Schriftgröße: + -
Home > Die Welt verstehen > Burnout > Mehr Videos > Der Fall France Télécom

Burnout

Die Reihe von Selbstmorden bei France Télécom hat der Öffentlichkeit einmal mehr vor Augen geführt, dass der Arbeitsalltag zum Albtraum werden kann. „Thema“ (...)

Burnout

30/10/09

France Télécom

(Paris, ARTE Info, 19.10.2009) Bei dem französischen Telefonanbieter "France Télécom" soll nach der Selbstmordserie von 25 Mitarbeitern nun ein externes Unternehmen ermitteln, wo genau die Ursachen für die psychischen Belastungen der Beschäftigten liegen. Dazu erhalten die mehr als 100.000 Mitarbeiter einen Fragebogen mit insgesamt 175 Positionen. Die Gewerkschaften machen den rasanten Konzernumbau für die Selbstmorde verantwortlich.

  • France Télécom


Seit Montag morgen 4 Uhr wird an alle 102.000 Beschäftigten von France Telecom ein Fragebogen per E-Mail verschickt. Auch Pierre Gojat, leitender Angestellter und Gewerkschaftsmitglied hat ihn bereits erhalten. 175 Fragen zum Arbeitsklima und der Arbeitsplatzsituation: Meine Arbeit ändert sich ständig - ja, nein. Ich werde ungerecht behandelt: ja - nein: "Was ich ankreuze, ist streng vertraulich. Alle Befragten können ankreuzen was sie wollen. Denn es ist sehr wichtig, dass wir ein möglichst präzises Bild davon erhalten, in welchem Zustand sich die Beschäftigten befinden, wie sie zu ihrer Arbeit stehen und dem Druck, dem sie ausgesetzt sind.

Ein Fragebogen als einzige konkrete Antwort auf 25 Selbstmorde in ihrem Unternehmen. Vielen Angestellten ist das viel zu wenig. Professor Stora befasst sich seit 25 Jahren wissenschaftlich mit dem Thema Stress. Seiner Ansicht nach hätte die Fragebogen-Aktion noch weiter gehen können: "Über das allgemeine Betriebsklima hinaus hätte man Abteilung für Abteilung, Betriebseinheit für Betriebseinheit eine interne Untersuchung durchführen müssen. Doch das scheint in dem Fragebogen überhaupt nicht berücksichtigt zu werden. Für mich hat Stress am Arbeitsplatz zwangsläufig etwas mit den Managementmethoden eines Unternehmens zu tun."

In den Führungsetagen ist man sich bewusst, dass die Erwartungen hoch sind. Man werde echte Maßnahmen ergreifen, so das Versprechen. Die Gewerkschaften wollen jedoch nicht länger warten, hrer Ansicht nach ist Eile geboten. Patrick Ackermann von der Gewerkschaft Sud France Telecom fordert, die Mitarbeiter müssen "einen klaren Schnitt erkennen. Doch das ist immer noch nicht der Fall. Die Direktion muss nicht die Gewerkschaften überzeugen, sondern die Beschäftigten." Für die Auswertung sind insgesamt sechs Wochen vorgesehen.

Erstellt: 20-10-09
Letzte Änderung: 30-10-09