(Spontane Übersetzung: „Die Jahre vergehen, die Jahre verrennen – und wir lernen Vergangenheit zu sein. Und am Ende sind wir nur alte Elefanten, die nichts verstanden haben...“)
Die Jahre sind für Michael Kocáb tatsächlich verronnen. Und der exzentrische Musiker, der eines der Symbole der Samtenen Revolution und ein enger Freund Václav Havels ist, ist reifer geworden. So reif, dass er sich vor einem Monat dazu bereit erklärte, der neue Minister für Menschenrechte und Minderheiten zu werden. Dabei war Kocáb am Anfang seiner Karriere, als er in den 70er Jahren mit seiner illegalen Rockband Pražský Výběr (Prager Auswahl) durch die Tschechoslowakei tourte, eher für seine kompromisslose Musik und sein Talent als Klavierspieler bekannt. In den letzten Jahren des kommunistischen Regimes lief er mehrere Male Gefahr ins Gefängnis gesteckt zu werden, vor allem als er die „alten Schwachköpfe der Partei“ kritisierte. 1989 beklagte er sich über die fehlende Zivilcourage in der Welt – und das mit einem legendären Satz: „Letztendlich hat jedes Land die Regierung, die es auch verdient...“
Einer Regierung, der Michael Kocáb seit ihrer Umbildung durch Premierminister Mirek Topolánek seit Anfang Februar selbst angehört. Und seine Aufgabe wird keine einfache sein: Die Fremdenfeindlichkeit in der Tschechischen Republik hat im Zuge zahlreicher krisenbedingter Entlassungen besorgniserregende Ausmaße angenommen. In den großen Industriestädten Böhmens wie Pilsen und Ústí nad Labem, wo das Zusammenleben zwischen Immigranten und Einheimischen bisher reibungslos abgelaufen war, finden die Rechtsextremen immer häufiger Anhänger. Kocáb wird daher sicherlich auch danach beurteilt werden, inwiefern er der national-sozialistisch angehauchten „Arbeiterpartei“ Einhalt gebieten kann.
Zudem bleibt in den gleichen Städten die Situation der Roma-Bevölkerung mehr als prekär. Die Gemeinde Litvinov im Nordwesten des Landes, in der vor kurzem Roma von rechtsextremen Schlägern schwer verletzt wurden, ist zu einem Symbol dieser Diskriminierung geworden. Vertreter der Gemeinde haben Anfang März sogar einen Beschwerdebrief an den US-Präsidenten Barack Obama geschrieben. Ein subversiver Akt, ganz nach dem Geschmack des mediatisierten Kocáb, der zwei Ankündigungen getätigt hat: Zunächst will er die gewalttätigen Übergriffe auf Roma bis zum EU-USA Gipfel im April ausmerzen. Und der neue Popstar der tschechischen Politik hat sich auch vorgenommen, aus seiner schicken Prager Wohnung in die Plattenbausiedlung Jánov umzuziehen. Ob Barack Obama ihm dort im April dann wohl einen Besuch abstattet?







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