Schriftgröße: + -
Home > Gesichter Europas > Programm > Erzgebirge

Gesichter Europas: Donnerstag, 27. Dezember 2007 um 13.30 Uhr - 17/12/07

Meister Wenzels Wasserkunst

Eine Dokumentation von Wolfram Christ


An einem Wasserlauf im sächsischen Erzgebirge im Dörfchen Friedebach steht eine Hütte. Hier, in seinem "Röhrenhäusel", betreibt Hans Jürgen Wenzel die selten gewordene, uralte Kunst, aus Baumstämmen Wasserrohre zu machen - mit Gerätschaften, die schon sein Urgroßvater benutzte. Als einer der letzten Röhrmeister Europas hält er somit eine jahrtausendealte Tradition am Leben.

© ZDF / Wolfram Christ
Hans Jürgen Wenzel beim Tauschen einer historischen Holzröhre.
In den oberen Lagen des Erzgebirges, im legendären Silberland an der sächsisch-tschechischen Grenze, wo tausend Bäche durch unendliche Wälder rauschen, erhält sich manch Relikt aus alter Zeit. Hier gibt es Menschen, die an Traditionen und alter Handwerkskunst festhalten.

Hans Jürgen Wenzel aus Friedebach ist so jemand. Mit seiner Firma "Schindel-Wenzel" baut er Fachwerkhäuser, wobei ihm mittlerweile auch sein Sohn hilft. Der Name seiner Firma kommt von den hölzernen Dachschindeln, die der Urgroßvater im 19. Jahrhundert herstellte. Davon lässt der Urenkel jedoch die Finger. Die einheimischen Hölzer halten nach jahrzehntelanger Luftverschmutzung der Witterung nicht mehr lang genug stand.

Aber seine eigentliche Passion ist eine Kunst, die er nach sehr viel Übung vom Großvater übernommen hat: Wenzel ist in der Lage, aus langen Holzstämmen Wasserleitungen zu machen - so, wie es schon in Zeiten der römischen Viadukte üblich war. Wenzel ist einer der letzten noch aktiven Röhrmeister und Röhrenbohrer Europas.

© ZDF / Wolfram Christ
Historische Bohrmaschine für Wasserleitungen
Damit ist er ein wichtiger Mann, wenn historische Wasserleitungen rekonstruiert werden müssen oder wenn ein Gasthof seiner Heimat aus touristischen Gründen die alten Holzröhren als Teil seines Wellness-Bereichs erhalten will, zum Beispiel, um Sauna-Gästen das einmalige Erlebnis zu ermöglichen, sich in frischem weichem Quellwasser abzukühlen. Wenzel ist der einzige Meister weit und breit, der solche Anlagen noch zu erhalten weiß.

Das Material dazu wächst sozusagen vor Wenzels Haustüre: die Wälder des Erzgebirges geben schöne, gerade und gleichmäßig wachsende Fichten her. Dieses Holz ist weich und leicht zu bearbeiten.

Das Erzgebirge ist für sein Wasserreichtum bekannt. Holz und Wasser bestimmen das Leben im Erzgebirge und auch das Leben von Hans Jürgen Wenzel.

Sein Sohn Timo arbeitet ausschließlich als Fachwerkbauer. Die Häuser sind in ganz Deutschland gefragt. Mit der Passion seines Vaters kann der Sohn nicht viel anfangen, aber solange die Familie von dem Fachwerkgeschäft leben kann, wird sich Wenzel weiter als Röhrmeister betätigen. Und vielleicht interessiert sich ja eines Tages sein Enkel für das Handwerk. Wenzel selbst hat schließlich das Röhrenbohren auch nicht von seinem Vater, sondern von seinem Großvater gelernt.


Keine Wiederholungen
.............................................................................
Gesichter Europas
Meine Welt: Meister Wenzels Wasserkunst
(Deutschland, 2007, 26mn)
ZDF
Regie: Wolfram Christ

Erstellt: 17-12-07
Letzte Änderung: 17-12-07