DVD-News - 19/09/07
Müllers Büro
Ein Film von Niki List und Hans Selikovsky
Parodistisches Musical auf den Film Noir
Österreich 1986, 104 Min.
Regie: Niki List, Hans Selikovsky
Mit Christian Schmidt, Andreas Vitasek, Barbara Rudnik, Sue Tauber, Maxi Sukopp
Synopsis: Privatdetektiv Max Müller ist pleite. Gerade da kommt der rettende Auftrag: Die mysteriöse Schönheit Bettina Kant alias Ingrid Bergmann bittet Müller, nach ihrem Freund zu recherchieren. Doch in der Zeitung desselbigen Tages entdeckt Müller, dass ebendiese Dame ermordet wurde. Der Auftrag führt den Detektiv zu den drei grössten Gangsterbossen der Stadt und es gibt jede Menge Leichen, bis der Fall aufgeklärt werden kann.
Kritik: Über zwanzig Jahre hat es gedauert, bis MÜLLERS BÜRO, einer der erfolgreichsten österreichischen Filme aller Zeiten in Deutschland auf DVD erscheint. Erstaunlich das. Sieht man ihn sich heutzutage an, wirkt er sehr stark wie ein Werk der 80er Jahre, vor allem durch seine musikalischen Rap-Einlagen und seine Lieder, die stark von monotonen 80er-Jahre-Rhythmen beeinflusst sind. Aber natürlich ist MÜLLERS BÜRO mehr als das. Er ist Parodie auf unzählige Klassiker des Film Noir, auf Gangsterballaden in Schwarz/Weiß mit cool-lässigen Privatdetektiven wie Philip Marlowe, Sam Spade & Co. Damit aber nicht genug. MÜLLERS BÜRO parodiert auch schlechte Filme und Musicals der 50er und 60er Jahre. Dabei entsteht ein sehr seltsamer Mix, den man hassen oder lieben kann. Die meisten Zuschauer lieben den Film, in dem Privatdetektiv Max Müller und sein Gehilfe Larry in einen sehr komplexen Fall verwickelt werden, für den es keine einfache Lösung gibt. Es scheint, als seien die beiden in einen Bandenkrieg zwischen den mächtigsten Mafiosi der Stadt geraten. So ein Film fordert natürlich auch viele Opfer und es ist nicht gerade überraschend, dass diverse Leichen den Weg zum Ende pflastern. Bevor es soweit ist, darf Max Müller aber noch die ein oder andere Schönheit flachlegen, während sein Gehilfe Larry - dessen Figur deutschen Fernsehserien abgeguckt wurde - zumeist die Drecksarbeit erledigen muss. Barbara Rudnik überzeugt als mysteriöse Persiflage auf Lauren Bacall als Bettina Kant.
Die parodistische Spielerei ist durchaus unterhaltsam, hätte bisweilen aber etwas subtiler ausfallen können. Die Dialoge sind durchweg direkt und platt. So kommt etwa Max Müller in ein Restaurant, eine hübsche Frau setzt sich zu ihm. Seine Off-Stimme kommentiert: "Ich bestellte was zu essen und bekam die Nachspeise gleich als ersten Gang." Seine Sekretärin Frau Schick ist natürlich hoffnungslos in ihn verliebt, vergnügt sich aber gerne auch mal mit Assistent Larry, weil Max Müller ja so oft beschäftigt ist. Ein paar Gauner stürmen das Büro, erwischen die beiden in flagranti, Frau Schick wird dabei nicht mal ins Bild gesetzt, man sieht nur ihre langen Beine und den roten Spitzenschlüpfer, der an ihrem Knie hängt. Die Gauner nehmen allerdings keine Notiz von den beiden, denn sie suchen ja Max Müller. Wer sexistische Szenen lustig findet, der kommt hier auf seine Kosten, oft ist der Film aber auch einfach nur grotesk, albern, bescheuert oder auch unfreiwillig peinlich. Besonders stilsicher ist Niki List in seiner Regiearbeit nicht, aber mutig, sehr mutig. Das belohnte ihm das Publikum. Er sammelt einfach alle Klischees und Szenen anderer Genrefilme, wirbelt sie durcheinander, erfindet eine dünne Geschichte, die an THE BIG SLEEP Von Howard Hawks angelehnt ist, und setzt das Ganze in Szene. Für Cineasten dennoch ein Vergnügen, denn sie haben mehr als genug Gelegenheit, all die Szenen zu erraten, die zitiert werden. Manchmal biedert sich List bei seiner Zitierlust auch etwas an, aber dennoch muss man ihm zugestehen: Sein Ergebnis ist originär. So was gab's noch nicht, und wird es so höchstwahrscheinlich auch nicht mehr geben.
Nana A.T. Rebhan
Erstellt: 23-04-07
Letzte Änderung: 19-09-07