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DVD-News - 20/11/06

My Name is Joe

Ein Film von Ken Loach


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  • Synopsis

Der trockene Alkoholiker Joe (Peter Mullan), arbeitslos und Trainer einer Hobby-Fußballmannschaft lernt in Glasgow die Sozialarbeiterin Sarah kennen und verliebt sich in sie. Als er sich für ein Mitglied seines Teams, dass von Gangstern bedroht wird, als Drogenkurier anheuern lässt, setzt er alles aufs Spiel.


  • Kritik

Es ist kein Zuckerschlecken, wenn man nach jahrelangem Suff auf die 40 zusteuert und realisiert, dass das zurückliegende Leben ein einziger Scherbenhaufen ist. Zumal, wenn man in einem der Elendsquartiere von Glasgow lebt, die nach ihrem Postzustellbereich nichts sagend ‚G 15’ oder ‚G 52’ heißen, womit die Einwohner der schottischen Metropole jedoch weit weniger Erfreuliches assoziieren: Arbeitslosigkeit, soziale Verwahrlosung, Drogensucht, Kriminalität. Bezirke, die einem Elendsviertel aus einem Dickens- oder Zola-Roman des 19. Jahrhunderts um nicht viel nachstehen.

Doch Joe, der trockene Alkoholiker und seine Freunde, die Mitglieder eines mehr schlecht als recht kickenden Hobby-Fußballteams, die mit den Trikots der deutschen Nationalmannschaft von 1974 auflaufen und demnach ‚Maier’, ‚Beckenbauer’ oder ‚Müller’ heißen, nehmen ihr dort zwischen Stütze und illegalen Gelegenheitsjobs hin- und her lavierendes Leben mit einer gehörigen Portion Galgenhumor. Die zwischen ihnen herrschende menschliche Solidarität ist ihre wichtigste Waffe im Kampf ums tägliche Überleben.

Doch es gibt Mächte, die auch ein am unteren Rand der Gesellschaft mittels Sozialprogrammen mühsam eingependeltes Leben wieder durcheinander bringen können: falsche Freunde, alte schlechte Gewohnheiten und vor allem – die Liebe. Die begegnet Joe in Gestalt der engagierten Sozialarbeiterin Sarah, deren Wohnung Joe mit einem Freund tapeziert. Obwohl er außer einem kleinen Disput mit dem Sozialamt keine Fehler begebt – sein Problem beim ersten Date sofort beim Namen nennt und gentlemanlike auf Distanz bleibt – irgendwann erwischt es Joe, das Herzrasen und die damit verbundene Angst, dass alles wie beim letzten Mal wieder kaputt gehen könnte. Von dieser Ahnung ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis durch die Verkettung kleiner widriger, später melodramatischer Umstände aus einem solchen Albtraum Realität werden kann.

Ken Loach und sein kogenialer Autor Paul Laverty haben sich für die Recherche zu ihrem Sozialdrama nicht nur ausführlich bei Streetworkern, Sozialberatungsstellen, Prostituierten und Heroinsüchtigen umgehört, sie haben auch die Anonymen Alkoholiker ausführlich befragt. So ist der Film an einigen Stellen denn auch nicht weit von einem Dokumentarfilm entfernt, etwa wenn Joe im Kreise einer AA-Initiative von seinem Problem erzählt. Peter Mullan, nicht nur auf der britischen Insel als trinkfreudiger Schauspieler berühmt und berüchtigt, hat Laverty mit Joe eine Paraderolle auf den Leib geschrieben. Mit unglaublicher Intensität erzählt er von Joes täglichem Kampf, seinem Leben eine andere Richtung, einen Sinn zu geben.

Loach gelingt es dabei, den Realismus des Alltags mit dem großen Melodram zu verbinden, ohne dass die Romanze in den Edelkitsch abdriftet, ohne dass das unausweichliche Drama, in dass Joe sich wider besseren Wissens hineinmanövriert, in einer Tragödie von griechischen Ausmaßen endet. Dies, die überzeugende Mischung aus Laien- und Profischauspielern und Loachs Fähigkeit, die Stimmung seines Films stets zu variieren, macht die große Qualität seines humanistisch gefärbten Dramas aus.

Martin Rosefeldt


My Name is Joe My Name is Joe
Ein Film von Ken Loach
Darsteller: Peter Mullan, Louise Goodall u.a.
Großbritannien, 1998, 105’
Sprachen: Deutsch 2.0, Englisch 5.1
Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial
Mit etwas dürren Texttafeln zu den Biografien von Schauspielern und Regisseur, zur Arbeitsweise des Drehbuchautors Paul Laverty und zur Entstehung des Films versucht Kinowelt seine DVD aufzuwerten, doch solche Hintergrundinformationen lassen sich acht Jahre nach einer Kinoauswertung längst auch kostenlos aus dem Internet beziehen.

- Biographien von Ken Loach, Peter Mullan und Louise Goodall
- Produktionsnotizen
- Zur Entstehung des Films

Erstellt: 24-10-06
Letzte Änderung: 20-11-06