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Freitag, 23. Dezember 2005 um 20.40 Uhr - 19/12/05

Margarete Steiff

In der Mitte des 19. Jahrhunderts scheinen der jungen Margarete Steiff wegen ihrer Körperbehinderung alle Tore verschlossen. Doch die optimistische junge Frau ist entschlossen, trotzdem etwas im Leben zu erreichen. Mit Ideenreichtum, Lebensfreude und unbezwingbarem Willen erobert sie sich die Zukunft. Als die große Liebe ihres Lebens scheitert, setzt ihr beruflicher Erfolg ein: Margaretes Stofftiere werden weltberühmt.


Die kleine Margarete ist ein aufgewecktes und optimistisches Kind. Aber sie leidet an den Folgen einer Kinderlähmung, kann ihre Beine nicht bewegen, und auch die rechte Hand ist nur sehr eingeschränkt einsetzbar. Die Eltern, einfache Leute aus Giengen auf der Schwäbischen Alp, sorgen sich um ihre Zukunft mehr als um die ihrer anderen Kinder, Marie, Pauline und Fritz, denn Margarete kann weder mitarbeiten, noch ist eine Eheschließung für sie zu erwarten. Doch die willensstarke Margarete ist überzeugt, dass sie eines Tages wieder gesund werden wird. Ihr kleiner Bruder Fritz unterstützt sie nach Kräften. Die beiden Kinder sind unzertrennlich.

Margarete kämpft dafür, wie andere Kinder in der Schule gehen zu dürfen. Sie lässt nicht locker und bringt schließlich den Vater dazu, für sie die Erlaubnis zum Schulbesuch durchzusetzen. Auch die Hoffnung auf Heilung gibt Margarete nicht auf. Erwachsen erhält sie die Nachricht, dass Dr. Werner, chirurgische Kapazität im fernen Wien, sie operieren könnte. Durch beharrlichen Einsatz erreicht sie, dass eine örtliche Stiftung die Kosten für Aufenthalt und Operation übernimmt. Im Zug lernt Margarete einen interessanten jungen Mann kennen: Julius Tichy ist Handlungsreisender und verkauft neuartige Apparate aller Art. Margarete ist beeindruckt, von Julius genauso wie von seinen Erzählungen von einer Nähmaschine, die das Leben der Frauen erleichtern soll. Die lang vorbereitete Operation misslingt. Als Margarete nach vielen Monaten wieder in Giengen eintrifft, ist sie immer noch gelähmt - eine herbe Enttäuschung.

Aber Margarete hat von dem Wiener Arzt gelernt, sich damit abzufinden, dass sie nie wieder gehen können wird. Mit ihrer ganzen Entschlossenheit sucht sie nun nach einer Möglichkeit, etwas aus ihrem Leben zu machen. Als Julius Tichy überraschend in Giengen eintrifft, sieht sie diese Chance gekommen. Mit der finanziellen Unterstützung ihrer Freundin Charlotte schafft sie eine Nähmaschine an und überredet Julius, zunächst in Giengen zu bleiben. Obwohl er mittlerweile weiß, dass sie gelähmt ist, gibt Julius ihr immer wieder seine Bewunderung zu erkennen.

Margarete ist verliebt und sie wagt zu glauben, dass Julius ihre Gefühle erwidert. Dies beflügelt sie beim Aufbau eines Konfektionsgeschäfts. Die heimische Wohnstube wird zur Werkstatt, in der sie mit den Schwestern und Charlotte arbeitet. Julius und Fritz, der Julius' Annäherung eifersüchtig beobachtet, sorgen für Material und Aufträge. Bald zeigt das Geschäft erste Erfolge.
Während Julius unterwegs ist, lenkt Margarete sich in langen Nächten mit der Herstellung von Filzelefanten ab. Beim Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt stellt sich heraus, dass die eigentlich als Nadelkissen gedachten Elefanten als Kinderspielzeug ein Renner sind. Nach diesem unerwarteten Erfolg trifft eine andere Nachricht sie umso härter. Denn Julius hat endlich den Mut gefunden, ihr zu sagen, dass er ihr zwar sehr zugetan ist, aber eine andere liebt. Ausgerechnet mit ihrer Freundin Charlotte wird er in Salzburg ein neues Leben beginnen. Margarete ist am Boden zerstört. Ihre bitteren Vorwürfe lenkt sie auf den Bruder Fritz, der sie nicht auf diese Nachricht vorbereitet habe. In ihrem Zorn ist die junge Frau wie stets kompromisslos. Sie schickt Fritz weg und will ihn nie wieder sehen. Tief getroffen verlässt er das Haus.

Margarete bleibt einsam zurück und stürzt sich in die Arbeit. Aus dem Unternehmen wird eine florierende Fabrik, die sich vor allem auf Spielzeug aus Filz spezialisiert. Nach Jahren des Stillschweigens zwischen den Geschwistern ist es Fritz, der mit einem ersten Schritt die Versöhnung einleitet. Margarete geht darauf ein, und Fritz wird zu ihrem wichtigsten Mitarbeiter. Gemeinsam entwerfen sie eine absolute Spielzeugneuheit: einen Bären aus Mohair mit beweglichen Gliedern. Doch die Idee kommt möglicherweise zu spät.
Die Rezession und die Kosten für den Fabrikneubau haben Margaretes Firma nahe an den Konkurs gebracht. Wieder einmal muss sie ihre ganze Willenskraft aufbieten, um mit Unterstützung ihrer Mitarbeiter bis zur Spielwarenmesse durchzuhalten, den drohenden Ruin im Genick. Bei der Messe lösen die Bären Bewunderung aus, aber in der momentanen Wirtschaftslage traut sich niemand, die teuren Spieltiere zu bestellen. Margarete und Fritz haben schon beinahe resigniert, als gegen Abend der amerikanische Einkäufer Hollow auftaucht...

Der in Wien geborene Xaver Schwarzenberger gehört zu den vielseitigsten Kameramännern des aktuellen deutschsprachigen Films. Er arbeitete mit Rainer Werner Fassbinder seit "Berlin Alexanderplatz" (1980) bis zu dessen Tod zusammen. In dieser Zeit entstanden "Lili Marleen" (1981), "Lola" (1981), "Die Sehnsucht der Veronika Voss" (1982) und "Querelle - Ein Pakt mit dem Teufel" (1982). Kurz danach fotografierte Schwarzenberger für den französischen Regisseur Gérard Oury den Actionfilm "As der Asse" (1982) mit Jean-Paul Belmondo. Parallel zur Arbeit als Kameramann wurde Schwarzenberger auch als Regisseur tätig und drehte unter anderem "Der stille Ozean" (1983). In den 80er Jahren entstanden unter Schwarzenbergers Mitwirkung mehrere erfolgreiche Komödien, darunter die ersten beiden "Otto"-Filme (1985 und 1987) und Vicco von Bülows "Ödipussi" (1988). Nach der Kameraarbeit für Helmut Dietls "Schtonk" (1992) drehte Schwarzenberger vorwiegend TV-Filme wie "Krambambuli" (1998), für den er 1999 den Adolf Grimme Preis bekam, "Eine Liebe in Afrika" (2003) und zuletzt "Feine Dame" (2005).

Heike Makatsch, geboren in Düsseldorf, war ab 1993 Moderatorin des Musiksenders Viva. Ihr Kinodebüt gab sie erfolgreich in Detlev Bucks "Männerpension" (1996). Es folgten unter anderem "Obsession" (1997), "Liebe deine Nächste" (1998), "Aimée & Jaguar" (1999) und "Anatomie 2" (2003) sowie internationale Produktionen wie "Late Night Shopping" (2001), "Resident Evil" (2002) oder auch "Love... Actually" (2003). In Deutschland läuft jetzt Lars Kraumes Kinofilm "Keine Lieder über Liebe" (2005) an, in dem Heike Makatsch die Ellen spielt.

Felix Eitner arbeitet viel am Theater, unter anderem in Inszenierungen von Dieter Dorn und Robert Wilson, für die Münchner Kammerspiele und unter Reinhard Göber für das Stadttheater Konstanz und übernimmt regelmäßig Film- und Fernsehrollen. Im Fernsehen spielte er neben Auftritten in TV-Serien unter anderem in Friedemann Fromms "Brüder auf Leben und Tod" (1995), wofür er 1996 beim Max Ophüls Festival als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet wurde, wie auch in dem erfolgreichen Film "Schatten der Macht" (2002) oder zuletzt in "Drei Schwestern Made in Germany" (2005). Im Kino war Eitner in Rainer Matsutanis "Nur über meine Leiche" (1994, auf ARTE am 08.09.1997) und in Michael Hanekes Kafka-Verfilmung "Das Schloss" (1996, auf ARTE am 03.08.1998) zu sehen.


Hary Prinz absolvierte seine Schauspielausbildung am Franz-Schubert-Konservatorium in Wien und debütierte am Wiener Burgtheater, an dem er von 1990 bis 1992 auch Ensemblemitglied blieb. 1992 folgte er einem Engagement ans Stadttheater St. Gallen. Neben seiner Bühnenarbeit ist Hary Prinz auch für Film und Fernsehen tätig. Er spielte den Kaspar in Jo Baiers Historiendrama "Schwabenkinder" (2003, auf ARTE am 07.03.2003) und war 2004 als Alfred in Götz Spielmanns "Antares" zu sehen.



Margarete Steiff
Deutschland 2005, ARTE/SWR, Erstausstrahlung, 16:9 / 89 Min.
Regie: Xaver Schwarzenberger, Drehbuch: Susanne Beck, Thomas Eifler, Kamera: Xaver Schwarzenberger, Musik: Hans-Jürgen Buchner, Haindling, Kostueme: Heidi Melinc, Redaktion: Michael Schmidl, Klaus Lintschinger, Bettina Ricklefs, Lisa Müller, Rudi Gamper, Schnitt: Helga Borsche; Ausstattung: Petra Heim, Produktion: Film-Line Productions
Mit: Heike Makatsch (Margarete Steiff), Felix Eitner (Fritz Steiff), Hary Prinz (Julius), Susanne von Borsody (Mutter), Herbert Knaup (Vater), Bernadette Heerwagen (Charlotte), Harald Krassnitzer (Dr. Werner), Annika Luksch (Die junge Margarete), Niklas Ehrensperger (Der junge Fritz), Eva Löbau (Pauline), Lilia Lehner (Marie), Bernd Tauber (Sauter), Hubertus Gertzen (Bankdirektor), Christian Koerner (Pfarrer), Corinna Beilharz (Sieglinde)

Erstellt: 30-11-05
Letzte Änderung: 19-12-05