Dass seine Kollegen von ihren Diensttelefonen aus einen Service für Auftragsmorde betreiben könnten, wundert den Moskauer Ermittler Arkadi Renko auch nicht mehr. Gangstertum ist im Kriminalroman "Stalins Geist" kein verfemter Teil der sozialen Realität, sondern die Norm für all jene, die sich durchsetzen, die es zu etwas bringen, die sich für andere Gangster unangreifbar machen wollen. Es gibt auch keine Trennlinie zwischen Gangstertum und Politik, sondern es herrscht Ineinanderfließen.Wenn in "Stalins Geist" vermeintliche Sichtungen des toten Tyrannen in der Metro die alten Veteranen und jungen Ultrapatrioten in Aufregung versetzen, dann halten die Staatsanwälte ihre Finger in den Wind aus den Massengräbern und überlegen, mit wem sie sich gut stellen müssen. Die Romane des Amerikaners Martin Cruz Smith sind bedrückender und kunstvoller als alle russischen Krimis, die es in Übersetzung zu uns schaffen. Es ist ein wenig, als würde da jenes Unheil imaginiert, das wir in Putins Zügen zu erkennen fürchten.
Thomas Klingenmaier/Stuttgarter Zeitung
(…) Keine Legende hingegen scheint zu sein, dass in der Moskauer U-Bahn Stalin persönlich umgeht. Oder doch sein Geist? Eine Reinkarnation? Ein Menetekel im Putin-Russland? Arkadi Renko muss ran, inzwischen Ermittler bei der Staatsanwaltschaft. Und er tappt hinein in ein Delirium aus russischer Realpolitik, Tschetschenienkrieg und viel, viel Gewalt. Grandios, der neue Roman von Martin Cruz Smith: Rätselhaft, opak, grimmig-komisch und glasklar die politischen und sozialen Bewegungen der Zeit beobachtend, denn es ist keineswegs nur ein russisches Problem, was sich in Russland abspielt. Grosser Roman!
Thomas Wörtche/Plärrer







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