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14/04/2005 - HipHop-Freejazz - 03/09/08

Mike Ladd

„Negrophilia”


Um 1920 haben die Pariser Künstler den Begriff der „négrophilie“ geprägt, mit der die Avantgarde ihre Liebe zur schwarzen Kultur proklamierte. Mike Ladd wendet diese Definition auf die amerikanische Kultur an und thematisiert in seiner Musik den jahrzehntelangen ambivalenten Umgang der amerikanischen Gesellschaft mit der afroamerikanischen Kultur.

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Der amerikanische Experimentalmusiker Mike Ladd ist ein ziemlich unbequemer Zeitgenosse. Nicht nur, dass er für sein aktuelles Album gängige Sounds des Hip-Hop, Jazz und Soul dekonstruiert, zudem prangert er in seinen Texten die zwiespältige Fetischisierung der Black Culture an. Ein Unding für die amerikanische Musikkultur, ist sie doch maßgeblich von der Musik der jahrzehntelang unterdrückten Afroamerikaner geprägt. Mike Ladd greift den Begriff der „négrophilie“ auf, der im Zuge der europäischen Amerikabegeisterung, vor allem unter Poeten, Surrealisten und Malern entstanden ist, die es als äußerst schick empfanden, der Black Culture zu huldigen. Auf dieses kulturelle Phänomen wurde er durch das Buch „Negrophilia: Avant Garde Paris And Black Culture“ von Petrine Archer-Straw aufmerksam. Mit seinem Album „Negrophilia“ führt der Sänger und Musiker vor Augen, wie die aktuelle Musikindustrie stereotype Bilder und Identifikationsmodelle, die dem Wunsch der Konsumenten entsprechen, vermarktet und die Musiker diese bereitwillig bedienen. Auch die Globalisierungskritikerin Naomi Klein hat sich in ihrem Buch „No Logo” mit dem marktstrategischen Mechanismus „got to be cool - got to be black“ bei globalen Bands befasst. Mike Ladd bricht mit Klischees und demaskiert sie sowohl in seinen Texten als auch in seiner Musik, die einem konterkarikierenden Gemengelage aus Soul, Jazz und HipHop gleicht. Dabei wird er von dem Rhythmuswunderkind Guillermo E. Brown am Schlagzeug und der Beatbox, dem Pianisten Vijay Iyer, dem Free-Jazz-Trompeter Roy Campbell und von Bruce Grant, der für die Tape Loops verantwortlich ist, unterstützt. Mike Ladd verstört uns als Hörer und Rezipienten und konfrontiert uns gnadenlos mit der eigenen musikkulturellen Beschränktheit.

Matthias Schneider
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Mike Ladd
„Negrophilia”
Thirsty Ear / Rough Trade / Night & Day
www.thirstyear.com

Erstellt: 13-04-05
Letzte Änderung: 03-09-08


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