Jerusalem - 23/04/09
Mein kleines Jerusalem (La petite Jérusalem)
Als „kleines Jerusalem“ wird ein Viertel innerhalb eines Pariser Vorortes bezeichnet, in dem hauptsächlich
Juden wohnen. Hier lebt die 18-jährige Laura, die zwischen ihrer religiösen Erziehung und ihrem
Philosophiestudium, das ihr einen anderen Blick auf die Welt ermöglicht, hin- und hergerissen ist. Während
ihre Schwester ihr das Leben einer orthodoxen Jüdin vorlebt, hinterfragt Laura die Existenz Gottes. Doch
beide Schwestern suchen die leidenschaftliche Liebe – die eine in ihrer Ehe, die andere bei ihren ersten
Liebesbegegnungen.
Der Spaziergänger von Jerusalem
In einem Vorort nördlich von Paris wohnt die 18-jährige Laura mit ihrer tunesischen, verwitweten Mutter und der Familie ihrer Schwester in einer kleinen Wohnung in einem Hochhaus. Das Viertel in Sarcelles wird das "kleine Jerusalem" genannt, da sich hier viele jüdische Einwanderer niedergelassen haben. Laura ist Jüdin, doch lange nicht so praktizierend wie ihre Schwester Mathilde, vor der sie ihr Philosophiestudium ständig verteidigen muss.
Trotz der kleinen, alltäglichen Konfrontationen haben die Schwestern eines gemeinsam: den Traum von der großen Liebe. Für dieses heimliche Bedürfnis findet jede einen passenden Vorwand, ob in religiösem oder philosophischem Gedankengut. So unternimmt Laura jeden Abend einen Spaziergang, allerdings nimmt sie den immer gleichen Weg, der sie scheinbar zufällig an Djamel vorbeiführt - ein tunesischer Arbeitskollege, der mit ihr die Räume des nahe liegenden Kindergartens reinigt.
Während Mathilde versucht, ihrem Mann "eheliche Freuden" zu bereiten, wird Lauras Beziehung zu Djamel immer intimer. Als Mathildes Ehemann, das männliche Oberhaupt der Familie, dahinterkommt, verbietet er ihr jeglichen Kontakt zu Djamel. Die unterschiedlichen Werte, die Lauras Welt ausmachen, kollidieren: Ihre orthodoxe Erziehung einerseits und ihre Sympathie mit dem westlich-philosophischen Gedankengut andererseits stehen ihren Gefühlen im Weg.
In "Mein kleines Jerusalem" stehen sich Religion, Philosophie, leidenschaftliche Liebe und Begehren gegenüber. Laura will aus ihrem streng jüdischen Alltag ausbrechen und Abstand gewinnen zum Judaismus, der für sie eine Religion des Glaubens, aber auch des Gesetzes bedeutet. Sie glaubt, mit ihrem Philosophiestudium gegen die Familie und deren Überzeugungen zu rebellieren, bis sie entdeckt, dass auch die Philosophen des 18. Jahrhunderts die Freiheit als "im Rahmen des Gesetzes verankert" verstanden. Ihre eigene Freiheit findet sie erst, indem sie sich über das "Familiengesetz" hinwegsetzt und Djamels Liebe heimlich erwidert.
Die Drehbuchautorin und Regisseurin Karin Albou studierte Theater, Tanz, Hebräisch, Französisch und Arabisch. Sie absolvierte außerdem ein Regiestudium an einer Pariser Filmhochschule, an der sie ihren ersten Kurzfilm "Chut" realisierte. In ihren beiden folgenden Projekten setzte sich Albou künstlerisch auf ganz unterschiedliche Weise mit Algerien, dem Heimatland eines Teils ihrer Familie, auseinander: in dem Dokumentarfilm "Mon pays m'a quitté" und in dem Kurzfilm "Aid el Kébir", für den sie 1999 den Hauptpreis in Clermont-Ferrand erhielt. Er erzählt vom Schicksal eines algerischen Mädchens, das sich auf Wunsche ihres im Sterben liegenden Vaters während der Vorbereitungen auf das arabische Aid el Kébir-Fest einen Mann suchen soll - es wird ein Fest zwischen Leben und Tod. 2008 realisierte Albou ihren zweiten Langspielfilm "Le Chant des mariées".
Der Film "Mein kleines Jerusalem" lief 2005 im offiziellen Wettbewerb in Cannes und erhielt den Preis für das beste Drehbuch.
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Mein kleines Jerusalem (La petite Jérusalem)
Spielfilm von Karin Albou, ARTE France, Frankreich 2002, OmU, 93 Min., Erstausstrahlung
Drehbuch: Karin Albou; Kamera: Laurent Brunet; Musik: Cyril Morin; Schnitt: Christiane Lack
Mit: Fanny Valette (Laura), Elsa Zylberstein (Mathilde), Bruno Todeschini (Ariel), Hédi Tillette de Clermont-Tonerre (Djamel) u.a.
Erstellt: 19-03-09
Letzte Änderung: 23-04-09