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ARTE KULTUR - 02/08/06

Michel van der Aa

Oper, plus MTV-Kultur, dazu Musik aus einem tragbaren Kassettenrekorder und Videoinstallationen: Willkommen in der Welt von Michel van der Aa. Die Werke des 36-jährigen niederländischen Komponisten gelten bei vielen Musikliebhabern als Gesamtkunstwerk des Popzeitalters, als Oper für das 21. Jahrhundert. Vom Ton-Ingenieur wurde er zum Komponisten und hat dann auch noch Film in New York studiert. Nun hat er in Hamburg den mit 20.000 Euro dotierten Paul Hindemith-Preis erhalten, einen der renommiertesten Komponistenpreise.

Die Reportage sehen (real video - 3mn34)

Van der Aa ist nicht nur Komponist - er ist auch Filmemacher und Bühnenregisseur. In seinen Opern gestaltet er alle Ebenen selbst. Er kümmert sich um die Videoprojektionen, komponiert die Musik und führt bei seinen Opern Regie. "Auf diese Weise habe ich alles in einer Hand und kann in jedem Moment der Oper bestimmen, welche Ebene gerade die wichtigste ist." sagt Michel van der Aa.

Seine letzte Oper "After Life" geht auf den gleichnamigen japanischen Film zurück. Wie dieser handelt sie von einem Jenseits, in dem die glücklichsten Episoden im Leben Verstorbener nachinszeniert werden. Van der Aa hat reale Personen nach den entscheidenden Momenten ihres Lebens gefragt und diese Dokumentaraufnahmen mit der Opernhandlung verzahnt. Van der Aa:"Das gibt der Oper einen bestimmten Realismus, den ich wirklich mag. Ich möchte keine Opern über griechische Götter schreiben und große mythologische Geschichten, sondern über intimere persönliche Dramen."

Das gilt besonders für seine Kammeroper "One". Sie machte van der Aa bekannt. Die Oper zeigt das Drama einer Frau mit zerfallender Indentität.Kritiker betrachten seine Werke als Oper des 21. Jahrhunderts. Sie strecken die Hand aus zu einer Generation, die von den Bildwelten der Popkultur geprägt ist und halten gleichzeitig am Kunstanspruch fest.
Einen persönlichen Hintergrund hat van der Aas Ästhetik aber auch. Mit Hilfe der Musik hat er schon seine jugendlichen Alpträume besiegen können. Auf Empfehlung seines Arztes, began er Guitarre zu spielen, um seinen Alpträumen ein Ende zu setzen. "Und sie hörten tatsachlich auf. Ich habe das immer als Indiz für meine beinah physische Notwendigkeit gesehen, etwas zu erschaffen, kreativ zu sein. Ich muss kreativ sein, um glücklich und gesund zu bleiben." sagt Michel van der Aa.

Zum Star der Amsterdamer Musikszene hat es van der Aa schon gebracht. Nun folgt der Paul Hindemith-Preis. Auf mehr dürfen wir gespannt sein.


  • Aufführungen
vom 6. bis 15. September 2006
Teaching
New Music New Media Course
Aldeburgh UK

24. September 2006
Here [in circles], Here [to be found]
Sinfonia Varsovia,
Warszaw Autumn Festival, Warschau, Polen

26. September 2006
Just Before
Paleis voor Schone Kunsten (BOZAR) Brüssel, Belgien

11. Februar 2007
Wake
Broadcasting Hall, Köln, Deutschland


  • Link
>> Internetseite über Michel van der Aa (auf Englisch)

  • Fotos
Isabelle Vigier

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ARTE Kultur
Von Montag bis Samstag um 20.00

Erstellt: 02-08-06
Letzte Änderung: 02-08-06