Japan/Frankreich 2007, 97 Min.
Mit Shigeki Uda, Machiko Uno, Makiko Watanabe, Kanako Masuda
Im Gespräch mit Regisseurin Naomie Kawase
FotogalerieSynopsis: Shigeki lebt in einem kleinen Altersheim im Grünen. Die junge Machiko arbeitet dort. Sie fühlt sich zu Shigeki hingezogen, denn sie sind beide trauernde Menschen. Nachdem sie ausgelassen seinen Geburtstag gefeiert haben, nimmt sie ihn in ihrem Auto mit zu einem Ausflug im Wald. Dort verlaufen sie sich und finden dabei zueinander.
Kritik: Vor genau zehn Jahren hat Naomi Kawase die Caméra D’Or für ihren Debütfilm Suzaku gewonnen, mit Machiko Ono in ihrer ersten Rolle. Jetzt ist die japanische Drehbuchautorin und Regisseurin zurück im Wettbewerb und hat einen sehr speziellen Film mitgebracht, der sich durch seine Verbundenheit mit der Natur auszeichnet. Schon in den ersten Bildern sind wogende grüne Felder zu bewundern und labyrinthisch anmutende Hecken, in denen selbst ein greiser Rentner wie Shigeki wieder zum Kind wird und begeistert mit Machiko verstecken und fangen spielt. Beiden gelingt es, unbeschwert herumzutollen, wo sie den anderen doch eigentlich vor allem in ihrer gegenseitigen Trauer verstehen.
Shigeki hat vor mehr als dreißig Jahren seine geliebte Frau verloren, Machiko trauert um ihr Kind, das bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Indem Naomi Kawase sie beide sich gemeinsam im tiefen Wald verlaufen lässt, kreiert sich ein Umfeld, das Raum bietet für eine existentielle Begegnung zwischen den beiden ungleichen Menschen, den beiden Generationen.
Die Tiefe des Waldes beunruhigt Shigeki und Machiko nicht, sondern erzeugt gegenteilige Gefühle: durch das Ausgeliefertsein an die Natur finden die beiden zu sich selbst und vertiefen auch das Gefühl für den anderen. Es ist ein selbstverständliches und natürliches Gefühl, dass sie irgendwann halbnackt, eng umschlungen einfach nur dasitzen und sich und den anderen spüren. Die Begegnung mit der Natur hilft ihnen zu verstehen dass sie ein Teil davon sind und hilft ihnen auch, die Trauer über die toten Liebsten zu überwinden. So trennt sich Shigeki schließlich von etlichen Stapeln Briefe, die er in den letzten 33 Jahren an seine tote Frau geschrieben hat.
THE MOURNING FOREST lebt von der besonderen Atmosphäre, die zwischen den beiden Hauptdarstellern herrscht. Shigeki Uda spielt den gleichnamigen Shigeki. Besonders bemerkenswert ist, dass er noch nie vor der Kamera gestanden hat. Das vom Alter gegerbte Gesicht, umrahmt von üppigen und drahtigen halblangen grauen Haaren, die fragile und zugleich behände Art der Bewegung – all das ist höchst sehens- und bemerkenswert.
Ein weiterer wichtiger Charakter ist der Wald im Tawara District, in der Nähe von Nara City. Kameramann Hideyo Nakano hat hervorragende Arbeit geleistet, wie er den Mensch in die Beziehung zur Natur setzt. Schon das allererste Bild erzählt ohne Worte eine ganz eigene Geschichte. Bis zum Horizont sind verschiedene Felder, dahinter Wald zu sehen. Menschen kommen ins Bild, die in der Ferne einen Beerdigungsumzug zelebrieren. Ganz langsam - nur ihre Köpfe sind zu sehen, die ab und an zwischen den Feldern auftauchen. In diesem Film ist der Mensch ganz eindeutig als Teil der Natur definiert. THE MOURNING FOREST ist befreiend -wie eine ausgewählte Yogaübung.
Nana A.T. Rebhan






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Von trauernden Menschen in der Natur
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