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19/02/2008 - Jazz - 28/08/08

Nik Bärtsch’s Ronin

Holon


Während die meisten Musiker ihren Kompositionen aussagekräftige Titel verleihen, bezeichnet Nik Bärtsch sie als Module und versieht sie mit Ziffern. Hinter dieser Methode verbirgt sich ein faszinierendes musikalisches Konzept, das Neugier weckt.

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Der Begriff Modul wird normalerweise in den Gebieten der Architektur, Technik, Mathematik und Mechanik verwendet. Allgemein bedeutet er Baustein oder Bauelement und wird als Bestandteil eines größeren Systems verstanden. Parallelen dazu finden sich in dem musikästhetischem Gesamtkonzept des Schweizer Pianisten Nik Bärtsch. "Jedes Stück in sich selbst ist schon modular gedacht. Diesen Ansatz gibt es bei Strawinsky, später auch bei Morton Feldman: das Denken in Patterns und Bausteinen."

Nach Nik Bärtsch’s erster ECM-Veröffentlichung "Stoa" (s. Arte-Online 21.03.06) erscheint nun das Album "Holon", das unter identischen Voraussetzungen entstanden ist. Es wurde im selben Studio in Südfrankreich, in unveränderter Besetzung der Band Ronin eingespielt und erneut von Gérard de Haro und Manfred Eicher aufgenommen. Wie man an dieser Herangehensweise bereits erkennen kann, wollen Nik Bärtsch und seine Begleitband sich nicht mit jedem Album neu erfinden. Stattdessen verfolgen sie, wie es der Pianist in eigenen Worten beschreibt, eine "spiralförmige Entwicklung". "Das kennt man aus asiatischen, vor allem japanischen Traditionen, wo eine Kunst ein Leben lang ausgeübt wird." Nik Bärtsch und seine hervorragenden Mitmusiker, der Bassist und Saxophonist Sha, der Percussionist Andi Pupato, der Bassist Björn Meyer und der Schlagzeuger Kaspar Rust feilen sowohl an der Tiefe als auch an der Leichtigkeit der Kompositionen, um bei den Performances höchste Intensität zu erreichen. Sie sind wahre Meister ihres individuellen musikalischen Konzepts, das sich aus Elementen der Minimal Music, des Funk und des Jazz zusammensetzt.

Auch wenn die kompositorische Vorgabe es zunächst nicht vermuten lässt, so bleibt den Musikern dennoch Raum für Interpretationen. Bärtsch beschreibt es in einem Interview wie folgt: "Wir lernen, um den Beat herum zu phrasieren. Das Solo ist damit weniger ein Espressivo, als ein Tanzen um die Struktur herum." Die Musiker nehmen sich zwar als musikalische Individuen zurück und ordnen sich bis zu einem gewissen Punkt dem kompositorischen System unter. Aufgrund der selbstreferentiellen Modularkomposition haben ihre minimalen Interventionen jedoch eine um so stärkere Wirkungskraft. Das kompositorische System und seine Bausteine kommen infolgedessen plötzlich in Bewegung, und durch Überlagerungen und Schichtungen entstehen neue, völlig überraschende und spannungsgeladene Modulationen. Nik Bärtsch’s Ronin sind absolutes Hörerlebnis.

Konzertdaten:
25.3. Brixen (I) Dekadenz
27.3. Zürich (CH) EWZ.unplugged
12.4. Fribourg (CH) La Spirale
13.4. Basel (CH) Nox Illuminata, Imprimerie
14.4. Karlsruhe (D) Jazzclub
15.4. Darmstadt (D) Centralstation
16.4. München (D) Club Ampere
17.4. Weimar, Monami
18.4. Bremen (D) Jazzahead Messe
19.4. Dortmund (D) Domicil
20.4. Bern (CH) Bee-Flat
15.6. Berlin (D) Festival Shared Sounds, Radialsystem V


Matthias Schneider



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Nik Bärtsch’s Ronin
Holon

ECM / Universal France
myspace

Erstellt: 18-02-08
Letzte Änderung: 28-08-08


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