05/11/08
Nicolaus Sombart (Deutschland)
Wie er seinen Traum aufgab, Architekt zu werden
Nicolaus Sombart ist deutsch-rumänischer Abstammung. Sein Vater war der bekannte deutsche Nationalökonom und Soziologe Werner Sombart, seine Mutter war Rumänin. Nicolaus wuchs in Berlin auf, wo er 1923 geboren worden war, und erhielt während der 30er Jahre seine entscheidende Prägung durch das gesellige Elternhaus, wo zahlreiche Künstler, Schriftsteller, Botschafter und Geschäftsleute aus ganz Europa ein und aus gingen, denen allesamt eine Vorliebe für einen gewissen unkonventionellen und kultivierten Lebensstil gemein war. Diesem bunten Treiben sollte das Dritte Reich alsbald für immer den Garaus machen.
Die Autoren
- Arendt, Hannah (Deutschland)
- Fleischer, Alain (Frankreich)
- Gorbatschow, Michail (Russland)
- Havel, Vaclav (Tschechische Republik)
- Kohl, Helmut (Deutschland)
- Levi, Primo (Italien)
- Mitterrand, François (Frankreich)
- Olivi, Bino (Italien)
- Rupnik, Jacques (Tschechische Republik / Frankreich)
- Sombart, Nicolaus (Deutschland)
- Tanović, Danis (Frankreich)
- Thatcher, Margaret (Vereinigtes Königreich)
- Trichet, Jean-Claude (Frankreich)
- Veil, Simone (Frankreich)
- Wajda, Andrzej(Polen)
- Weiss, Louise (Frankreich)
„
Als ich 1945 aus englischer Kriegsgefangenschaft in Großenbrode entlassen wurde, stand ich vor der Frage, was tun? Ich hatte meine Existenz verloren. Studieren, das verstand sich irgendwie von selbst, aber was? Wollte ich nicht Arkitekt werden? Der Gedanke, der meine ganze Jugend beherrscht hatte, schien mir jetzt völlig absurd. Unter dem Eindruck der Niederlage, tief durchdrungen von der deutshen Schuld, sah ich die Zukunft Deutschlands in der Perspektive des Morgenthauplans: Jahrzehnte eines Lebens in Ruinen und Baracken. Was würde es da zu bauen geben? Notwohnungen für arme Leute! Das entsprach nicht der Vorstellung, die ich mit den Aufgaben eines Architekten verband. [...]
„
Da löste sich der schöne, sinnliche Traum vom Architekten in nichts auf. Das lag in der Logik meiner preußisch-prtestantisch-professoralen Herkunft. [...]
„
Oder war es noch ganz anders? Könnte es sein , daß derjenige, der in mir – wie mein Freund Celibidache vermuten würde – seine unerfülten Architektenambitionen aus dem vorhergehenden als eine Form von Nachholbedarf in einem neuen Leben erfüllen mußte in meinen Jugendphantasien die gesuchte späte Erfüllung gefunden hatte und nun Ruhe gab? Ich war jetzt für andere Aufgaben disponibel.“
Nicolaus Sombart veröffentlicht einen ersten Nachkriegsroman und wird Gründungsmitglied der Gruppe 47, des legendären Zusammenschluss befreundeter deutscher Literaten, der 1947 in München ins Leben gerufen wird. 1954 wird er Mitarbeiter des Europarates in Straßburg.
Nicolaus Sombart
Jugend in Berlin
1933-1943
Ein Bericht
Fischer Taschenbuch Verlag, 2003, Frankfurt am Main
ISBN 3-596-10526-9
Erstellt: 22-04-04
Letzte Änderung: 05-11-08