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Cannes 2008

Internationale Filmfestspiele Cannes 2008 - Im Wettbewerb - 21/08/08

My Magic

Ein Film von Eric Khoo


Der aus Singapur stammende Eric Khoo vermischt Zauberkunst und Melodram, um die die schmerzhafte Wiedergeburt eines Mannes zu schildern.

Synopsis: Francis, am Ende seiner Kräfte, nimmt einen Job als Kellner in einem Nachtclub an und ertränkt seinen Kummer im Alkohol. Doch aus Liebe zu seinem Kind beschließt er, zu seinem alten Beruf zurückzukehren: dem des Zauberers.

Im Gespräch mit Regisseur Eric Khoo
Der Trailer zum Film
(Windows Media Video)


Kritik: „Man soll die Menschen nie nach ihrem Äußeren beurteilen“ könnte das Motto dieses neuen Films von Eric Khoo sein, der sich 2005 mit „Be with me“ zurückmeldete, nach jahrelangem Zaudern, das offensichtlich Früchte getragen hat. Francis Bosco, Zauberer von Beruf, der hier eine autobiographische Rolle übernimmt, ist ein Mann von kolossaler Statur, ein Dicker mit langen lockigen Haaren. Seine lächerliche Haltung könnte in diesem Film die Komik zur Pflicht machen, doch es handelt sich vielmehr um eine tragische Person. Unter dem Fettpolster verbirgt sich ein Lebensdrama, unter der verzerrten oder grotesken Maske des Gauklers liegt schmerzlicher Verlust begraben, der seiner Frau. Mit dem Vater geht es bergab, doch der Sohn, der folglich schon sehr früh gelernt hat, alleine zurechtzukommen, empfindet aufrichtige Zuneigung für seinen Erzeuger, dessen Zustand ihn betrübt. Der Kleine ist sogar geradezu geduldig: Ein gebrochener Mann, der sich selbst zerstört, damit lässt sich nicht leicht umgehen, vor allem wenn er auch noch einer Naturgewalt gleichkommt.

Und nun kommt die Magie im eigentlichen Sinne ins Spiel, als Brücke zwischen zwei Generationen, als Erbe und letzte Rettung, die diesen orientierungslosen Mann adelt. Sie erlaubt diesem schweren Körper, sich zu erheben und sogar seinen erbärmlichen Zustand zu überwinden. Zumindest glaubt man das zunächst einmal, doch der Film von Eric Khoo erweist sich als kniffliger als gedacht.

Francis spuckt Feuer, durchbohrt sich die Zunge, legt sich auf einen Teppich aus Glasscherben und lässt sich von dicken Stricken die Kehle zuschnüren. Der Zauberei kommt eine erhabene Inszenierung zugute, Schlichtheit und frontale Auseinandersetzung zugleich: Francis führt seine eigenen Zauberkunststücke vor, als die von ihm gespielte Figur Geld sammeln will, um den Sohn zu retten. Dafür lässt er sich sogar mit dunklen Gestalten ein: mit Mafiosi. Wollen Sie diese Naturgewalt für sich nutzen, um ein krummes Ding zu drehen, ihren Spaß daran haben, ihm dank ihres Geldes übel mitzuspielen, oder ihm einfach nur eine Lektion erteilen, einem Mann, der behauptet, Gangsterbossen gegenüber unnachgiebig zu sein, die selbstverständlich keine Konkurrenz zulassen? So oder so wird die Zauberei zu einem gefährlichen Geschäft. Der Barmann, für den Francis arbeitet, wittert einen profitablen Dreh und ernennt sich zum Manager, um seinen selbstmordgefährdeten Angestellten noch besser ausnutzen zu können: Khoo lässt uns spüren, dass Alkoholismus in der Tat reiner Masochismus ist.

Durch Nahaufnahmen von Francis' rundem Gesicht, das tiefste Verlassenheit ausdrückt, vermeidet der singapurische Regisseur jegliche Obszönität. Er lässt uns an unglaublichen Misshandlungen teilhaben, die sein Protagonist auf sich nimmt, als die Vergebung sich zum Opfer gewandelt hat. Zauberkunststücke und Melodram: Man spürt den Einfluss von Méliès und Vittorio de Sica in den statischen handwerklichen Einstellungen, dem Ergebnis einer Drehzeit von neun Tagen. Dieser Rekord an Prägnanz und Kürze, der viele andere übertreffen dürfte, offenbart sich vor allem als ein Wunder des Kinos.

Julien Welter
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My Magic
Ein Film von Eric Khoo
(2008, Singapur, 1h15)
Mit Francis Bosco, Jathisweran, Grace Kalaiselvi…
Wettbewerb




Erstellt: 20-05-08
Letzte Änderung: 21-08-08