
Miguel Aceves Mejia "Voj De Gallo" (Real Audio, 1'30")
Yolanda Del Rio "El Muro" (Real Audio, 1'30")
Gala Y Su Marhiachi "Volver Volver" (Real Audio, 1'30")Je intensiver man sich mit Mariachi auseinandersetzt, um so weniger erfährt man über Ursprung und Form. Allein die Herkunft des Wortes „Mariachi“ ist umstritten. Einmal sollen es 1864 französische Truppen gewesen sein, die während ihrer Stationierung in Mexiko zur Unterstützung des regierenden österreichischen Erzherzogs Ferdinand Maximilian, die Mariachi-Kapellen für Hochzeitskappellen gehalten haben sollen.
Die „Mariage-Ensembles“, wie sie von den Soldaten bezeichnet wurden, sollen dann in der mexikanischen Sprache eine Abwandlung zu „Mariachi“ erfahren haben. Eine andere Theorie besagt, dass wiederum Hölzer die Namensgeber waren, die in Mexiko für Tanzböden verwendet wurden. Nach neuester Erkenntnis stammt der Begriff vermutlich aus einem Landesteil an der Küste von Nayarit, wo es einige Siedlungen mit dem Namen „Mariachi“ gab. Aus dieser Ursprungsregion der Mariachi stammt auch ein gleichnamiger Tanz.
Und obwohl man mit Mariachi zunächst einen speziellen Musikstil verbindet, so steht der Begriff einzig für eine typisch mexikanische Musikformation sowie deren Musiker. Das Instrumentarium der klassischen Mariachi-Ensembles besteht aus der Guitarrón, einer Bassgitarre mit überdimensionalen Klangkorpus, der Vihuela, einer fünfseitigen kleinen Gitarre, der klassischen Akustikgitarre, sowie Geigen, Trompeten und den Maracas. Die Kapellen bestehen aus sieben bis zwölf, gelegentlich auch aus bis zu zwanzig Musikern, bei denen der Wechsel aus Solostimme und mehrstimmigen Gesang um so ausdrucksstärker zur Geltung kommt. Die Musik der Mariachis setzt sich aus einer Fülle von regionalen Stilen zusammen, unter anderem aus dem Corrido und Bolero (s. unsere Rezension vom 27.03.07), gelegentlich auch aus dem Paso Doble oder dem Danzón. Weitere Einflüsse stammen sowohl aus spanischen, indigenen als auch französischen Musikstilen.
Auf dem wunderbar kompilierten Album „Mariachi“ finden sich sowohl klassische als auch aktuelle Produktionen. Wie zum Beispiel das Norte Collective aus Tijuana und die Formation Wakal aus Mexiko-City, die Elemente des Mariachi-Sounds mit HipHop und Dancefloor verquicken. Und die amerikanische Band Calexiko peppt wiederum ihren lethargischen Wüstenrockpop mit Mariachi-Geigen und –Trompeten auf. Um so mehr sticht Willy De Villes Mariachi-Version von „Hey Joe“ heraus, die an Originalität und Leidenschaft einzigartig ist. Emotionalität und Leidenschaft sind auch die ursprünglichen Markenzeichen der frühen Mariachi-Sänger. Entweder jauchzen und jubeln sie in den höchsten Tönen, oder sie schluchzen und jammern zum Steinerweichen. Kein Auge bleibt trocken, kein Herz hart, wenn die Gesänge von Miguel Aceves Mejia, Yolanda Del Rio oder des Duo Gala Y Su Marhiachi ertönen. Die Wüste bebt, vor mexikanischer Emotion.
Matthias Schneider







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