HANDLUNG

USA 1941, 95 Min.
Regie: Alfred Hitchcock
Mit Carole Lombard, Robert Montgomery, Gene Raymond

GOLDENE REGELN DER EHE
"Mr. & Mrs. Smith" ist wohl eine der besten Romanzen Hitchcocks, aber gleichzeitig ist es einer seiner am wenigsten romantischen Filme. Schließlich basiert die Ehe von Mr. & Mrs. Smith auf pragmatischen goldenen Regeln - sie ist weder von Sexualität getrieben noch von romantischen Vorstellungen geprägt. Das heißt allerdings nicht, dass diese Ehe emotionslos wäre – ganz im Gegenteil. Sie funktioniert nur anders. Oft und gerne streiten Mr. und Mrs. Smith, gehen aufeinander los, verletzen einander. Ann gibt vor, Jeff heiraten zu wollen, und bringt damit David fast zur Raserei, der hin und her gerissen ist von den permanenten Versuchen, Ann zurückzuerobern und seine neu gewonnene Freiheit auszuleben.Der ständig geführte Ehekrieg ersetzt so das Vorspiel. „Mr. &Mrs. Smith“ unterscheidet sich damit stark von anderen Werken Hitchcocks, in denen Sexualität und Begehren nicht nur vorhanden sind, sondern sogar treibenden Charakter besitzen, etwa in „Notorious“ und „Vertigo“.
Doch Anwalt David und seine Frau legen mehr Wert auf konstruierte Gesetze, die sie sich selbst auferlegt haben. Bei Streitereien etwa müssen beide immer so lange im selben Raum bleiben, bis diese gelöst sind. Gleich die Anfangsszene macht den Zuschauer mit dieser Regel vertraut: David ist bereits drei Tage lang nicht in der Kanzlei gewesen, weil Streit mit Ann herrscht, die schmollend im Bett liegt, während er mit sich selbst Karten in einem verwahrlosten Zimmer spielt.
Wohin die Regel führt, einmal im Monat eine Frage ganz ehrlich zu beantworten - das ist Thema des Films. Hitchcock lässt es aber nicht dabei bewenden, dass David und Ann gezielt aufeinander losgehen und sich Schmerzen zufügen durch Worte und Handlungen. In einer wunderbaren Szene fügt sich David auch einmal selbst Schmerz zu – indem er sich die eigene Nase blutig schlägt, um der Verabredung mit einer ihm sehr unangenehmen Frau zu entkommen.
DIE GOLDENEN REGELN DES GENRES
In den 30er und 40er Jahren boomte das Genre der Screwballcomedy in Hollywood, jener Komödien, die mit schnellem Rhythmus, pointierten Dialogen und schlagfertigen Figuren - vor allem in den Frauenrollen - zu unterhalten wussten. Hitchcock selbst - der Meister des Suspense - hatte nichts zu tun mit solcherlei Filmen, und "Mr. & Mrs. Smith" sollte die Ausnahme bleiben, die die Regel bestätigt. Truffaut gegenüber gab er sogar zu: "Da ich die Art von Leuten nicht verstand, die in dem Film gezeigt wurden, habe ich die Szenen fotografiert, wie sie geschrieben waren." Das Drehbuch stammte aus der Feder von Norman Krasna, einem eher mittelmäßigen Drehbuchautor. Viel daran veränderte Hitchcock nicht, und dennoch ist „Mr. & Mrs. Smith“ ein guter Film geworden.Es gelang ihm, seine Komödie gleichzeitig innerhalb und außerhalb der Regeln des Genres anzusiedeln. Fast hat man das Gefühl, als zwinkere Hitchcock dem Zuschauer die ganze Zeit über zu, wird doch schon zu Beginn des Films die Ehe der Smiths annulliert. Eine freche Tatsache angesichts der strengen Zensoren des Motion Picture Production Codes – auch Hays Code genannt – der von 1934 bis 1945 kontrollierte, dass Filme keine unzüchtigen oder unmoralischen Inhalte haben durften. Immerhin bedeutete der Formfehler des Standesamtes letztendlich, dass die Smiths drei Jahre lang unverheiratet Sex hatten – ein Skandal zur damaligen Zeit.
Davon abgesehen kombiniert "Mr. & Mrs. Smith" das Genre der Screwballcomedy mit dem der "Remarriagecomedy", eine weitere Kuriosität der damaligen Zeit, die auch auf die strengen Regeln des Production Codes zurückzuführen ist. In den 30er und 40er Jahren entstanden mehr als ein Dutzend Hollywoodfilme, darunter sehr bekannt gewordene wie etwa „It Happened One Night“ (1934) von Frank Capra oder „The Awful Truth“ (1937) von Leo McCarey, in denen sich die Partner am Anfang des Films trennen, um am Ende des Filmes wieder zusammenzufinden und erneut zu heiraten. Nur so war es möglich, die Charaktere außerhalb ihrer Ehe flirten oder gar eine Affäre haben zu lassen, ohne anstößig zu werden.
ALLE SCHAUSPIELER SIND VIEH
Wie kam es eigentlich dazu, dass Hitchcock ausgerechnet bei einer Screwballcomedy Regie führte? „Schuld daran“ ist Hitchcocks Freundschaft mit der Hauptdarstellerin Carol Lombard. Ihr zuliebe hat er die Regie übernommen und ihr gemeinsamer Wunsch war es, dass ihr damaliger Mann, Clark Gable, die Rolle des David Smith hätte übernehmen sollen. Doch der wollte nicht. Schließlich sagte kurz vor Drehbeginn Robert Montgomery zu. Als Francois Truffaut Hitchcock für sein berühmtes Buch "Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?" interviewte, fiel diesem folgende Anekdote ein: Noch vor seiner Ankunft in Hollywood wurde sein Ausspruch "Alle Schauspieler sind Vieh" kolportiert. Der Meister erinnert sich: "Als ich am ersten Drehtag von „Mr. & Mrs. Smith“ ins Atelier kam, hatte Carol Lombard einen Käfig mit drei Abteilungen aufstellen lassen, mit drei lebendigen Kühen drin, und jede trug ein Schild um den Hals mit einem Namen: Carol Lombard, Robert Montgomery und Gene Raymond. Mein Ausspruch war wirklich eine Verallgemeinerung, und Carol Lombard hat mir darauf diese spektakuläre Antwort gegeben, mit einem Witz geantwortet. Ich glaube, eigentlich war sie in dieser Sache meiner Meinung."1. Originaltrailer
2. Musikvideo zu den Bildern von Mr. & Mrs Smith
3. Tribute an Carol Lombard und Robert Montgomery
4. Hitchcocks Cameo







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