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Filmstudie eines verblendeten, korrupten Arbeiterfunktionärs, gedreht von Meisterregisseur Jaques Feyder.

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Stummfilm - Metropolis - 17/02/10

Musik für Metropolis: Huppertz, neu aufgelegt

Anlässlich der Weltpremiere von Fritz Langs restaurierter Metropolis-Langfassung beim Internationalen Filmfestival von Berlin widmet ARTE diesem filmischen Meisterwerk einen Schwerpunkt-Abend und strahlt zeitgleich mit der Berlinale am 12. Februar ab 20.15 Uhr die restaurierte Neufassung aus.

Die Metropolis-Musik von Gottfried Huppertz zählt zu den alten Bekannten der deutschen Stummfilmmusik. Sie entstand 1926 im Auftrag der Ufa für ein 66-köpfiges Sinfonieorchester, wurde mit großem Erfolg bei der Uraufführung gespielt und stand mit der Klavierdirektionsstimme für Aufführungen in verschiedenen Besetzungen zur Verfügung. Erhalten sind neben dem gedruckten Klavierauszug drei handschriftliche Materialien des Komponisten - das Particell, quasi der Urtext der Komposition, sowie zwei Instrumentierungen für Salonorchester (ca 660 Seiten) und großes Orchester (ca 700 Seiten, wobei die ersten 61 Seiten fehlen). Huppertz’ Musik repräsentiert die vollständige Version des Films und wurde immer wieder, dann entsprechend auf die jeweilige Länge der Filmmaterialien angepasst, zum Film aufgeführt.

Und nun noch einmal neu. Warum? Es ist die Konsequenz aus der aktuellen Restaurierung des Films, die ihrerseits weit mehr ist als der Versuch, die Lücken der letzten Restaurierung von 2001 mit dem argentinischen Material zu füllen und die Bildqualität anzugleichen. Ziel und Anspruch dieser Restaurierung ist es, die originale Montage des Films und so gut wie möglich wieder herzustellen und damit auch die Musik in ihrem ursprünglichen Zusammenspiel mit dem Film aufführbar zu machen.

Huppertz’ Musik ist integraler Bestandteil von Metropolis. Sie entstand in Zusammenarbeit des Komponisten mit Thea von Harbou und Fritz Lang, z. T. schon während der Dreharbeiten. So exakt, wie die Musik auf den Film hin komponiert ist, erschafft sie einen komplementären (Gefühls)Raum für das, was Fritz Lang filmisch konstruiert. Sie durchleuchtet quasi von innen die filmische Handlung, sie gestaltet ihre Dynamik und Dramatik, zeichnet leitmotivisch Figuren und entwickelt musikalische Parallelhandlungen. Das Ganze im Duktus spätromantischer Sinfonik und eng an die filmische Erzählung anlehnt, die ihrerseits auf die gestische Musik zu reagieren scheint. Die Musik funktioniert präzis mit dem Film und verlangt eine sorgsame Synchronisierung, wofür Huppertz mit seinen über 1000 Synchronangaben eine gute Vorlage geliefert hat. Sie funktioniert aber erst dann perfekt, wenn der Schnitt stimmt.

Nutzten schon alle bisherigen Metropolis-Rekonstruktionen die Synchronangaben dazu, den zertrümmerten Film wieder neu zusammenzusetzen, so half die Musik zu Beginn der aktuellen Restaurierung, das argentinische Material zu verifizieren. Ungesichert war ja, welchem Zustand von Metropolis diese Kopie entspricht. Und in der Tat bestätigte die Musik weitgehend die Montage der argentinischen Fassung, die demnach die einzige Überlieferung der Premierenfassung darstellt. Dieses Material galt es mit der bisherigen Rekonstruktion zu vereinen und manche Schnittfolge und Zuordnung der früheren Restaurierung zu korrigieren, die aufgrund der bisherigen Lücken in der Überlieferung falsch waren. Und wieder gab die Musik den Fahrplan für die Montage vor.

Dabei wollte Frank Strobel, der als Dirigent und filmhistorisch versierter Bearbeiter bei der Restaurierung mitwirkte, die Musik in ihrem Informationsgehalt stärker nutzen als bisher, da die sie in ihren Themen und deren Verarbeitung viele filmische Aktionen musikalisch fortführt und in ein klares Zeitkonzept bringt. Eine zweite Grundüberlegung war die, von der gespielten Musik auszugehen, um daraus zeitliche Abläufe im Film abzuleiten. Frank Strobel berücksichtigte in der Frage der Tempi den agogischen Charakter der Musik, also die nicht notierten, für den musikalischen Ausdruck aber entscheidenden Varianten von Tempo und Rhythmus. Technisch realisiert wurde dies in einem elektronischen Sequenzerprogramm, das die verschiedenen filmischen Überlieferungen mit einer Tonspur kombiniert, auf der die Notensatzdateien in orchestraler Instrumentierung ausgespielt sind. So konnte das Restaurierungsteam unterschiedliche Varianten der filmischen Montage zur Musik erproben.

Das Glück ist auf beiden Seiten, wenn sich filmische und musikalische Überlieferung so sehr gegenseitig erhellen; entsprechend liefen in den vergangenen eineinhalb Jahren viele Arbeitsprozesse parallel. Zeitgleich zur Filmrestaurierung begannen die Vorbereitungen für die Musikproduktion, koordiniert von der Filmredaktion ZDF/ARTE und zusammen mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Deutschlandradio und der Europäischen Filmphilharmonie. Es entstand ein neuer Notensatz, der strikt auf den im Filmmuseum Berlin erhaltenen Originalmanuskripten aufbaut und der von der Filmphilharmonie als Urtextausgabe und als kritisch-editorische Aufführungsausgabe veröffentlicht wird. So wurde mit der ‚Wiedergeburt eines Jahrhundertfilms’ (Andreas Kilb in der F.A.Z.) ein weiteres Werk neu aufgelegt - das von Gottfried Huppertz als einem der wegweisenden Filmkomponisten des zwanzigsten Jahrhunderts, dessen Klangsprache in den Filmmusiken von Erich Korngold oder Franz Waxman das internationale Kino geprägt hat.


Nina Goslar (Filmredaktion ZDF/ARTE)



Erstellt: 10-12-09
Letzte Änderung: 17-02-10