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Prager Chroniken

Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

> N°3 Mirek Topolánek

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Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

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WEBMAGAZIN - 06/04/09

Mirek Topolánek : Premierminister zwischen Zuckerbrot und Peitsche

Jeden Dienstag: Erleben Sie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft, so wie sie von den Tschechen selbst gesehen wird. Humor inklusive.

Seit nunmehr einem Monat ist er der Präsident der Europäischen Union (EU). Nichtsdestotrotz ist Mirek Topolánek (52) einem Großteil der Europäer immer noch völlig unbekannt. Doch laut Verfassung ist der tschechische Premierminister seit dem 1. Januar ganz offiziell Vorstand der EU für sechs Monate. Nicolas Sarkozy wusste es doch richtig...



In der Tschechischen Republik ist Mirek Topolánek seit Jahren einer der bekanntesten, am meisten bewunderten und am meisten verhassten Politiker. Eigentlich kommt er ja aus Ostmähren und ist in dieser industriellen Kernregion der kommunistischen Tschechoslowakei groß geworden, weit weg von Prag und seinen Machtkämpfen. Nach seinem Studium an der Technischen Universität in Brünn begann er sich jedoch ab der samtenen Revolution 1989 für Bürgerrechte einzusetzen. Jahrelang engagierte er sich an der Seite seines politischen Mentors Václav Klaus, dem derzeitigen Präsidenten Tschechiens, und eiferte seinen anderen politischen Vorbildern Margaret Thatcher und José María Aznar nach.

Vor seiner Nominierung als Regierungschef 2006 galt er als umgänglich und pragmatisch (gemäßigte Rechte, gemäßigter Konservativer, gemäßigter Euroskeptiker), doch seitdem ist er eher durch seine Streitbarkeit aufgefallen. Als er am Beginn seiner Regierungszeit von Mitgliedern seiner eigenen Parlamentsmehrheit kritisiert wurde, erklärte er in einem berühmt gewordenen Satz, was er unter einer Regierungsumbildung versteht: „Es wird nichts anderes als eine Nacht der langen Messer. Das ist einfach notwendig“. Darauf folgten Beleidigungen seiner politischen Gegner („Abschaum“, „Idiot“) und eine Schlägerei im Parlament 2007. 2008 verpasste er einem Fotografen der Boulevardzeitung Blesk, der gerade versuchte, sein Kind abzulichten, eine Ohrfeige auf offener Straße.

In diesen ersten Wochen der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft scheint Mirek Topolánek allerdings wieder zu seiner einst moderaten Haltung zurückgefunden zu haben. So ließ er beispielsweise während der Vermittlungsmission der EU im Zuge des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine in Moskau seinen ganzen Charme spielen. Vielleicht konnte er ja Wladimir Putin und Dmitri Medvedev, die so wie er eingefleischte Fans von Deep Purple und Pink Floyd sind, mit seinem musikalischen Geschmack beeindrucken... Denn im Osten liegt für Herrn Topolánek einer der großen Schwerpunkte seiner Präsidentschaft. Unter anderem was Geopolitik betrifft: Im Februar steht ein Treffen mit einer diplomatischen Delegation Weißrusslands an, um die letzte Diktatur Europas an demokratische Werte anzunähern. Hoffentlich schafft es Mirek Topolánek auch diesmal, einen kühlen Kopf zu bewahren...

Alexander Knetig

Erstellt: 26-01-09
Letzte Änderung: 06-04-09


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