Organisiert von der Berliner NGO MICT (Media in Coorperation and Transition) haben Musiker aus den verfeindeten Teilen des Landes, dem Norden und dem Süden, gemeinsam Songs für ein Tape aufgenommen, das die Sudanesen zur Wahl aufrufen soll. Vor allem junge Sudanesen, wissen weder was Demokratie ist, noch was es bedeutet zu wählen.
Das will Sister Dee ändern. Die Musikerin und Journalistin stammt aus dem christlichen Süden und ist eine Verfechterin der Frauenrechte. Mit ihren Texten will sie ihre Mitbürger aufrütteln.
Auch die erste HipHop Band des Sudan Nas Jota hat einen Song zum Tape beigesteuert. Ehab Abasaeed ist der Kopf und Produzent der Crew. Er pendelt zwischen Washington und Sudans Hauptstadt Khartum und bringt sein Wissen aus dem US-HipHop ins Land im Nordosten Afrikas. Zusammen mit den anderen Rappern von Nas Jota hat er den sudanesischen HipHop erfunden. Ihre Themen sind weit entfernt vom amerikanischen Gangsterrap – bei ihnen zählt die harte Gesellschaftspolitik.
Solche Texte hätte Nas Jota noch vor einigen Jahren nicht von der staatlichen Zensurbehörde genehmigt bekommen. Doch die Stimmung im Sudan hat sich grundlegend verändert. Jahrzehntelang hatte das islamitische Militärregime jede Art von Freizügigkeit unterdrückt. Es herrschte die Scharia, die islamische Rechtsprechung. Die gilt zwar heute im Norden des Landes noch immer, doch sie wird freier ausgelegt: die Schleierpflicht wurde gelockert und Frauen und Männer dürfen sogar gemeinsam auf Festen tanzen.
Der Präsident des Landes Omar Hassan Ahmad al Bashir gibt sich liberal. Seine Wiederwahl ist so gut wie sicher, denn er hat viele Unterstützer. Er hat dem Land einen wirtschaftlichen Aufschwung beschert und den Friedenvertrag mit dem Südsudan ausgehandelt.
Zudem unterstützen ihn die Sudanesen mit einer Art trotzigem Nationalstolz, denn Bashir wird vom Internationalen Gerichtshof in Den Haag mit Haftbefehl gesucht. Er ist angeklagt wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, denn seine Regierungstruppen schlugen den Aufstand der Rebellen in Darfur 2003 blutig nieder.
Internationale Beobachter warnen vor einem erneuten Ausbruch der Gewalt im Sudan. Denn nächstes Jahr stimmt der Süden des Landes über seine Unabhängigkeit vom Norden ab, wie im Friedensvertrag von 2005 vorgesehen. Deswegen hoffen alle auf friedliche Wahlen und damit eine demokratische Zukunft des Landes.
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