wirkung auf die weibliche Fruchtbarkeit?

Es ist schwer, im Gegensatz zur männlichen Fruchtbarkeit, die weibliche Fruchtbarkeit zu messen.
Es ist offensichtlich, dass die Frauen auch betroffen sind. Zum Beispiel bei einer früher einsetzenden Pubertät, Hormonschwankungen, die man ins tägliche Leben integrieren muss und auch eben im Hinblick auf diese hormonaktiven Substanzen.

Ninidevannes: Wie kann man möglichst vielen Menschen die möglichen Konsequenzen vor Augen führen?

Man müsste sich eher fragen, wie ein Maximum an Menschen sensibilisiert werden kann, wie man die Menschen informieren kann, zum Beispiel schwangere Frauen.
Eine Schwangerschaft, die 9 Monate dauert, stellt an sich schon eine Zeit dar, in der die Frau einen Bewusstseinsprozess durchläuft. Daraus muss eine Sensibilisierung resultieren, die Lust, mehr über mögliche Störfaktoren der Schwangerschaft zu erfahren.
Die Bevölkerung sollte nicht zögern, die betroffenen Industrieunternehmen und die Politik zu befragen.

Lafiermel: Kann man auf dem Internet das Dokument aus Dänemark über schädlichen Produkte für Frauen wiederfinden?
Ja, auf der Webseite von Arte (www.arte.tv/maenner) sind alle nützlichen Informationen vorhanden.

Laurent: Mein 4 Jahre alter Sohn hat ein Problem mit seinem Hoden, das sich als Hoden-Atrophie herausgestellt hat. Vielen Dank für Ihren Film und die Sensibilisierung.
Wir können diese Krankheit nicht kommentiere, außer dass wir sagen können, dass diese Fehlbildungen immer häufiger auftreten und ohne Erklärung sind. Fühlen Sie sich nicht schuldig aufgrund dieser Tatsache. Man kann diesen Substanzen nicht immer ausweichen.

ZAB15: Man müsste auch das Personal in den Kliniken besser sensibilisieren, denn dort sind diese Informationen oft unbekannt.
Das Klinikpersonal ist tatsächlich nicht gut informiert, und wir wünschen uns, dass da etwas geschieht.
Wir haben eine Person aus diesem Bereich interviewt, die über die Produkte, mit dem die Patienten in ihrem Arbeitsbereich behandelt werden, informiert werden wollte. Er wollte aber nicht offen vor der Kamera Stellung nehmen.
Die Person wünscht sich Rat - aber auch von offizieller Seite.

Reynaud: Ich hätte gerne etwas mehr Informationen zur "Reach"-Richtlinie.


Es handelt sich um eine Eu-Direktive. Ein echter Schritt nach vorn, denn die Industrie muss nun die Herkunft der Moleküle in ihren Produkten beweisen und angeben.
Ab nun werden wir alles über die Zusammensetzung der Produkte erfahren können. "Reach" vergisst aber leider den "Cocktail"-Effekt, den diese Molekül haben können. Man muss noch weiter gehen.

Cara: Bravo für Ihren Film. Meine Kritik: Warum widmet sich der Film in erster Linie den Männern, wo die Frauen doch genauso betroffen sind? Ist es für die Zuschauerzahlen interessanter, wenn über die Männer gesprochen wird???


Die ersten Untersuchungen wurden an Männern vorgenommen. Zuerst hat man also durch diese Untersuchungen der Männer gemerkt, dass hier etwas nicht stimmte. Die Frauen sind aber von der Forschung auf keinen Fall ausgeschlossen.

Franck: Glückwunsch für die Recherche. Für meinen Geschmack etwas zu sehr auf das öffentliche Gesundheitswesen konzentriert. Es fehlt mir der Bereich "Gesundheit am Arbeitsplatz". Wann machen Sie darüber etwas?
Die Argumente der Chemie-Lobby erinnern mich an die von den Firmen, die damals Astbest verteidigt haben.

Ja, das stimmt. Dieses Thema ist durchaus denkbar. Zum Beispiel, im Bereich der Lösungsmittel.


Bryan: Sind auch Kosmetika mit Bio-Label mit Phtalaten kontaminiert?

Nein, normalerweise sind in diesen Kosmetika keine Phtalate enthalten, wohl aber in den Behältern der Kosmetika. Die Phtalate dienen als Weichmacher für Plastik oder als Lösungsmittel. Der zweite fall ist bei Bio-Kosmetika nicht gegeben.

TALIM: Gibt es Länder, die stärker von diesem Thema betroffen sind als andere oder sieht es überall gleich aus?
Es gibt eine Studie, die zeigt, dass in den Industrieländern in den 90er Jahren sehr viel weniger Fälle von Hodenkrebs aufgetreten sind als in Dänemark, das sehr viel stärker industrialisiert war.
Nun, da Finnland ein ähnliches wirtschaftliches Niveau erreicht hat, werden auch, was die Erkrankungen angeht, sehr viel höhere Zahlen festgestellt.

Fred: Sind Glasbehälter gesünder als die aus Plastik?
Es ist schwer, hier abschließend eine Antwort zu geben. Ich würde sagen: vermeiden Sie so gut es geht Plastikbehälter, aber bekommen Sie auch keine Komplexe oder eine Phobie, was Plastik angeht.

Schnouff: Ich habe gehört, dass Wasser aus dem Wasserhahn hormonaktive Substanzen enthalten soll. Stimmt das?
Arte hat letzte Woche einen sehr guten Dokumentarfilm zu diesem Thema gezeigt. Wir raten eher zum Wasser aus dem Hahn als zu Mineralwasser aus einer Plastikflasche. Aber wir sind auch keine Integristen, was diese Frage betrifft.

Chrisalis: Wie leben die Wissenschaftler mit dem Problem?
Alle die wir getroffen haben, treffen ihrerseits auf individuelle Weise Vorsorge. Manche ernähren sich nur von Bio-Nahrungsmitteln, andere vermeiden Pestizide.

Sab15: Solange die EU-Direktive nicht angewendet wird, wird sich nichts ändern. Wie sollen die Konsumenten denn genau wissen, was sie da alles eigentlich kaufen? Die Informationen wie heute Abend kommen doch eh nur bei schon sensibilisierten Menschen an.
Das ist genau die Frage. Aber man muss anfangen, etwas zu säen, ein Bewusstsein, wie mit diesem Dokumentarfilm. Man muss hoffen, dass daraus dann das Bewusstsein der Konsumenten heraus wächst.
Und auch die Politik und die öffentliche Hand müssen die Informationen verbreiten, um die Konsumenten konkret anzusprechen.

Hervé: Scheint alles auf Bio-Ernährung hinauszulaufen. Was halten Sie von diesen Produkten, die bei Discountern angeboten werden?
Ich kann zu diesen Produkten bei Discountern nichts sagen. Vermeiden Sie Fleisch, und Früchte, dass mit Pestiziden behandelt wurde. Schälen Sie die Früchte.

JMF: Enthält Latex wie Plastik auch hormonaktive Stoffe?
Natürliches Latex nicht, aber auch synthetisches Latex nach unseren Information nicht.

(aus dem Forum) Ich bin im 6. Monat schwanger und massiere mich mit einem öl gegen Schwangerschaftsstreifen, und zwar jeden Morgen den Bauch. Ich habe die genaue Zusammensetzung der Produkte auf dem Internet gesucht, aber nichts gefunden! Jetzt habe ich Panik!
Sie haben Recht, Informationen zu diesem Produkt zu suchen. Es ist ein Öl, ist das gesundheitsgefährdender als eine Creme? Wir können Ihnen leider nicht sagen, ob das Produkt Gefahren beinhaltet.

Gf: Sind Bio-Kosmetika vollkommen chemiefrei?
Es gibt zwei Arten hormonaktiver Substanzen darin: unter anderem die Phtalate.

Delphine23: Was kann man als Konsument tun, um die Situation zu verändern?
Der MDRGF ist dabei, Menschen aus dem Bereich des Gesundheitswesens, der NGO's und von Vereinen zusammenzubringen, die etwas verändern wollen. Ich lade Sie ein, sich bei denen einzuklinken.

Sonja: Ich bin dazu gezwungen, täglich Sonnencreme aufzutragen. Gibt es da ein natürliches Präparat? Wegen eines Nierenleidens trinke ich außerdem sehr viel Mineralwasser. Ist das gefährlich?
Und wo kann man komplett natürliche Kosmetika finden?
In Sonnencremes sind hormonaktive Substanzen enthalten. Eine Schweizer Forscherin hat sich nach Untersuchungen an Ratten identifiziert.

Axens: Haben Sie bei Ihrem Film Druck aus der Chemie-Industrie bekommen?
Nein. Einmal hatten wir einen Termin mit einem Chef eines Chemie-Unternehmens. Wir wurden dann von anderen Menschen kontaktiert, obwohl die gar nicht unsere Telefonnummer hatten. Wir fanden das etwas seltsam. Aber Druck hat es in diesem Sinne nicht gegeben.

Olzovaro71: Manche Haushaltsmittel enthalten aktive Tenside, die in der Struktur denen ähneln, die als Ausgangsstoff mit Erdöl produziert werden. Dabei geht es doch eher um ein Marketing-Argument als um ein wissenschaftlich fundiertes, oder?
Joker, ich kenne dieses Thema nicht gut genug.

Nadia: Wenn ich das richtig verstanden habe: Bio-Milch trinken, die aus einer Plastikflasche stammt, ist nicht gut?

Man darf Plastik nicht komplett verteufeln. Die Debatte darf sich nicht darauf beschränken.

Girafe: Wollen Sie weiter in diesem Themenbereich arbeiten und Filme drehen?


Ja, natürlich. Dieser Film ist schon der zweite in der Serie, der erste behandelte das Thema Kampf gegen Krebs. Wir möchten gerne dazu beitragen, das sich etwas tut, also dass der Krebs weiter bekämpft werden kann. Allerdings, es gibt immer mehr Krebs-Erkrankungen.
Für die Wissenschaftler ist die verminderte Fruchtbarkeit der Männer kein Problem. Denn sie gehen davon aus, dass auf künstlichem Weg hier etwas getan werden kann.
Aber wir denken, dass die Gründe für diese Entwicklung untersucht werden müssen. Die Wissenschaft kann nicht alle Probleme lösen.

Pantxoa: Es wäre sehr gut, wenn der biologisch-dynamische Anbau mehr subventioniert würde und nicht die intensive Bewirtschaftung.
Barby: Hat sich Ihr Leben durch die Entdeckungen des Films geändert?


Ja, man muss den Bio-Anbau in Frankreich subventionieren. Wir sind derzeit nur bei 2 Prozent, das Ziel wären 20 Prozent. Es gibt noch viel Arbeit.
Brauchen wir den intensiven Einsatz in der Landwirtschaft von Pestiziden? Wir müssen die richtigen Fragen stellen.
Das ist keine Utopie. Wir wollen, dass sich die Dinge ändern. Das gibt uns eine sehr große Energie. Wir sind auch überhaupt nicht verzweifelt. Denn, wie uns einer der Wissenschaftler sagte, den wir getroffen haben: Pessimismus ist keine sehr produktive Lösung.
Wir brauchen Wissenschaftler, Politiker und Bürger, die engagiert und mutig sind.

 


Einen schönen Abend und Danke an alle.


Erstellt: 29-08-08
Letzte Änderung: 01-12-08