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18.02.06 - 01.05 : metropolis - 17/02/06

Ned Rorem

Amerikanische Unterhaltungsmusik von George Gershwin bis Cole Porter ist das Motto des Konzerts von Lambert Wilson. Dabei erklingen auch die Melodien eines Unbekannten: Ned Rorem. Unbekannt? Heutzutage vielleicht. Rorem ist ein illustrer Unbekannter: Er war einer jener Amerikaner, die 1950 nach Paris kamen, um den alten Kontinent zu erobern – so wie in den Zwanzigern die Vertreter der berühmten „Lost Generation“.

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All dies hat er in seinem „Pariser Tagebuch“ geschildert - ein zutiefst aufrichtiger, skandalös-pessimistischer Bericht. Das Buch eines jungen Yankees, der etwas zu spät realisiert, dass Schönheit allein ihm nicht zu einem Platz in den Geschichtsbüchern verhilft.
Heute, an seinem Lebensabend angelangt, schreibt Ned Rorem in seinem New Yorker Apartment sein Werk fort. Ein Werk, das in seiner Heimat ob seiner großen Authentizität viel Anerkennung findet – und dabei doch stark von fremden Wurzeln und Einschlägen beeinflusst ist: den Wurzeln der französischen Musik der zwanziger und dreißiger, seit eh und je von Ned Rorem bewundert. Oberflächliche Beobachter sehen in Ned Rorem um 1950 nichts weiter als diesen unverschämt gut aussehenden Jüngling, der sich von Strand zu Strand, von Zimmer zu Zimmer und von Salon zu Salon zur Eroberung all jener aufmacht, die sich gerne verführen lassen wollen. Musiker wie Georges Auric, Henri Sauguet, Francis Poulenc, Wanda Landowska oder Robert Veyron-Lacroix...
Auch Jean Cocteau reiht den Amerikaner in seine Galerie schöner, talentierter junger Männer ein. Seine ersten Werke lässt er im Gaveau-Saal spielen, doch er wandelt auch auf den Spuren André Gides in Nordafrika.

Auch fünfzig Jahre später ist Ned Rorem immer noch genauso schön und verführerisch – darüber hinaus aber hat er es weit gebracht: zu einem Komponisten, der schon zu Lebzeiten zwischen Leonard Bernstein und John Adams Einzug gehalten hat ins Pantheon der US-Stars. Ein ehrgeiziger, selbstkritischer Arbeiter, ein Musiker vom alten Schlag, ein Überlebender der Glanzzeiten von Paris, Berlin und aller anderen Musik-Metropolen Europas.
Heute figuriert Rorem im kleinen Kreis der renommiert-ehrwürdigen „American Academy of Arts and Letters“ an vorderster Front im Kampf gegen Aids. Und mit Steve Reich steht er an der Spitze der meistgeehrten Musiker in den Vereinigten Staaten. Seiner Spontaneität und seinem Esprit tut dieser Ruhm indes keinen Abbruch. Er ist und bleibt der lässige Dandy seiner Jugendtage.

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Album und DVD
„Nuit Americaine“ mit Lambert Wilson
Le Chant du Monde und Harmonia Mundi

Ausgewählte Melodien von Ned Rorem
„Trois Symphonies“ und „The End of Summer“
von Naxos in der Reihe American Classics herausgegeben

Buch
Journal Parisien
von Ned Rorem
Editions du Rocher

Links
>> Offizielle Website
>> Biografie

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Metropolis
Samstag, den 18. Februar 2006 um 01.05 Uhr
Wiederholung am Sonntag, 19. Februar um 18.05 Uhr
Redaktion: Online Production
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Erstellt: 17-02-06
Letzte Änderung: 17-02-06


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