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27/03/2007 - Bolero - 28/08/08

Mexican Boleros

„Mexican Boleros. Songs Of Heartbreaking, Passion And Pain 1927-1957.”


Sex, Drugs and Bolero. Wer sich mit den Protagonisten des schwülstigen mexikanischen Musikstils befasst, taucht ein in eine Welt halbseidener Gestalten, leichter Mädchen und verruchter Etablissements.

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Über die Ursprünge des Boleros gibt es keine verlässliche Quelle. Es wird vermutet, dass er um 1880 von kubanischen Musikern erfunden wird, die Elemente des Habaneras und Sones miteinander kombinieren. Seinen Durchbruch feiert er jedoch in Mexiko, 1927 bei einem Liedwettbewerb. Dort treten die beiden Komponisten Guty Cárdenas und Agustín Lara, der eine Frauenheld, der andere Bordellpianist, mit Boleros an. Zwar gewinnen sie nicht die Gunst der Jury, dafür aber die des Publikums. Und mit den fatalistischen Textzeilen seines Liedes „Nunca“ liefert Cárdenas die Vorlage zukünftiger Boleros: „Ich weiß, dass ich dich völlig nutzlos anbete, / Dass ich dich völlig nutzlos beschwöre. / Aber trotzdem liebe ich dich, / Trotzdem vergöttere ich dich, / Auch wenn ich niemals deinen Mund küssen werde...“

Cárdenas „Nunca“ tritt in Mexiko eine Welle des Boleros los, doch seinen Erfolg kann er kaum genießen, denn er wird ein paar Jahre darauf bei einem Streit erschossen. Seinem ehemaligen Mitstreiter Lara bleibt es überlassen, den Texten des Boleros eindeutigere Konturen zu verleihen. Selbst gezeichnet von einer Gesichtsnarbe, die ihm eine Prostituierte mit einem abgebrochenen Flaschenhals verpasst hat, inszeniert er in seinen Texten das weibliche Geschlecht als Femme Fatale, kalte Bestie, heimliche Hure und sadistische Herrin. Während er den Mann als Opfer aus Leidenschaft stilisiert, tituliert er die Frau als „Pervertierte“, „Heuchlerin“, „Verräterin“ oder sogar als „Diktatorin“. Auch wenn in seinen Worten eine gehörige Portion Frustration und Machismos, Sadismus und Masochismus mitschwingt, so verpackt er sie in bittersüße Dur-Melodien und arrangiert sie für üppige Tanzorchester.

Der Bolero wird zum Soundtrack der Nacht, der Bars, der Bordelle und der Animiersalons. Und seine Verruchtheit und sexuelle Aufladung sorgt für seine große Beliebtheit quer durch alle sozialen Schichten. All dies ist nachzulesen, in dem ausführlichen deutsch/englischen Booklet der großartigen Kompilation „Mexican Boleros“. Gemeinsam mit der wunderbar zusammengestellten Musikauswahl findet sich hier der Stoff für eine längst überfällige Dokumentation, über die schönste und zugleich abgründigste Herzschmerzmusik Lateinamerikas.


Matthias Schneider

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V.A.
„Mexican Boleros. Songs Of Heartbreaking, Passion And Pain 1927-1957.”
Trikont / Indigo

www.trikont.de
www.trikont.com
www.stefanwimmer.org



Erstellt: 19-03-07
Letzte Änderung: 28-08-08


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