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Berlin vom 31.01 > 04.02.07 - 02/09/08

Man wird erwachsen aber nicht alt: "Media Art Undone" – Braucht Medienkunst noch Festivals?

Jens Hauser


Könnten die meisten der auf der 20. Transmediale ausgestellten Arbeiten heute nicht eigentlich auch im etablierten Gallerie- und Museumsbetrieb zu sehen sein? Die konzeptuellen pulsierenden, "lebenden" Graphiken und Kuchendiagramme in Antoine Schmitt's "Still Living"; das auf einer intellektualisierten Bild-Ton-Schere aufbauende Videowerk "Proof of Life" von Herman Asselberghs; oder Herwig Weisers dröhnend-blinkender transparenter Ghettoblaster "Death Before Disko", der Online-Datenströme aus Weltraumbeobachtungen in Klang- und Lichtereignisse übersetzt… die Ausstellung zeigt, dass man erwachsen geworden ist und die Spiel- und Krabbelphase überwunden hat. Ist dann der Terminus Medienkunst selbst überhaupt noch relevant? Wozu braucht man noch eigene Institutionen und Festivals? Das Panel "Media Art Undone" sollte der Selbstfindung dienen.

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Technologieaffirmation, Technologiegebrauch und Technologiekritik gehen heute Hand in Hand in dieser Kunst. Im Vokabular von Friedrich Kittler heisst dies: "Medien bestimmen unsere Lage." Aber der Neuheitsfaktor neuer Technologien ist veraltet. "Medienkunst hat sich vom Technologiegebrauch emanzipiert und beschäftigt sich mehr und mehr damit, wie Medien unser gegenwärtige Umgebung prägen", meint Inke Arns vom Hartware MedienKunstVerein Dortmund. So sei es normal, dass nicht die verwendete Technologien sondern die Inhalte ins Zentrum – und damit in nähere Nachbarschaft zum "klassischen" Kunstbereich rückten. Gerade dies aber sollte nach Meinung der russischen Netzkünstlerin Olia Lialina nicht passieren. "Wenn Medien im kommerziellen Galeriebetrieb zum Thema werden, ist das eher ein Verlust. Wir wollen diesen konfortablen und sicheren Platz da drinnen doch gar nicht!"

Geht es also noch um einen kategorischen Unterschied der Werke selbst? Nein, meint der Kulturwissenschaftler Diedrich Diederichsen. Nicht die Arbeiten selbst reichten als Unterscheidungsmerkmal mehr aus, alles hänge vielmehr davon ab, in welchem Millieu man verkehre. So funktionniere eben das Galerie-System auf der einen Seite über Museen und Cocktail-Vernissagen, und auf der anderen das Medien-Kunstsystem über kurzzeitig stattfindende eigene Festivals und eher theoretisches Begleitprogramm. Und auch hier findet Diederichson das Selbstverständis der Festivals problematisch und macht im Untertitel der Transmediale eine Fehlstelle aus: "Festival für Kunst und digitale Kultur, das suggeriert, dass es sich beim Schritt von der Kunst zur digitalen Kultur um Fortschritt handelt."

Genau aber dieser Fortschritt sollte nach Ansicht des Theoretikers Timothy Druckrey nach wie vor im Mittelpunkt stehen. Im Gegensatz zur tradionellen Gegenwartskunst habe die Medienkunst vor allem kritische Denkräume geöffnet. "Es gibt diese zwei getrennten Kunstwelten noch. Die unsere zeichnet sich dadurch aus, dass wir ständig die Effekte der Medialisierung hinterfragt haben, und die Frage nach Technologie nicht individuell sondern kollektiv gestellt haben. Wir haben diesem grassierenden Narzissmus die Stirn geboten, wie er sich in der Unterhaltungsindustrie in Youtube, Myspace, oder I-pod offenbart." Dabei sei in der Medienkunst das "reinigende Wort neu" genau so produktiv wie hinderlich gewesen, denn "es hat uns elitär und spezifisch aussehen lassen, obwohl uns doch gerade die ganz grundsätzlichen Überlegungen am wichtigsten gewesen sind."

Dass es falsch wäre, das Distinktionsmerkmal Medienkunst aufzugeben, macht Druckrey aber noch an einem anderen Faktum fest: Medienkunst ist für Kunsthistoriker heute vielmals immer noch ein völlig blinder Fleck. Und auch in neueren Standardwerken fehlte sie kategorisch: "Ein neues Buch wie Art Since 1900 von Hal Foster, Rosalind Krauss, Yve-Alain Bois und Benjamin Buchloh, das der heutigen Generation als Enzyklopädie angeboten wird, ignoriert immer noch hartnäckig die Existenz von Medienkunst als wesentliche Richtung des 20. Jahrhunderts, uns schweigt sich über die Interaktionen zwischen Kunst und Technologie völlig aus." Eine Lösung? "Wir müssen endlich unsere eigene Kunstgeschichte schreiben – eine Medienkunstgeschichte..."
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Das Festival
Transmediale 07 - "Unifinished"
vom 31. Januar bis zum 04. Feburar 2007
in Berlin
>> Offizielle Website der Transmediale
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Kultur Digital
Februar 2007
Text von Jens Hauser
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Erstellt: 15-02-07
Letzte Änderung: 02-09-08


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