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DVD-News - 28/01/06

Night on Earth

Ein Film von Jim Jarmusch


SZ-Edition N°S 29

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(USA, 1991)
Darsteller: Winona Ryder, Gena Rowlands, Giancarlo Esposito, Armin Mueller-Stahl, Rosie Perez, Isaach de Bankolé, Béatrice Dalle, Roberto Benigni u.a

Synopsis: Fünf Taxis in fünf Städten in einer Nacht. In Los Angeles schlägt Corky (Winona Ryder), die junge Taxifahrerin und angehende Automechanikerin das Angebot eines Talentscouts (Gena Rowlands) aus, ins Filmgeschäft zu wechseln. In New York wechseln der orientierungslose deutsche Taxler Helmut (Armin Mueller-Stahl) und der Puertoricaner YoYo (Giancarlo Esposito) auf dem Weg nach Brooklyn die Plätze. Zeitgeich in Paris: ein schwarzer Taxifahrer (Isaach de Bankolé), der gerade zwei dunkelhäutige Diplomaten herausgeworfen hat, liest eine im wörtlichen Sinne blinde Passagierin (Béatric Dalle) auf. Er, der glaubt, ein leichtes Opfer gefunden zu haben, wird eines besseren belehrt. Währenddessen redet sich auf einer wilden Fahrt durchs nächtliche Rom ein geschwätziger Chauffeur (Roberto Benigni) sich selbst und seinen Passagier, einen Priester, um Kopf und Kragen. Im kalten Helsinki schließlich wird Taxler Mika von drei betrunkenen Fahrgästen getröstet.

Kritik: Das Innere eines Taxis als Zentrum eines abendfüllenden Spielfilms – eine klaustrophobische Angelegenheit, kameratechnisch obendrein hoch kompliziert und bildlich wie dramaturgisch nicht gerade abwechslungsreich, könnte man meinen (Taxifahrer vorne – Passagier hinten). Was Jarmusch dann in seinem Episodenfilm doch mit diesem intimen Ort, kurzzeitliches Refugium für seine sehr unterschiedlichen Bewohner, anstellt, ist umso bemerkenswerter. Es sind kurze, flüchtige Begegnungen, die Jarmusch in Szene setzt – montiert gegen flüchtige Momentaufnahmen melancholischer nächtlicher Stadtszenerien, die das Taxi als noch notwendigeren Rückzugsort erscheinen lassen.

Während Episode 1 (Rowlands-Ryder) auf originelle Art und Weise Kritik am eigenen Metier übt, Episode 2 (Esposito-Mueller-Stahl) über Grenzen der Verständigung zwischen den Kulturen sinniert, Episode 3 eine negative nächtliche emotionale Kettenreaktion beschreibt und Episode 5 der Kälte des finnischen Winters und des Alleinseins trotzt, weil vier Männer trotz allseitigen Kummers zusammenhalten und all diesen Episoden, untermalt von Tom Waits Großstadtpirschmusik, ein Jarmusch melancholischer, aber auch witziger Tonfall zugrunde liegt, schlägt Episode 4 über die Stränge: Roberto Benigni sorgt als kaspernder toskanischer Autoerotomane für die Lacher auf den billigeren Rängen.

Trotz kommunikativer Probleme zwingt Jarmusch seine Akteure, sich aneinander zu reiben, bis Wärme entsteht, die Menschen sich für einen kurzen Moment wirklich zuhören, bis sich ihre Wege, wahrscheinlich für immer, erneut trennen werden.

Martin Rosefeldt

Erstellt: 28-01-06
Letzte Änderung: 28-01-06