In seinem ersten Kinofilm Moscow, Belgium geht Christophe van Rompaey das besondere Risiko ein, nicht mehr als das wahre Leben zu zeigen. Seine Protagonisten lieben sich, hassen sich, schlagen sich, vertragen sich, essen Blutwurst mit Senf und bedienen dabei doch keines der gängigen Klischees.Die, von ihrem Alltag und der bevorstehenden Scheidung von ihrem Nochehemann und Vater ihrer drei Kinder abgestumpfte Postbeamtin Matty (Barbara Sarafian) und Johnny (Jurgen Delnaet), der versucht als Trucker einen längst gescheiterten Traum von Freiheit, Abenteuer und einem „dolce vita“ in Italien zu leben, lernen sich bei einem heftigen Streit nach einem Autounfall kennen. Aus der anfänglichen Aversion entwickelt sich nach und nach ein vorsichtiges Verhältnis. Demgegenüber steht während des gesamten Films die gestörte Beziehung Mattys zu ihrem Ehemann Werner, der sich zwischen einem neuen Leben mit seiner 20 Jahre jüngeren Freundin und seiner Familie entscheiden muss.
Der im tristen Arbeiterviertel Moscow, im flämischen Gand spielende Film, beschäftigt sich nicht mit einer illusorischen Traumwelt, sondern mit dem grauen Alltagsleben, mit seinen Höhen, Tiefen und auch peinlichen Augenblicken. Er lebt von seinen wirklichkeitsnahen, wenig perfekten Charakteren, die zu jeder Zeit glaubhaft und lebendig wirken. Auch die Bildhaftigkeit, mit der Mattys Situation immer wieder beschrieben wird, macht den Film sehenswert. So wird etwa das sagenumwobene „vorgetäuschte“ Lächeln der Mona Lisa zur Metapher für Mattys Stimmungsbild. Iris, die Freundin von Mattys Tochter, bringt gegen Ende Rompaeys Intention mit einem Satz auf den Punkt: „Alles ist echt.“
Matty findet am Schluss ihr bescheidenes Glück und kann in aller Ruhe entlang der Bahngleise spazieren, auf denen sich zuvor ihre Suizidgedanken abspielten.
Sebastian Gratz, Moritz Bürger
Hölderlin-Gymnasium
Nürtingen







per E-Mail verschicken
Facebook
Twitter
RSS

