Die Haut fragt nicht nach Öko-Labels Das Öko-Image ist längst passee: Wer nach Aloe Vera-Cremes, Rosenöl oder Produkten mit Stutenmilch Ausschau hält, ist nicht mehr auf Bioläden angewiesen. Naturkosmetik liegt im Trend und ist heute in Kaufhausregalen ebenso wie im Online-Shop zu finden. Naturkosmetik gilt als schonender, gesünder und hautverträglicher als synthetisch hergestellte. Fachleute sehen das mitunter anders.
"Ich glaube, von diesem Irrglauben muss man mal wegkommen", sagt Hannelore Boos vom bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). "Denn Naturstoffe können die gleichen schädigenden Wirkungen haben wie synthetisch hergestellte Stoffe". Naturkosmetika bestehen aus pflanzlichen, tierischen und mineralischen Rohstoffen. Dazu gehören neben Wasser hochwertige pflanzliche Öle sowie Emulgatoren wie Wollfett oder Sheabutter, die Wasser und Fett verbinden. Doch jede Haut reagiert anders auf bestimmte Substanzen. Allergische Reaktionen können nicht nur synthetisch hergestellte Produkte auslösen, sondern auch natürliche.
Die eigene Vorliebe entscheidetIn einer Umfrage gab die Hälfte der befragten Frauen an, natürliche Pflegeprodukte zu bevorzugen. Welche Cremes der Haut gut tun, hängt aber vor allem von ihren individuellen Eigenschaften ab. Zudem sind Bezeichnungen wie "Natur" und "Bio" nicht geschützt. Die Kosmetikerin Vida Leitner kombiniert Bioprodukte mit synthetischen und hat damit gute Erfahrungen gemacht. "Wenn ich hinter Biokosmetik stehe, dann wirkt sie auch ganz anders", glaubt sie. Automatisch besser sind sie aber von der wissenschaftlichen Warte aus betrachtet nicht.
Plaketten versprechen Natur pur
Wer sicher sein will, nur Natürliches an seine Haut zu lassen, kann zu zertifizierten Produkten greifen. Das Label "Kontrollierte Naturkosmetik" zum Beispiel soll hohe Standards bei der Gewinnung und Verarbeitung von Kosmetikrohstoffen garantieren. Zu den Auflagen gehört es, dass Tierversuche für die Entwicklung von Produkten tabu sind und pflanzliche Rohstoffe aus kontrolliert-biologischem Anbau stammen sollen.
Diese Richtlinien gehen über die der europäischen Kosmetikverordnung hinaus, die zum Beispiel von jedem Hersteller einen Nachweis über dermatologische Tests seiner Produkte verlangt. "Schwarze Schafe" gebe es im Bereich der Naturkosmetik ebenso wie bei der konventionellen, so Hannelore Boos. So komme es vor, dass Konservierungsmittel nicht deklariert seien oder nicht zugelassene Stoffe verwendet wurden.
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HIPPOKRATES - Gesundheitsmagazin
Dienstag, 16. Mai 2006 um 14.00 Uhr
Wiederholung vom 31. Mai 2005
Redaktion: Birgit Engel Koproduktion BR -ARTE G.E.I.E.






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