Wäre Nostalgie nichts weiter als Heimweh, müsste man nur nach Hause zurückkehren, um nicht mehr darunter zu leiden. Nostalgische Gefühle machen sich aber gerade bei der Rückkehr an einen einst vertrauten Ort bemerkbar, denn mit dem Wiederaufsuchen der bekannten Umgebung ist die Erkenntnis verbunden, dass nichts mehr so ist, wie es war. Die etymologische Bedeutung von Nostalgie, "Schmerz der Rückkehr", bringt diese melancholische Stimmung auf den Punkt: Es handelt sich also weniger um das Leiden unter dem Verlust als vielmehr um die beim Wiedersehen empfundene Enttäuschung. Raphaël Enthoven und Patrick Dandrey sprechen über eine Gefühlslage, die oft unvermeidbar ist, aber - ein Trost - auch fruchtbar sein kann.
Zu Gast:
Patrick Dandrey ist Professor an der Pariser Universität Sorbonne, Mitglied der staatlichen Akademie der Wissenschaften von Kanada und Vorsitzender der Jean de La Fontaine-Gesellschaft. Über 15 Studien und Essays widmete er der französischen Literatur des 17. Jahrhunderts und der Melancholie. 2005 veröffentlichte Dandrey im Rahmen einer dem Thema Melancholie gewidmeten Ausstellung im Pariser Grand Palais eine Anthologie über den schwarzen Humor, die die Geschichte der Melancholie von der Antike bis zur Französischen Revolution nachzeichnet. 2009 untersuchte er unter dem Titel "Quand Versailles était conté" die höfische Gesellschaft am Beispiel des Hofes von Ludwig XIV. aus Sicht zeitgenössischer Schriftsteller. Die Abhandlung ist bei "Les Belles Lettres" erschienen
Web Bonus:
Direkt nach der Sendung unterhalten sich Raphaël Enthoven & Patrick Dandrey über die Sendung: was sie erwartet hatten, was sie besonders gelungen fanden und was vielleicht zu kurz kam...






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