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Kino auf ARTE - 27/10/11

Nachts auf den Straßen

Spielfilm, Österreich/Deutschland 1952, ZDF
Regie: Rudolf Jugert; Buch: Fritz Rotter, Helmut Käutner; Kamera: Václav Vích; Komponist: Werner Eisbrenner; Produzent: Erich Pommer; Produktion: NDF - Neue Deutsche Filmgesellschaft
Mit: Hans Albers - (Heinrich Schlüter), Hildegard Knef - (Inge Hoffmann), Lucie Mannheim - (Anna Schlüter), Marius Goring - (Kurt Willbrand), Karin Andersen - (Lieschen Brunnhuber), Hans Reiser - (Franz), Wolf Ackva - (Klatte), Heinrich Gretler - (Carl Falk)

Als der Fernfahrer Heinrich Schlüter beim Wrack eines verunglückten Autos eine große Geldmenge findet, erliegt er der Versuchung, das Geld zu behalten. Der eigentlich grundehrliche Mann wird plötzlich anfällig für die kleinen Abenteuer des Lebens. Eines Nachts nimmt er die Anhalterin Inge mit und verliebt sich in sie. Ohne dass er es merkt, wird er von ihr in dunkle Schiebergeschäfte verstrickt.



Seit Jahren ist Heinrich Schlüter ein "Kapitän der Landstraße". Mit seinem Laster befördert er überwiegend Güter auf der Strecke München - Frankfurt. Auch heute hängt er auf der Fahrt über die nächtliche Autobahn seinen Gedanken nach.
Diesmal hat er einen besonderen Grund: Schlüter hat gerade seine einzige Tochter Lieschen verheiratet, und die Hochzeit war teurer, als er es sich eigentlich hätte leisten können.
Der Zufall will es, dass Schlüter auf dieser Fahrt beim Wrack eines ausgebrannten Pkws fast 20.000 Mark findet. Obwohl er an und für sich ein grundehrlicher Mann ist, steckt Schlüter das Geld unbemerkt ein. Und als er von der Polizei hört, dass es sich bei dem tödlich verunglückten Fahrer um einen Devisenschieber handelt, beschließt er, das Geld zu behalten. Gern möchte Schlüter damit seiner Frau und seiner Tochter eine Freude machen. Aber das ist gar nicht so einfach, wenn man über die Herkunft des plötzlichen Reichtums nichts verraten will und bisher sehr bescheiden gelebt hat. So wird Heinrich Schlüter plötzlich anfällig für die kleinen Abenteuer des Lebens.
Eines Nachts nimmt er, entgegen seiner Gewohnheit, eine Anhalterin mit. So beginnt die Bekanntschaft mit dem Mädchen Inge, das dem gestandenen Mann um die 50 wegen seines guten Aussehens schmeichelt und ihm von ihrem "Bruder" erzählt, der in Wirklichkeit ihr Freund Kurt ist. Schlüter verliebt sich in die schöne junge Frau. Er führt sie aus und macht ihr teure Geschenke. Ohne es zu bemerken, wird er jedoch von Inge in dunkle Machenschaften verwickelt. Als er schließlich erkennt, dass er auf seinem Lastwagen Diebesgut befördert, macht er die Polizei durch einen selbst provozierten Unfall darauf aufmerksam. Bei den Ermittlungen gesteht er auch die Fundunterschlagung. Beinahe geht es ihm selbst an den Kragen. Geläutert und reumütig kehrt er am Ende zu seiner Frau zurück, die ihm alles verzeiht.

Bevor sich Mitte der 50er Jahre die Förster, Jodler und Heidewanderer endgültig der Leinwände der deutschen Lichtspielhäuser bemächtigten, erlebte der deutsche Nachkriegsfilm mit Rudolf Jugerts hinreißendem Melodram "Nachts auf den Straßen" in jenem finsteren Kinojahrzehnt noch einmal eine Sternstunde. "Der zeitnahe und zeitkritische Film ist realistisch, kunstlos und geradlinig inszeniert."
Die Darstellung des Fernfahrers Heinrich Schlüter war eine Paraderolle für den großen Hans Albers, der hier die Gelegenheit nutzte, die besten Seiten seiner Persönlichkeit und seines Naturtalents zu zeigen. Es ist der einzige Film, bei dem er mit Hildegard Knef gemeinsam vor der Kamera stand. Beim Bundesfilmpreis 1953 wurde "Nachts auf den Straßen" als bester abendfüllender Spielfilm ausgezeichnet. Rudolf Jugert erhielt den Regiepreis in Gold und das Filmband in Gold ging an die beiden Drehbuchautoren Helmut Käutner und Fritz Rotter.
Der selten im Fernsehen gezeigte Film wird für viele Zuschauer eine echte (Wieder-)Entdeckung sein.

Nachts auf den Straßen
Montag 14. November 2011 um 14.45 Uhr
Keine Wiederholungen
(Österreich, Deutschland, 1952, 108mn)
ZDF

Erstellt: 27-10-11
Letzte Änderung: 27-10-11