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01/12/04

Mein Leben ohne mich

Ein Film von Isabel Coixet


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Synopsis: Ann ist 23. Sie hat zwei Töchter, einen sehr liebevollen Ehemann, der aber meist arbeitslos ist, eine Mutter, die alle Welt hasst und einen Vater, der die letzten zehn Jahre im Gefängnis verbracht hat. Sie arbeitet nachts als Pförtnerin in der Universität von Vancouver und lebt mit ihrer Familie in einem Wohnwagen auf dem Grundstück ihrer Mutter. Bei einer ärztlichen Untersuchung erfährt sie, dass sie nur noch kurze Zeit zu leben hat - höchstens noch zwei Monate. Sie entschließt sich aus Liebe zu ihrer Familie, niemandem etwas von ihrem Zustand zu verraten und die Zeit, die ihr noch bleibt, in vollen Zügen zu genießen.
 
Die Kritik zum Film: Ein junges Paar in bescheidenen Verhältnissen, aber von Liebe erfüllt, zwei hübsche kleine Töchter mit marmeladeverschmierten Fingern - aber in dieser Idylle lauern Krankheit, Tod und die unerträgliche Leere danach. Oberflächlich betrachtet mag My Life Without Me etwas grob gestrickt erscheinen, nach dem guten alten Muster des tränentreibenden Melodrams, fast wie eine Art Love Story in Vancouver: Zwei junge, schöne Menschen begegnen einander beim letzten Nirvana-Konzert, verlieben sich auf den ersten Blick und bekämen wohl noch viele Kinder - als sie plötzlich erfährt, dass sie zum Sterben verurteilt ist. Doch das Handicap dieses Drehbuchs hat Isabel Coixet nicht behindert. Es ist ihr gelungen, dem Film so viel Feingefühl, Sensibilität und auch eine gewisse Bitterkeit mit auf den Weg zu geben, dass dieser keineswegs in plumpes Pathos abgleitet.
 
Befreit vom Korsett des Alltags mit allen seinen Konventionen und schließlich auch von ihrer eigenen Angst entwickelt Ann in den letzten Tagen, die ihr noch bleiben, eine bisher ungekannte Lebenslust. Sie verführt einen verwundeten jungen Mann, der sie bewundernd betrachtet, als sie in einem Waschsalon eingeschlafen ist - und bringt ihn ironischerweise durch ihre Liebe ins Leben zurück. Glänzend, mit welcher Nüchternheit Sarah Polley die Hauptrolle der Ann spielt, dieser Mutter, Liebenden, Ehefrau und Tochter, die mit unerschütterlicher Ruhe die letzten Tage ihres Lebens organisiert, so zum Beispiel, als sie in ihrem Auto Geburtstagswünsche für ihre Töchter auf eine Kassette spricht - einen für jedes Jahr, bis diese 18 sind. Die ersten Bilder des Films könnten genauso gut auch die Schlusssequenz sein: Eine Frau, im Regen stehend, gedankenverloren, offen, glücklich, das Gefühl ihrer Füße im grünen Gras eines Gartens sichtlich genießend.Delphine Valloire
 
Das Bonusmaterial: Das Making Of porträtiert eine ungewöhnliche Regisseurin und deren Arbeitsweise. Die in Kanada lebende Spanierin wirkt offen und spontan, die Dreharbeiten scheinen dem ganzen Team enormen Spaß bereitet zu haben. Das ist bei dem Thema Tod alles andere als selbstverständlich. Aber auch ihre Filmfigur Ann weiß dem Leben wegen – oder grade trotz ihres nahenden Todes – noch einiges an Erfahrung und Glück abzugewinnen, sie blüht geradezu auf. Sarah Polley, die Darstellerin der Ann gibt zu, daß sie anfangs Probleme hatte, sich auf die Rolle einer Todkranken vorzubereiten: „ich war deprimiert und lief wochenlang wie ein Zombie durch die Strassen“. Aber dann beschloß sie, sich an Ann ein Beispiel zu nehmen: „Ich mochte es sehr, wie sie auf die Diagnose reagierte. Sie hat es keinem erzählt, und versuchte, etwas aus dem Rest ihres Lebens zu machen. Sie ist sehr tapfer.“
 
Das liebevoll gemachte Making Of kombiniert Aufnahmen des Drehs mit kleinen Interviews der Darsteller, immer wieder auch mit kurzen Statements der Regisseurin. Zusätzlich verwendetes, grobkörniges Super 8 Material des Teams schafft Atmosphäre. Bei den Kurzinterviews fällt besonders das mit Amanda Plummer auf, die zwar nur eine kleine Rolle im Film spielt, dafür im Making Of umso präsenter ist. Sie steht im Wald und flüstert geheimnisvoll durch die Zweige, daß sie Sarah Polley so gerne „in die Augen gesehen habe“. Eine ganz normale Aussage, aber wie sie das sagt, das macht es speziell. Ihre eigene Rolle, die der Freundin Laurie beschreibt sie sehr knapp: „Alles was sie sagt dreht sich ums Essen.“
 
Schade, daß in den sehr ausführlich gehaltenen Interviews mit Cast & Crew (die auch im Making Of  verwendet werden) die Regisseurin ausschließlich in ihrer Muttersprache spanisch spricht, und auf der DVD keine Untertitel angeboten werden. Nach ihren recht knappen Aussagen im Making Of wäre es sehr spannend gewesen, ein vertiefendes Interview mit ihr zu sehen. Die Interviews mit den Schauspielern Sarah Polley, Scott Speedsman, Leonor Watling, Mark Ruffalo und Amanda Plummer sind zwar nett anzusehen, aber nicht besonders aussagekräftig.

Eine schöne Ergänzung wäre eine Bio-/Filmografie der Regisseurin gewesen, denn ihr Film beeindruckt und ihre Person macht neugierig. Dennoch ein Lob an die umfangreiche Ausstattung der DVD: zusätzlich sind noch ein deutscher und ein spanischer Trailer, 2 30sekündige TV Spots, B-Roll Ausschnitte, ein Videoclip und eine umfangreiche Trailershow (acht Titel) vorhanden. Ein Trailer davon ist Pedro Almodovars berührendes Melodram SPRICH MIT IHR – der spanische Starregisseur wurde übrigens auch als Ausführender Produzent bei MEIN LEBEN OHNE MICH tätig.
 
Nana A.T. Rebhan
 
Sprachen: Englisch, Deutsch,
Englische und deutsche Untertitel, Deutsch für Hörgeschädigte
Extras:
- Kinotrailer (deutsche und spanische Version)
- TV-Spots
- Interviews mit Cast &Crew
- Making Of
- B-Roll
- Videoclip „Humans like You“
- Trailershow
Offizieller Wettbewerb Berlinale 2003
 

Erstellt: 08-11-04
Letzte Änderung: 01-12-04