Samstag 9. Mai 2009 um 19.00 Uhr - 03/06/09
Mexiko: Die Panik um « Virus A »
von Thomas Dandois und Pierre Creisson – ARTE GEIE / Camicas Productions – Frankreich 2009
In den letzten zwei Wochen hat sich das tägliche Leben in Mexico dramatisch verändert: Die sonst übervölkerten Straßen der Hauptstadt waren wie leer gefegt, die Restaurants geschlossen, die Menschen meiden alle öffentlichen Plätze. Wer sich trotzdem raus wagt, der trägt eine Atemschutzmaske.
Daran ist das Virus schuld, ein Erreger mit ursprünglich vielen Namen: Schweinegrippe, Mexikanische Grippe, Nordamerikanische Grippe – bis die Wissenschaftler sich entschlossen ihm einen neutral klingenden Namen zu verpassen: „Virus A“. Unsere Reporter reisten eine Woche lang durch Mexico, auf der Suche nach dem Ursprung und den Wirkungen dieses Virus.
In den ersten Tagen des Virus-Alarms widersprachen sich die Informationen täglich mehrfach: die Zahl der Toten stieg und fiel…
Die Behörden verboten den Journalisten jeglichen Zugang zu den Krankenhäusern und sie rieten den Familienangehörigen streng ab, mit der Presse zu reden. Die Wissenschaftler und die internationalen Organisationen schwiegen aus Vorsicht, wohl um keine Panik zu schüren. Und in der Zwischenzeit reiste „Virus A“ um die Welt.
Wenn auch der Ursprung des Virus nicht restlos aufgeklärt ist, richtet sich die Aufmerksamkeit noch immer auf ein Dorf in den Bergen, 300 Kilometer von Mexiko-City, und, vor dem Auftauchen des Virus, abgeschnitten von der Welt. Seit Monaten klagten die Bewohner von La Gloria über die Haltung der Tiere in der örtlichen amerikanischen Schweinefarm: Dutzende Kadaver verwesen in den Kellern, ihren Leichengeruch trägt der frische Bergwind bis in die Nachbardörfer. Im Dorf denken die Leuten, das Virus käme direkt aus der Schweinefarm und habe als erstes Opfer den vierjährigen Jungen infiziert.
Zur großen Überraschung der Dorfbewohner aber präsentierte sich das Erscheinungsbild des Dorfes nach langen Jahren der totalen Vernachlässigung sozusagen über Nacht „wie neu“: Noch vor dem Eintreffen der nationalen Behördenvertreter wurden die Bürgersteige frisch gestrichen und die Straßen grundgereinigt; Lieferwagen verteilten hunderte Kilo Hilfsgüter, in weiße Overalls gehüllte Männer desinfizierten fleißig Menschen, Tieren und Farmhäuser.
Angesichts dieser unerwarteten Hilfe rätseln die Menschen im Dorf über die Gründe dafür: Skeptiker vermuten, mit damit solle das Schweigen der Dorfbewohner erkauft werden – wollen die mexikanischen Behörden etwas vor der Öffentlichkeit verbergen oder wollen sie nur die Berichterstattung der Medien ausbremsen?
Das Labor in Vera Cruz, dass die Proben aus der Schweinezucht untersucht, gibt sich vorsichtig. Die Labor-Leiterin, dem mexikanischen Gesundheitsministerium unterstellt, erinnert daran, wie schwierig es sei, die Ursprünge eines ständig mutierenden Virus zu erforschen, während Gerüchte die Runde machen, es sei aus einem anderen Dorf in Mexiko oder sogar aus den USA hier eingewandert.
Zwei Wochen nach dem Auftauchen von „Virus A“ gibt es noch immer mehr Fragen als Antworten. Zur Zeit scheint sich die Zahl der Kranken zu stabilisieren. Das Virus scheint weniger ansteckend als zunächst vermutet. Die Mexikaner beruhigen sich allmählich und der Rest der Welt atmet auf. Aber Wissenschaftler und Politiker halten sich mit abschließenden Statements noch zurück – eine Rückkehr von „Virus A“ im Herbst wollen sie wohl nicht ausschließen.
ARTE Reportage
Samstag 16. Mai 2009 um 06.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2008, 43mn)
ARTE
Erstellt: 07-05-09
Letzte Änderung: 03-06-09