Synopsis
Der Papst kommt nach Berlin – alle Hotels sind ausgebucht, und der Verkehr bricht zusammen. Drei ungleiche Paare stolpern durch die nächtliche Stadt – auf der Suche nach ein wenig Glück.
- Der Kommentar zum Film
Vor sieben Jahren, als dieser kleine Film die schmuddeligen Seiten der Metropole zeigte, war er die Ausnahme. Die meisten seiner deutschen Kollegen konzentrierten sich damals noch auf eine glitzernde Komödienwelt oder versuchten sich in anderen Genres, etwa dem des Thrillers. Nachtgestalten wurde zwar als Berlinale-Wettbewerbsbeitrag von Kritikern gefeiert, floppte aber an der Kinokasse. Drei Jahre später war Dresen mit seinem nächsten Film Halbe Treppe erneut im Wettbewerb der Berlinale vertreten – diesmal wurde sein Werk sowohl auf dem Festival als auch an der Kinokasse gefeiert – die Zeit war reif für neue deutsche Filme.
Dresen hat viel gelernt von seinen britischen Vorbildern Ken Loach und Mike Leigh, die schon jahrzehntelang die kleinen Menschen von der Strasse auf die große Leinwand holen.
So lässt er in seinen Nachtgestalten einige Randfiguren der Gesellschaft los auf die düsteren Orte Berlins, die Touristen normalerweise verborgen bleiben. Seine Paare für eine Nacht sind bis auf eine Ausnahme-Paar ungewöhnlich: So ist Landwirt Jochen (Oliver Bäßler) mächtig geschockt. Er wollte sich einen schicken Abend in der Grosstadt machen. Doch stattdessen trifft er auf Patty (Susanne Bormann), die für Heroin anschaffen geht. Sie schleppt ihn mit in finstere Clubs, deprimierende Stundenzimmer und eine völlig verdreckte Junkie-WG. Jochen sucht Wärme und Freundschaft, doch Patty hat nur einen Deal mit seiner Brieftasche.
Auch einem jungen Obdachlosenpärchen (Meriam Abbas und Dominique Horwitz) ergeht es kaum besser. Zwar hat Sie einen Hundertmarkschein gefunden, und die beiden wollen sich dafür mal ein richtig schönes Hotelzimmer mit Dusche und Frühstück gönnen, doch die Stadt ist ausgebucht – siehe Papstbesuch. Stattdessen werden sie auf der Suche nach einer Herberge gedemütigt und beleidigt. Die dritte Episode handelt von einem notorisch motorischen Geschäftsmann (Michael Gwisdek), der am Flughafen höchst ungeduldig auf einen Gast wartet, der nicht kommt. Stattdessen trifft er dort auf einen angolischen Flüchtlingsjungen, der nicht abgeholt wird.
Dresen verschachtelt die drei Episoden gekonnt ineinander und erzählt so die Abfolge einer Nacht in Berlin. Er hat für seine Gestalten ein gutes Ensemble an Schauspielern gefunden – allen voran Michael Gwisdek, der den unzufriedenen, konservativen Geschäftsmann spielt, der aber dennoch ein weiches Herz hat. Durch sein hervorragendes Spiel gelingt es ihm, dass man einem eigentlich unsympathischen Charakter gerne zusieht, und dabei auch bisweilen herzhaft lachen muss. Gwisdek wurde für seine überzeugende Leistung mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet.
- Das Bonusmaterial
„Die Glückssucher“ wirft zugleich einen Blick auf die Herkunft Dresens und seine vorherigen Filme. Andreas Dresen ist der Sohn des bekannten Theaterregisseur Adolf Dresen. Seine eigene Regiekarriere begann er am Stadttheater in Cottbus. Mit seinem Film Stilles Land (1993) wollte der 1963 geborene Andreas Dresen eine Chronik der Wende in der Provinz aufzeigen, und damit ein „authentisches Bild der 90er Jahre“ zeigen.
Dresen ist ein detailversessener Regisseur. Manchmal ist er nach Aussagen von Freunden auch etwas „zu akribisch.“ Die Dreharbeiten von Nachtgestalten forderten allen Beteiligten viel ab – schließlich wurde fast ausschließlich nachts gedreht, da ja auch der Film nachts spielt. „Die Strasse erfordert Härte,“ erklärt Dominique Horwitz. Oliver Bäßler, - der das gutmütige Landei mimt – gesteht, dass er die Orte, die sein Charakter besucht, persönlich nicht kannte: Billige Stundenhotels, düstere Clubs, in denen Drogen vertickt werden, verdreckte Junkie-WG’s.
Kostümbildnerin Sabine Greunig betont, wie wichtig es ist, dass die Kleidung, die die Schauspieler tragen, nicht „dekorativ“ wirkt. Das ist grade bei dem Pennerpärchen sehr wichtig. Die Kleidung muss zufällig aussehen. Genau das erfordert viel Nachdenken. Dresen ist für seine Schauspieler ein sehr angenehmer Regisseur, er ist sehr harmoniebedürftig. Welche Wirkung erwartet er von seinen Filmen? „Ein Film wird nicht die Welt verändern, aber vielleicht ein kleines bischen die Menschen, die ihn sehen.“
Nana A.T. Rebhan
- Nachtgestalten
Label: Kinowelt
Genre: Drama
- Stab
Drehbuch: Andreas Dresen
Kamera: Andreas Dresen
Produktion: Peter Rommel
- Darsteller
(Vaterland, Drei Stern Rot)
Dominique Horwitz
(Stalingrad, Sams in Gefahr, Die Blindgänger)
Michael Gwisdek
(Herr Lehmann, Eine Hand voll Gras, Good Bye, Lenin!)
Susanne Bormann
(Raus aus der Haut, Liegen lernen)
- Technische Angaben
DVD Sprachen/Ton: Deutsch (Surround Dolby Digital)
DVD Untertitel: Englisch
DVD Extras: Audiokommentar von Andreas Dresen, Making of: "Die Glückssucher", Trailer
Produktionsjahr: 1998
Produktionsland: Deutschland
Kinostart: 12.08.1999
FSK: ab 12 Jahren
Lauflänge: ca. 97 Minuten
- Vertrieb
Bst.-Nr. 500980, EAN 4006680032931






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