Mit Norah Jones, Jude Law, Rachel Weisz, David Straithairn


Synopsis: Elizabeth (Norah Jones) ist auf der Suche nach dem Mann ihres Lebens. Sie lernt Jeremy (Jude Law) kennen, der ein Cafe betreibt. Beide nähern sich vorsichtig einander an, doch bevor sie sich richtig kennen lernen können verlässt Elizabeth überstürzt die Stadt. Sie sucht sich einen Job in Tennessee, später lernt sie eine Frau kennen, und fährt mit ihr in deren Cabrio nach Las Vegas. Doch vergessen kann sie Jeremy nicht.
Im Gespräch mit Wong Kar Wai (Regie) und Jude Law (Jeremy)
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Bilder aus dem FilmKritik: MY BLUEBERRY NIGHTS ist ein typischer Wong Kar Wai Film und doch ist er ganz anders als alles, was der Filmemacher aus Hongkong bisher gedreht hat. Viele Premieren gibt es dabei vor und hinter der Kamera von einem, der bisher immer für Überraschungen gut war. Wong Kar Wai ist berühmt-berüchtigt für seinen Umgang mit Zeit. Sie tickt für ihn ganz individuell. Seine Drehtage sind oft bis zu siebzehn Stunden lang und für seinen letzten Film 2046 ließ er sich viele Jahre Zeit. Diesen Film jedoch hat er in knapp zwei Monaten gedreht.
Nachdem er mit 2046 seine Trilogie abgeschlossen hat, zu der auch IN THE MOOD FOR LOVE gehört und die mit DAYS OF BEING WILD vor mehr als fünfzehn Jahren begann, wollte er einmal etwas ganz anderes machen. Deshalb ging er nach Amerika, also möglichst weit weg von Hongkong und drehte zum ersten Mal in seinem Leben auf Englisch. Außerdem suchte er sich einen neuen Kameramann. Mit Christopher Doyle hatte Wong Kar Wai seit seinen ersten Filmen zusammengearbeitet, nun steht Darius Khondji hinter bei ihm hinter der Kamera, der u.a. für David Fincher und Jean-Pierre Jeunet arbeitete. Der versucht natürlich eigene Wege zu gehen, doch die Anweisungen Wong Kar Wais sorgen dafür, dass der visuelle Stil seiner Filme unbedingt wieder zu erkennen ist. Ob der Zigarettenrauch in Zeitlupe in die asiatische oder amerikanische Luft emporsteigt, da gibt es keinen großen Unterschied, in beiden Fällen sieht es sehr poetisch aus. Die Vorliebe für kleine, geschlossene Cafes und Bars führt dazu, dass Wong Kar Wai wie auch schon in CHUNGKING EXPRESS (1994) oder FALLEN ANGELS (1995) an beengten Originalschauplätzen dreht und dadurch spezielle Kameraeinstellungen vorgegeben sind, die die Enge des Ortes spürbar werden lassen. Auch spielt er geradezu exzessiv mit Glasscheiben mit Aufschriften die stets ins Bild integriert werden.
Es wirkt, als habe sich Wong Kar Wai für die Anfangsszene am meisten Zeit gelassen. Als habe er hier eine Sehnsucht in die Figuren gepflanzt, von der sein ganzer Film lebt. Nach der ersten Viertelstunde entfernt sich Elizabeth von Jeremy. Diese Bewegung geschieht „a contre coeur“ gegen den eigenen Impuls, das eigene Herz also, wie dies Marcel Proust einmal treffend beschrieben hat. Dieser Anfang ist wichtig, er beinhaltet auch die beste Szene des Films, die Kussszene. Dieser Kuss ist so harmonisch und wunderschön inszeniert, dass unausgesprochen klar ist, dass Elizabeth zurück zu diesem Mann kommen muss. Früher oder später. Denn erst mal begibt sie sich auf einen weiten Weg.
Jeremy dagegen bewegt sich nicht weg aus New York, denn er hat dort ja sein Café. Aber eigentlich war er einmal Marathonläufer, auch wenn er im ganzen Film kein einziges Mal rennt. Jude Law - die perfekte Besetzung für Jeremy - ist (zum ersten Mal in seinem Leben) viel joggen gegangen – als Vorbereitung für seine Rolle. Im Film selbst wartet er auf die Rückkehr von Elizabeth. Wong Kar Wai beschreibt dies – ganz poetisch - als „eine andere Art Marathon.“ Trotz dieser wunderbaren Momente und der natürlich und überzeugend agierenden Singer/Songwriterin Norah Jones in ihrer ersten Filmrolle kann MY BLUEBERRY NIGHTS nicht begeistern. Mit 111 Minuten ist der Film um einiges zu lang geraten. Die Geschichte bietet auch zu wenig. Übrigens: Wong Kar Wai hat Norah Jones wegen ihrer faszinierenden Stimme gecastet – zu sehen ist sie in fast jeder Einstellung, aber - trotz üppigem Soundtrack – wird man vergebens darauf warten, sie singen zu hören.
Nana A.T. Rebhan
Synopsis: Nach einer gescheiterten Liebesbeziehung freundet sich Elisabeth (Norah Jones) mit dem Chef einer kleinen Bar an, in der sie Abend für Abend bei einem Stück Heidelbeerkuchen versucht, ihren Kummer zu vergessen. Dann unternimmt die junge Frau eine lange Reise durch Amerika, während der sie als Kellnerin arbeitet und unterschiedlichen Menschen begegnet: einem gebrochenen Polizisten (David Strathairn), der Frau, die ihn verlassen hat (Rachel Weisz) und einer Pokerspielerin (Nathalie Portman)... Kritik: „Was man nicht hat, möchte man haben“, so könnte die Moral von Wong Kar Wais „My Blueberry Nights“ lauten. Der ästhetischste aller Filmemacher kam bereits in alter Gewohnheit nach Cannes, um mit seinem Film die Feindseligkeiten der nunmehr 60. Ausgabe des Festivals zu eröffnen. Angesichts der langen Vorbereitungszeit für „The Lady From Shanghai“ (dem schwergewichtigen, zwischen Russland, Shanghai und New York spielenden Kostümschinken mit Nicole Kidman) hatte Wong Kar Wai im vergangenen Jahr beschlossen, seine Arbeitsweise mit einem neuen Film zu überdenken. Hatte er für „2046“ noch fünf Jahre benötigt, so entschied sich der Regisseur diesmal für sehr viel kürzere Dreharbeiten (9 Wochen), die erstmalig nur in den USA stattfanden und einen gänzlich englischsprachigen Film als Ergebnis hatten.
Begeistert von ihrer Erscheinung und Spontaneität engagierte Wong Kar Wai die Sängerin Norah Jones für die Hauptrolle seines sentimentalen Roadmovies mit relativ geringer inhaltlicher Aussagekraft: „Manchmal kann die physische Nähe zwischen zwei Menschen sehr gering sein, während die emotionale Distanz kilometerlang ist.“ Der Großmeister des sinnlichen Kinos hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Distanz, die seine Figuren in ihrem Alltag emotional erschüttert, anhand von immer gleichen Situationen und in einer vom „Durchhalten um jeden Preis“ geprägten Ästhetik auszuloten: Elisabeth fasst in ihrem Liebeskummer Zuneigung zu einem Polizisten, der seinerseits von seiner Frau verlassen wurde. Letztere vergeht jedoch vor Schmerz, als dieser stirbt, und genauso ergeht es einer unbekümmerten Pokerspielerin, als sie sich der Liebe zu ihrem Vater erst in dessen Todesstunde bewusst wird. Häufig lässt Wong Kar Wai Elisabeth die Ereignisse aus dem Off erklären und verrät gelegentlich einen Mangel an Differenziertheit, wenn er sich allzu oft der aufdringlichen Musik von Cat Power und Ry Cooder bedient. Zwar besitzt der Regisseur die unbestreitbare Gabe, weibliche Darsteller voller neuartiger Eleganz in Szene zu setzen, doch geraten die unzähligen Einstellungen, Unschärfen und satten Farben, für die Kameramann Darius Khondji verantwortlich zeichnet, mehr zu einer Stilübung denn zur klaren Herausarbeitung der Filminhalte. Letztlich retten die Schauspieler „My Blueberry Nights“ vor der Katastrophe, indem sie gelegentlich noch ein wenig Sauerstoff liefern und verhindern, dass der Film in seinem goldenen Schatzkästchen erstickt.
Olivier Bombarda






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