Noch zeigt sich kein Favorit bei der diesjährigen Berlinale, wenn man mal vom bereits multi-oscarnominierten Öl-Epos „
There will be blood“ absieht. Die durch zwei Absagen empfindlich gestutzte Jury kann ja hoffentlich noch ein paar Filmentdeckungen machen. Der enttäuschende „
Elegy“ von Isabel Coixet wir aber wohl nicht dazu gehören, zu ernst und bedeutungsschwer hat die Regisseurin in ihrem elegant gefilmten, und von Penelope Cruz und Ben Kingsley auch großartig gespielten Film, die banalen Alterswahrheiten und selbstmitleidigen Machismen der Romanvorlage von Philip Roth ausgebreitet. Die immer gleichen Altersjammereien und Obsessionen, die ja auch schon im Roman nicht wirklich selbstironisch sind, also eigentlich humorlos.
Der sympathische Wettbewerbsbeitrag „
The song of sparrows“ von Majid Majidi schmückt mit seiner in eindrucksvollen Bildern erzählten Familiengeschichte aus dem heutigen Iran den internationalen Wettbewerb, kommt über das sozial-romantische Märchen aber nicht hinaus. Auch der kleine Erstlingsfilm mit großer Besetzung „
Fireflies in the garden“ (mit Julia Roberts, Willem Dafoe, Emily Watson) des jungen US-Amerikaners Dennis Lee ist konventionelles Starkino ohne die Überraschungen, die man von großen Festivalfilmen erwarten darf. Dafür gibt es in der Panorama-Sektion eine ganze Reihe hochinteressanter politischer Filme, wie z. B. das „Sharon“-Portrait und im Forum und in der „Perspektive Deutsches Kino“ viel zu entdecken. Und der Wettbewerb um den Goldenen Bären hat ja gerade erst die Halbzeit erreicht.
Thomas Neuhauser