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Kino-News

Schön anzuschauende, aber oberflächliche Verfilmung des Colette-Romans, mit großen Schauspielern, die in schönen Kostümen amüsante Dialoge sprechen.

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Filmfestival 2005 - 27/04/05

Natfilm-Festival Kopenhagen

Kim Foss ist sehr müde nach 10 langen Festivalnächten, da helfen auch die beiden Capuccini nicht mehr viel, die er kurz hintereinander bestellt. Das ganze Jahr ist der 44-jährige Filmkritiker und Festivalmacher Foss quer durch Europa gereist, hat in Asien, Lateinamerika, im Mittleren und nahen Osten und sonst wo auf der Welt nach kleinen, exotischen, interessanten Filmen Ausschau gehalten. Mit Erfolg – sein vor 16 Jahren gegründetes „Natfilm-Festival“ hat sich längst zu einer der interessantesten Filmschauen Skandinaviens gemausert. 150 Filme zeigt das Festival jedes Jahr in den ersten 10 April-Tagen und lockt damit an die 40 000 dänische Zuschauer an. Anschließend zieht das Festival nach Alborg, Odense und Aarhus weiter.

Seinen Titel erhielt das Festival von seinem Gründer, einem dänischen Kinobesitzer. Warum nicht nach Mitternacht im dann leer stehenden Kino eine Festival veranstalten und darin kleine, unkonventionelle Filme zeigen? Eine dänische Großbrauerei half als Sponsor aus und so ging es los mit einem kleinen Programm und zunächst wenigen Zuschauern. Als Kim Foss 1994 zusammen mit zwei Freunden, dem deutschen Andreas Steinmann und Niels Lind Larsen, das Festival übernahm, kam dies einer Feuertaufe gleich. Foss, der sich bis dahin vor allem mit Kurz- und Experimentalfilmen beschäftigt hatte, musste in 6 Wochen das Programm auf die Beine stellen, nachdem die alte Leiterin das Festival im Streit verlassen und sämtliche Unterlagen vernichtet hatte.

Das Experiment glückte, vor allem wegen des unermüdlichen Einsatzes der Organisatoren, die die ersten Jahre fast ohne Gehalt arbeiteten. Dafür erhielt man von einem aus Kinobesitzern, Verleihern und Produzenten bestehenden 5-köpfigen Vorstand freie Hand bei der Auswahl der Filme. Zwei Statuten aber fühlen sich auch die Macher verpflichtet – der Förderung des dänischen Nachwuchses und des Arthousekinos. So erhalten jedes Jahr zu Beginn des Festivals ein oder zwei, manchmal auch drei dänische Filmtalente eine kleine Auszeichnung, den so genannten „Nachtschwärmerpreis“. Filmmusiker, Zeichentrickfilmer, Redakteure, Produzenten, Drehbuchautoren, aber auch spätere Schwergewichte wie die dänischen Starregisseure Lars von Trier oder Thomas Winterberg haben diese Trophäe bereits erhalten.

In diesem Jahr ging der Preis erstmals an zwei junge dänische Schauspieler. Auch das europäische Arthousekino wird mit einem Preis unterstützt. Bei bis zu 35 Prozent Marktanteil einheimischer Filme plus noch einmal zwischen 50 und 60 Prozent Hollywood-Produktionen hat es das europäische Kino bei den Dänen schwer. Sie nehmen derzeit lieber mit einheimischen Schauspielern vorlieb, der dem kleinen Mann auf der Straße ähnlich sieht und Filmstoffen, die dem eigenen Leben entliehen sein könnten. Um das dänische Publikum auf das Weltkino wieder neugieriger zu machen, vergibt das Natfilmfestival auch einen mit 25.000 Euro relativ hoch dotierten Publikumspreis, verbunden mit einem anschließenden Verleih des Gewinnerfilms in dänischen Lichtspieltheatern und späteren Ausstrahlung im dänischen Fernsehen. Diese Auszeichnung ging in diesem Jahr an den iranisch-irakischen Film „Turtles Can Fly“ von Bahman Ghobadi. Hinzu kommt ein Kritikerpreis, den das französische Auslandsfernsehen TV 5 vor 3 Jahren aufgestellt hat – diese Auszeichnung wurde an den Dokumentarfilm „The Devil and Daniel Johnston“ vergeben.

Das Programm von „Natfilm“ reichte in diesem Jahr von einer Reihe über die französische Schauspielerin und Regisseurin Valerie Bruni-Tedeschi bis zum deutschen Heimatfilm der 50er Jahre, eine Reihe, die beispielsweise vom Goethe-Institut unterstützt wird. So breit wie möglich will Kim Foss sein Programm gestalten, damit auch sein persönlicher Geschmack dazulernt - ob Kung Fu, philosophischer Essay, politische Dokumentation oder amerikanischer Blockbuster wie die dänische Premiere von „Million Dollar Baby“, die das diesjährige Festival ausklingen ließ. Wichtig sei nur, so Kim Foss, das Publikum dabei nicht zu verwirren, sondern das Programm entlang gewisser Schwerpunkte auszurichten und zu gruppieren. Dieser Orientierungspunkt kann ein Genre, ein Land, eine Person oder auch ein politisches Thema sein. So hat das Nat Film Festival beispielsweise nach dem 11. September 2001 einen Schwerpunkt mit Filmen aus der arabischen Welt eingerichtet, um der allgemeinen Hysterie ein differenzierteres Bild des Nahen und Mittleren Ostens entgegenzustellen.

Vor ein paar Jahren war es, da drohte dem kleinen Natfilmfestival plötzlich das Aus. Der neuen konservativen Regierung gefiel es, ein neues, prestigeträchtiges Festival ins Leben zu rufen, mit rotem Teppich, Wettbewerb und den dazugehörigen goldenen Trophäen sowie im Vergleich zum Natfilmfestival doppelt so hohem Budget. Niemand aber sprach vorher mit deren Organisatoren des Natfilmfestivals, die logistisch und organisatorisch bestens auf diese Aufgabe vorbereitet gewesen wären. Statt dessen erfolgte ein „feindlicher“ Übernahmeversuch mit dazugehörigen Abwerbeangeboten, den man jedoch selbstbewusst zurückwies. Doch Kim Foss ist keineswegs mehr unglücklich über die Konkurrenz – das im August stattfindende „Kopenhagen Film Festival“, sind seine Festspiele doch mit fast doppelt so vielen Filmen und Zuschauern ohnehin gut aufgestellt. So hätten die Kopenhagener eben zwei Mal im Jahr Gelegenheit, Filme aus aller Welt zu sehen. Auch finanziell profitierte sein Festival vom Wettbewerb, mussten die Politiker nun doch das „alte“ Festival gerechtigkeitshalber ebenfalls finanziell stärker unterstützen.

Auch ein weiterer Schachzug hat das „Natfilmestivalen“ stark gemacht. Seit 3 Jahren veranstalten Kim Foss und seine Kollegen im November zusätzlich ein Dokumentarfilmfestival. Aus Platzgründen – denn die vielen eingereichten Filme ließen sich sich mehr im Frühjahrsprogramm unterbringen. Nach dem Vorbild des Filmfestivals in Thessaloniki arbeiten Foss und seine Mannschaft nun ganzjährig – und natürlich längst zu vollem Gehalt, auch dank der neuen Sponsoren, die man dank des doppelten Werbeeffekts gewinnen konnte. Viele weitere Cappuccini werden in den nächsten Wochen gebrüht werden müssen, damit Kim Foss und seine Freunde das Programm noch vor der langen Sommerpause auf die Beine stellen können.

Martin Rosefeldt

Erstellt: 12-04-05
Letzte Änderung: 27-04-05