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18/12/09

Neues flämisches Kino auf dem Vormarsch

Ein Beitrag von Yves Montmayeur


Es gibt nicht nur französischsprachiges Kino im Leben: Im Norden Belgien sprechen die Muscheln Flämisch, und der Film reduziert sich nicht auf die sozialkritischen Werke der Brüder Dardenne. Im nebligen flämischen Flachland setzen rund zwanzig rebellische Regisseure, die mit dem Bier als "Muttermilch" aufwuchsen, einen neuen Trend gegenüber dem dominanten französischsprachigen Film.

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Johan Grimonprez


Der flämische Video-Künstler Johan Grimonprez entführt uns zu einer surrealistischen Achterbahnfahrt der Flugkatastrophen. Mit Archivaufnahmen von Flugzeugunglücken persifliert der gelernte Anthropologe mit "Dial H.I.S.T.O.R.Y" 1997 die mediale Sensationslust und spielt mit Bildern des Schreckens. Wer sich in den vom Pariser Centre Pompidou produzierten Film "Dial H.i.s.t.o.r.y" wagt, sollte sich gut anschnallen. Johan Grimonprez hat sogar Bilder von Flugsicherheitskursen verwertet und in Propagandamaterial aus Zeiten des Kalten Kriegs gewühlt.


Wenn Johan mal auf dem Boden bleibt, ist er schon auf dem nächsten Psycho-Trip. Mit Alfred Hitchcock. In „Double Take“ von 2009 vermischt er Archivbilder mit Sequenzen, die mit einem Doppelgänger des Meisters der Spannung gedreht wurden.


Pieter Van Hees


Wenn Surrealismus und Fantasy nur eine Mauer trennt, dann hält die jemanden wie Pieter Van Hees garantiert nicht auf. Sein Film "Left Bank" handelt von einer jungen Frau, die in den Kellern ihrer Betonsiedlung die Höhle eines Drachens aus der Keltenzeit entdeckt.
NIFFF vom30.06 bis zum 05.07.09 in Neuchâtel >> Website
Bei der neunten Ausgabe des Schweizer Fantasy-Film-Festivals von Neuchâtel gewinnt der Spielfilm den Preis "Méliès d‘argent" und macht Van Hees zum neuen Star der flämischen Filmszene. Pieter Van Hees’ fantastische Bilderwelt steht ganz in der Tradition der Phantasmagorie, einem Genre, in dem der Belgier Etienne Robertson Anfang des neunzehten Jahrhunderts eine Vorreiterrolle spielt. Seine Geister-Projektionen gelten als Vorläufer des Kinos und erschrecken seine Zeitgenossen zu Tode. Das germanische Wort "Flaumandrum", - namensgebend für Flandern - bezeichnet sumpfige Überschwemmungsgebiete. Eine Welt, über der Geister schweben, in der die Grenzen zwischen sichtbar und unsichtbar verschwimmen, und vorchristliche Traditionen fortleben. Ein geheimnisvolles Universum, Wiege von Karnevals-Drachen und Legenden, in denen Jungfrauen geopfert werden, damit eine neue Jahreszeit anbrechen kann. Das ist der Stoff, aus dem Peter Van Hees’ Filmträume sind.


Felix Van Groeningen


Mit “The Misfortunates“ wühlt Felix Van Groeningen tief in den Abgründen der flämischen Seele. In seinem dritten Spielfilm “De helaasheid der dinge“, wörtlich übersetzt “Die Beschissenheit der Dinge“, zeichnet der dreißigjährige Filmemacher das Bild einer belgischen “White Trash“-Familie. Die krasse Sozialkritik des Films, der 2009 sogar in Cannes im Rennen ist, passt nicht so recht ins Bild von den aufrechten und anständigen Flamen.


In den Kinos

La Merditude des choses (De helaasheid der dingen)
Ein Film von Félix Van Groeningen
Mit: Johan Heldenbergh, Koen De Graeve, Pauline Grossen, Wouter Hendrickx, Natali Broods...
In den französischen Kinos ab den 30. Dezember 09

Links

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Samstag 19. Dezember 2009 um 03.00 Uhr
Keine Wiederholungen
(Frankreich, 2009, 52mn)
ARTE F

Erstellt: 18-12-09
Letzte Änderung: 18-12-09


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