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ARTE Journal - 23. April 2010 - 26/04/10

Missbrauchsskandal: Verheimlicht, verharmlost und vertuscht

Es war der Missbrauch am Berliner Elitegymnasium Canisius Ende Januar, der den Stein ins Rollen brachte. Auf einmal kam eine ganze Flut von Missbrauchsfällen ans Licht. In ganz Deutschland meldeten sich anschließend immer mehr Opfer zu Wort.

Die katholische Kirche reagierte nur langsam, stattdessen verheimlichte, vertuschte und verharmloste sie die Fälle. Schließlich wird der Trierer Bischof zum Beauftragten für Missbrauchsfälle ernannt. Ende März richtet er eine Hotline für die Opfer ein. Die Anfrage ist so gross, das die Leitung in den ersten Tagen zusammenbricht.

Zuletzt geriet der erzkonservative Bischof Walter Mixa wegen Misshandlungsvorwürfen unter massiven Druck. Er soll in seiner Zeit als Stadtpfarrer im oberbayerischen Schrobenhausen Heimkinder geschlagen haben. Mixa hatte dies zunächst geleugnet, dann aber doch ein paar «Watsch'n» eingeräumt. Frühere Heimkinder werfen ihm jedoch in eidesstattlichen Erklärungen massive Prügelattacken vor. Nun bat er dem Vatikan seinen Rücktritt an.

"Es muss alles auf den Tisch"

Die Bundesregierung hat vor einem Monat die Sozialdemokratin Christine Bergmann in den Kampf gegen sexuellen Missbrauch geschickt. Die einstige Familienministerin fordert: "Es muss alles auf den Tisch." Um Missbrauch zukünftig zu verhindern, will sie mehr Beratungsstellen einrichten. Von ihr werden außerdem Vorschläge erwartet, wie man den einstigen Opfern heute helfen kann.

Runder Tisch gegen Kindesmissbrauch

Auch ein runder Tisch gegen Kindesmissbrauch soll nun aufklären. Er kam zwar erst nach einem langen Hickhack in den schwarz-gelben Ministerien zustande, hat sich aber viel vorgenommen. Politiker aus Bund und Ländern, Vertreter der Kirchen, der Schulen, der Ärzteschaft und zahlreichen Verbänden beraten über juristische Konsequenzen, Hilfen für die Opfer sexueller Gewalt und über die Frage, wie Missbrauch im Vorfeld verhindert werden kann. Heikel könnte das Thema Entschädigung werden. Bergmann erwartet konkrete finanzielle Zusagen, die nicht nur in Gedzahlungen sondern auch in Psychotherapien fliessen sollen.

Weltweite Missbrauchsskandale

Nicht nur Deutschland ist von Missbrauch und Misshandlungen erschüttert. Weltweit ist der Vatikan von Missbrauchsskandalen konfrontiert. Papst Benedikt der XVI. aber schweigt beharrlich. In Irland kommen seit den 90er Jahren unaufhörlich Fälle von Missbrauch ans Licht. In Österreich sind bis Ende März 550 Fälle bei den Ombudsstellen gemeldet worden, die Alpenrepublik steht unter Schock. In Brasilien sorgen gerade die Fälle von drei Priestern für Aufsehen, die sich an minderjährigen Ministranten vergangen haben sollen. In Großbritannien gibt es bisher zwar keine Enthüllungen, Atheisten haben jedoch eine Kampagne gegen den Papst gestartet. Sie wollen ihn wegen der Missbrauchsfälle auf britischem Boden festnehmen lassen.

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  • Kostenlose Hotline der katholischen Kirche: 0800-1201000
    Dienstag, Mittwoch und Donnerstags von 13.00 bis 20.30 Uhr

Erstellt: 23-04-10
Letzte Änderung: 26-04-10