Schriftgröße: + -
Home > Weinprobe > Neues vom Weinmarkt

28/07/05

Neues vom Weinmarkt

Interview mit Joel Payne


Ende Juni fand in Bordeaux die jährliche Weinmesse Vinexpo statt. Der aus Amerika stammende Sommelier und Journalist Joel Payne ist dort gewesen und hat die aktuellen Entwicklungen auf dem Weinmarkt beobachtet.

Das Interview mit Joel Payne als Audio-Datei zum Anhören

Herr Payne, was gibt es Neues auf dem internationalen Weinmarkt?

Neues gibt es viel. Das Problem ist eher, dass es zu viel gibt. Wir haben im vergangenen Jahr eine weltweite Überproduktion von etwa 50 Millionen Hektolitern erzeugt. Das entspricht etwa 7 Milliarden Flaschen. Europa kann sich nicht erlauben, ständig diese Menge Wein zum Alkohol zu destillieren.

Hat das zur Folge, dass der Wein viel günstiger wird?

Viel günstiger kann er nicht werden. Letztlich ist der Wein ein landwirtschaftliches Produkt. Unter einer bestimmten Grenze kann Wein nicht erzeugt werden. Viele Angebote, die man in den Supermärkten sieht, sind eindeutig zu billig, so dass sie nur mit Subventionen oder Verlust zustande zu bringen sind. Weltweit stehen die Preise extrem unter Druck. Hochpreisige Weine, die nicht eine gewisse Tradition und Begehrlichkeit bei den Konsumenten wecken, laufen sehr wenig.

Warum ist die Vinexpo ein so wichtiger Treffpunkt für den internationalen Weinhandel?

Das war die erste Messe dieser Art, die ins Leben gerufen worden ist. Dazu kommt sicherlich auch, dass Bordeaux von der Infrastruktur her eine reine Katastrophe ist, doch von der Umgebung sehr reizvoll ist. Viele verbringen ihren Urlaub in einem Häuschen an der Küste. Natürlich sind die Rahmenveranstaltungen in all den Chateaus sehr reizend, denn es gibt jeden Tag und jeden Abend ein großes Angebot an interessanten Ereignissen. Das kann keine andere Stadt der Welt bieten.

Wie hat der deutsche Wein auf der diesjährigen Vinexpo abgeschnitten? Ignorieren die Franzosen deutsche Weine noch immer?

Das wäre übertrieben. Der gute deutsche Wein bekommt im Ausland eine gewisse Anerkennung, zumindest qualitativ, wenn auch nicht in Mengen. Die Franzosen sind nicht mehr so verschlossen wie sie einst waren. Das gilt nicht nur für die Weine aus Deutschland, sondern überhaupt für Weine, die nicht aus Frankreich stammen. Was man beachten muss, ist, dass die Vinexpo keine französische Messe ist. Sie ist eine internationale Messe, die in Frankreich stattfindet. Italiener, Spanier, Amerikaner und viele Völker aus Asien sieht man da in Hülle und Fülle.

Seit einiger Zeit gibt es auch ein starkes Interesse aus Asien am europäischen Wein. Macht sich das auf dem deutschen und französischen Weinmarkt bemerkbar?

Das wäre übertrieben. Ich habe von der Überproduktion gesprochen und die Lage geschildert. Die Sache ist die: Ein Erzeuger, der 100 000 Flaschen im Jahr zu verkaufen hat, sucht sich, wenn er auf seinem heimischen Markt nicht mehr als 5000 oder 10000 Flaschen verkaufen kann, dann sucht er sich andere Märkte, wo diese Flaschen abgesetzt werden können. Die Chinesen haben den Geschmack für den Wein noch nicht gefunden. Es ist nur eine kleine Schicht, die sich damit beschäftigt. Wohlgemerkt eine kleine Schicht von einem Volk mit 1 Milliarde Einwohner! Das sind immerhin viele Kehlen.

Auch Osteuropa zeigt sich allmählich in der internationalen Weinszene – und zwar sowohl als Käufer als auch als Anbieter; es gibt einige Anbaugebiete in Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern. Wird das bald eine starke Konkurrenz sein für die klassischen Weinländer Italien und Frankreich?

Das glaube ich nur geringfügig. Sie sprachen von Ungarn, dazu kommen natürlich Rumänien und Bulgarien. Das sind mengenmäßig und aus qualitativer Sicht die Länder mit dem größten Potential. Das Problem ist, dass sie hier noch keinen Ruf haben, und wenn, dann eher einen minderwertigen. Es wird lange dauern, bis die Konsumenten in Deutschland bereit sind, mehr als einen Mindestpreis für diese Weine zu bezahlen.

Was man auf der anderen Seite betrachten muss, sind Polen, die Ukraine, Weißrussland, Russland, da gibt es Millionen von Europäern, die eine Weintradition in der Kultur haben. Doch obwohl sie gerne trinken, haben sie bis jetzt zu wenig Geld, um das zu bestellen, was sie gerne hätten.

Welche Rolle spielen Bio-Weine im internationalen Weingeschäft?

Das sehe ich auf zwei Ebenen. Es gibt diejenigen, die das Biologische in den Vordergrund stellen und versuchen, ihre Produkte als solche zu verkaufen. Meine Erfahrung mit diesen Weinen ist nicht so gut. Viel eher habe ich Respekt für diejenigen, die biologisch arbeiten, aber in der Vermarktung kein Wort darüber verlieren. Sie wollen über den Namen und die Qualität ihrer Weine bekannt werden und nicht mit dem Stempel „biologisch“, „grün“ oder womit auch immer werben.

Was lässt sich über den Jahrgang 2004 jetzt sagen? Wird der lediglich durchschnittliche Weine hervorbringen – im Gegensatz zu den hervorragenden Weinen aus dem Jahr 2003?

Das ist von Land zu Land und von Anbaugebiet zu Anbaugebiet sehr unterschiedlich. Ich gehöre nicht unbedingt zu denen, die meinen, dass 2003 richtig groß war. Es wurde in der Presse gejubelt, aber das liegt überwiegend daran, dass wir uns alle an den langen, warmen und trockenen Sommer erinnern. Aber wenn heiß und trocken die richtigen Voraussetzungen für den Weinbau sein sollten, müsste die gesamte Sahara irgendwann bepflanzt werden. Das reicht nicht. Gewiss war in bestimmten Bereichen 2003 außergewöhnlich, allen voran die Edelsüßen von der Mosel. Ich halte einige von den 2004ern, die ich bereits verkostet habe, für besser.

Das war Joel Payne, Sommelier und Journalist über die aktuellen Trends auf dem Weinmarkt. Vielen Dank für das Gespräch Herr Payne.

Das Interview führte Katja Dünnebacke.

Erstellt: 08-07-05
Letzte Änderung: 28-07-05