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Stummfilm

Filmstudie eines verblendeten, korrupten Arbeiterfunktionärs, gedreht von Meisterregisseur Jaques Feyder.

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19/01/05

Musik

  • DIE FILMMUSIK ZU CARMEN
Die Entstehung der Musik
 
Zehn Minuten mit Ernesto Halffter Escriche
- Zehn Minuten mit Ernesto Halffter Escriche?
- Gerne.
In Ernesto Halffter Escriche, dem Lieblingsschüler von Manuel de Falla, wird ganz Spanien eines Tages einen der wichtigsten Musiker des Landes sehen. Bereits jetzt hat der viel versprechende Künstler das musikalische Erbe Spaniens dank seiner erstaunlich früh entwickelten Begabung um so bemerkenswerte Stücke wie Preludios Romanticos bereichert.
- Ich habe gehört, dass Sie eine Partitur zum Film Carmen schreiben?
- Das ist richtig. Alexander Kamenka, der Direktor der Produktionsfirma Albatros, hat mich gebeten, die Begleitmusik zum Film von Jacques Feyder zu komponieren.
Sie kennen den großen Unterschied zwischen Prosper Mérimées Novelle Carmen und der gleichnamigen komischen Oper ebenso gut wie ich: Die Novelle war kaum mehr als ein Vorwand für die Oper; von Mérimées Atmosphäre bleibt in Meilhacs und Halévys Libretto so gut wie nichts. Bizet hat aber zu diesem Libretto eine wundervolle Partitur geschrieben, ein wahres Meisterwerk, dessen Beliebtheit seiner Qualität über all die Jahre hinweg nichts anhaben konnte. Ich mache aus meiner tiefen Bewunderung für diese Carmen keinen Hehl.
Bizets Musik erhellt auf unvergleichliche Weise das ein wenig kitschige Drama der Librettisten, doch auch sie orientiert sich keineswegs am Werk von Mérimée, dessen tragische Handlung und entschieden realistische Figuren sich in den brillanten und gefühlvollen Themen des großen französischen Komponisten gewiss nicht widerspiegeln.
- Der Film von Jacques Feyder aber ist eine getreue visuelle Umsetzung des Dramas von Mérimée, eine erstaunlich eindrucksvolle, realistische und sehr sinnliche Umsetzung, die auch die lokalen Gegebenheiten authentisch wiedergibt.
- Genau deshalb war es undenkbar, eine Filmmusik zu wählen, die Feyders Absichten in den meisten Fällen zuwider gelaufen wäre.
- Wie haben Sie Ihre Begleitmusik gestaltet, ihre neue, vom Rhythmus des Films inspirierte Carmen geschaffen?
- Ich habe alte andalusische Themen aufgegriffen. Diese lokale Färbung fällt auch nicht Eingeweihten sofort auf. Ich bin Schritt für Schritt dem Rhythmus und der Stimmung des Films gefolgt, aber die musikalische Dramatik überdeckt nie das Drama auf der Leinwand. Denn auf keinen Fall darf man vergessen, dass Filmmusik nur eine „Begleitung" ist. Feyder ist ein sensibler und intelligenter Künstler. Unsere Ideen stimmten völlig überein, sodass die Zusammenarbeit sehr harmonisch verlief. Ich hoffe, dass das sich Ergebnis unserer Arbeit ihrer Inspirationsquelle als würdig erweisen wird.
Raoul Ploquin
Comoedia, 20. September 1926
 
 
Die Partitur von Bizet kam als musikalische Begleitung von Jacques Feyders Fassung der Carmen, die auf Mérimées berühmter Novelle basiert, nicht in Frage. Gewiss ist diese Partitur ein unumstrittenes Meisterwerk, aber da sich Bizet am Libretto von Meilhac und Halévy orientierte, die in Mérimées Novelle lediglich einen schönen Hintergrund für eine komische Oper sahen, findet sich im Werk des großen französischen Komponisten keineswegs der typisch spanische Charakter wieder, den Feyder in seinem Film zeigen wollte. Anstelle der brillanten und gefühlvollen Musik von Bizet war hier vielmehr eine tragische und urwüchsige Partitur erforderlich, die sich an der spanischen Folklore und insbesondere an alten andalusischen Themen inspirierte. Aus diesem Grund beauftragte Alexandre Kamenka, der künstlerische Leiter der Produktionsfirma Albatros, Ernesto Halffter Escriche mit der Filmmusik für den Film Carmen. Dieser Komponist gilt derzeit neben seinem Lehrer Manuel de Falla als einer der bemerkenswertesten Vertreter der zeitgenössischen spanischen Musik.
Mit den wichtigsten Szenen seines Films im Gepäck verließ Jacques Feyder Anfang Juli Paris, um sich in einem kleinen baskischen Dorf an der spanischen Grenze mit dem aus Madrid kommenden Ernesto Halffter Escriche zu treffen. Sie hatten sich dort verabredet, um die entstehende Partitur und die Hauptszenen des Films aufeinander abzustimmen; diese Aufgabe erforderte acht Tage lang all ihr Geschick.
Die wenigen Auserwählten, die dabei waren, als die beiden aus denselben Inspirationsquellen entstandenen Werke zusammengeführt wurden, zeigten sich von der Harmonie des aus dieser Zusammenarbeit erwachsenden Ganzen beeindruckt. Handlung, Dekor, Interpretation und Massenszenen wurden von musikalischen Rhythmen getragen, die mit dem visuellen Rhythmus des Films buchstäblich eins bildeten. So konnte die wildromantische, leidenschaftliche Atmosphäre der Novelle von Mérimée, die der abgeflachten Bühnenfassung völlig fehlte, nachgestaltet werden.
Ernesto Halffter Escriches hatte seine Originalpartitur ursprünglich für ein großes Orchester komponiert, doch selbst bereits die Notwendigkeit einer einfacheren Partitur berücksichtigt, die auch von kleinerer Orchestern gespielt werden kann.
Raoul Ploquin
Cinémagazine, Nr. 39, 24. September 1926, S. 553
 
 
  • DER KOMPONIST
Ernesto Halffter Escriche(1905-1989)
Ernesto Halffter Escriche wurde am 16. Januar 1905 in Madrid geboren. Schon im Alter von 6 Jahren komponierte er sein erstes Stück für Klavier: Le Coucou. Es folgten 1920/1921 die Crepúscolos, drei Stücke für Klavier, deren Uraufführung 1922 die Musikwelt auf den Komponisten aufmerksam werden ließ und die als sein erstes bedeutendes Werk gelten. Auch die beiden 1923 entstandenen Streichquartette und die Esquisses Symphoniques trugen zu seiner frühen Bekanntheit bei.
Der spanische Musikwissenschaftler und Kritiker Adolfo Salazar stellte den jungen Halffter 1923 Manuel de Falla vor, der sich von der Qualität der Werke des jungen Komponisten tief beeindruckt zeigte. In der Partitur von Hommages, einer kleinen Suite für ein Trio, vermerkte der Meister an einer Stelle „bravo" und entschloss sich, Halffter, der bis dahin ein Autodidakt war, ausnahmsweise als Schüler zu nehmen und seine musikalische Ausbildung zu vervollständigen. Im folgenden Jahr übertrug ihm Manuel de Falla die Leitung des kurz zuvor von ihm selbst gegründeten Orchestre Bética de Cámara in Sevilla, das Halffter bis zu seiner Auflösung dirigierte. 1925 brachte die im spanischen Staatswettbewerb desselben Jahres gekürte Sinfonietta dem Künstler auch internationale Anerkennung. Daraufhin setzte Halffter sein Musikstudium in Paris mit Maurice Ravel fort und machte die - insbesondere moderne - spanische Musik mit seinem eigenen und mit ausländischen Orchestern bekannt. So dirigierte er 1927 in Paris die Uraufführung von L’amour sorcier von Manuel de Falla mit dem spanischen Ballett von Madame Argentina (Antonia Mercé), das auch 1928 bei der Pariser Premiere seines Balletts Sonatina tanzte. In den 30er-Jahren war Ernesto Halffter Escriche gleichzeitig als Komponist und als Dirigent tätig. In dieser Zeit entstanden seine Klavierwerkle Sonata (1934), Espagnolade (1937) sowie Canzone e Pastorelk(1934) für Violoncello und Klavier. 1934 wurde Halffter zum Leiter des Musikkonservatoriums von Sevilla ernannt.
Von 1935 bis 1954 lebte er in Lissabon, wo er zum Professor am Spanischen Institut ernannt wurde. Dort entstanden seine Portugiesische Rapsodie (1939), eine Hommage an Maurice Ravel, Lieder nach portugiesischen Volksweisen, die Klavierwerke Plainte pour Ricardo Vines (1943), Pregón (1945), Habanera (1945), die Fantaisie espagnole (1952) für Violoncello und Klavier sowie die Musik zu diversen Filmen.
Auf Wunsch der Erben von Manuel de Falla widmete sich Halffter zwischen 1957 und 1976 der Aufgabe, die nach dem Tod de Fallas im Jahr 1946 unvollendet gebliebene Kantate Atlántida abzuschließen. Mit dieser Arbeit bewies der Komponist, dass er der einzige, wirklich im des Meisters wirkende de Falla-Schüler war. Bereits zuvor hatte er dessen Sieben spanische Volkslieder für Orchester transponiert. In diesen Jahren komponierte Halffter auch geistliche Musik: Canticum in P.P.Johannem XXIII (1964), Canticum elegiacum in memoriam Pierre de Polignac Praeclarissimi Principis (1966), Psaumes (1967) und ein Konzert für Gitarre und Orchester (1969). 1983 wurde er zum zweiten Mal mit dem staatlichen spanischen Musikpreis geehrt.
In seinen letzten Lebensjahren schrieb er verschiedene Stücke für Klavier: die Sonate Hommage an Domenico Scarlatti (1985), Nocturne automnale als Hommage an Arthur Rubinstein (1987), seine Hommages an Federico Mompou, Joaquín Turina und seinen Bruder Rodolfo Halffter (1988). Er komponierte bis zu seinem Tod 1989.
 
 
  • DAS ORCHESTER
Das Orchester von Perpignan Languedoc-Roussillon
Diesem neuen Klangkörper gehören die besten Musiker der Region an, zum Großteil staatlich geprüfte Lehrer aus den großen Städten in Südfrankreich. Die Gründung des Orchesters ist Ausdruck des Bestrebens, zu einer größeren Verbreitung von Opern- und sinfonischer Musik in Perpignan und in der Region Languedoc-Roussillon wie in ganz Frankreich und im Ausland beizutragen. Ziel ist es, die musikalische Erziehung und die Musikentwicklung zu fördern und hier insbesondere Jugendliche anzusprechen. Das Repertoire des 35 bis 45 Mitglieder zählenden Orchesters reicht von Barockmusik bis hin zu Zeitgenössischem. Genau wie große Sinfonieorchester, gibt auch das Orchester von Perpignan Gastspiele und führt bekannte Werke und neue Musik in Dörfern und Städten auf, zum Teil mit Beteiligung der Chöre aus der Region Languedoc-Roussillon. Auch die Zusammenarbeit mit bekannten Solisten belegt das hohe Niveau dieses Orchesters, das den Erwartungen von Laien ebenso gerecht wird wie denen von anspruchsvollen Musikliebhabern.
 
 
  • DER DIRIGENT
Daniel Tosi
Daniel Tosi wurde 1953 in Perpignan geboren. Er ist Komponist und Dirigent. Nach sechs ersten Preisen des Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique studierte er gemeinsam mit Ivo Malec Komposition und mit Pierre Schaeffer und Guy Reibel elektro-akustische Komposition. Gleichzeitig studierte er an der Sorbonne, wo er nach seiner Agregation in zeitgenössischer spanischer Musik promovierte.
1983 wurde Daniel Tosi mit dem Preis von Rom ausgezeichnet. Im selben Jahr gründete er das Orchester von Perpignan Languedoc-Roussillon, mit dem er zahlreiche Sinfoniekonzerte und Opern aufführte. 1989 übernahm Daniel Tosi die Leitung des regionalen staatlichen Musikkonservatoriums von Perpignan. Parallel zu dieser Tätigkeit komponierte er mehrere Kinderopern und -märchen.
Seit 1990 leitet er verschiedene Ensembles und Orchester: das RAI-Orchester Rom, die Orchester von Turin und Madrid, „Les Solistes d’Europe".
1996 übernahm er die künstlerische Leitung des Zentrums für Kunst und Musik Perpignan Languedoc-Roussillon (Campler), das u.a. die Aufführung von Opern und Sinfoniekonzerten in der Region Languedoc-Roussillon sowie das Festival Aujourd’hui Musiques organisiert.
1999 wurde Daniel Tosi mit der Auszeichnung Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres geehrt.

Erstellt: 19-01-05
Letzte Änderung: 19-01-05