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02/06/2009 - Romantik - 02/06/09

Matthias Goerne und Christoph Eschenbach spielen Schubert

Das dritte Album von Matthias Goernes Schubert-Anthologie bietet eine „endzeitliche“ Version von Wilhelm Müllers Zyklus Die schöne Müllerin.

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Franz Schubert: Die schöne Müllerin
Matthias Goerne (Bariton), Christoph Eschenbach (Klavier)
Label: Harmonia Mundi
Vertrieb: Harmonia Mundi
Die schöne Müllerin hat mit der Winterreise die Vorliebe für Fortsetzungsgeschichten gemein. Wilhelm Müller verstand sich bestens auf die Verdichtung von Bildern, und der kleinste Bach wurde bei ihm zur mächtigen Metapher: Als echter Romantiker gestaltet er in beiden Zyklen das zentrale Todesthema, und wenn sich im ersten Zyklus dennoch das Leben durchsetzt, dann nur, weil die Jugend des Autors sich dem Lockruf des Frühlings nicht verschließen konnte. Als Schubert sich der Gedichte annahm, hütete er sich davor, Jugend und Sorglosigkeit zu verwechseln. „Zumindest keine Bitterkeit“, schrieb André Tuboeuf und hatte damit nicht unrecht.
Die Reise des Müllers ist bekanntlich eine initiatische Reise mit schlechtem Ausgang. Für Matthias Goerne und Christoph Eschenbach scheint die Jugend von vorneherein vorbei, als ob die Erzählung der Sonnentage von jenem anderen Reisenden stammt, der in Eiseskälte über die „weißen Matten“ irrt. Die schöne Müllerin endet im Spätherbst, und das „Gute Nacht“ des letzten Liedes kündigt schon "Die Winterreise" an, jenen anderen im Zeichen der Trauer stehenden Zyklus.


Indem Matthias Goerne den gesamten Zyklus in dieses endzeitliche Licht stellt, vermittelt er ihm zugleich eine seltene Stimmigkeit. Seine bemerkenswert treffende Interpretation wird von seiner außerordentlichen Präsenz noch verstärkt: Das Timbre seiner Stimme scheint aufs Genaueste die Stimme des Müllers zu verkörpern bzw. die aus den Tiefen hervorkommende Stimme, die unablässig mit dem abwesenden Bruder Alfred de Mussets oder dem „double altéré“ von Roland Barthes kommuniziert.
In einem anderen Artikel haben wir schon auf die Grenzen von Matthias Goernes Aussprache hingewiesen. Beim Anhören der "Schönen Müllerin" wird einem klar, dass Goernes ästhetischer Ansatz eine Diktion nach dem Vorbild von Fischer-Dieskau nicht zulässt. Matthias Goerne geht genau der Satzmelodie nach, was eine auf den Klang der für sich genommenen Wörter ausgerichtete Interpretation einfach nicht zulässt. Ich möchte darüber nicht urteilen, aber diese Frage darf das Wesentliche nicht verstellen, nämlich die Schönheit dieser Interpretation, die an Dichte und Kohärenz das meiste, was gegenwärtig auf dem Markt zu finden ist, bei weitem übertrifft.

Mathias Heizmann

Erstellt: 21-10-08
Letzte Änderung: 02-06-09


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