(Frankreich/Schweiz, 2004, 80 min)
Mit Sarah Adler, Jean-Luc Godard, Jean-Christophe Bouvet, Rony Kramer
Kritik: Auch wenn der Film in der für Jean-Luc Godard üblichen zusammengewürfelten und aufgesplitterten Struktur gemacht wurde, so ist “Notre musique” zunächst einmal wie ein Triptychon angeordnet. Zunächst die Hölle, eine Montage aus Auszügen aus überwiegend amerikanischen Spielfilmen, die mit Bildern aus Fernsehreportagen verknüpft werden. Dann das Fegefeuer, ein Kaleidoskop von Überlegungen zum Krieg und seinen verschiedenartigen Auswirkungen. Und schließlich das Paradies, eine Art Nachwort wie aus einer Traumwelt, das diese Projektion abschließt. Man könnte auch sagen, dass die Struktur des Films relativ offen ist. “Notre musique” könnte übrigens beinahe schon zu einem der weniger obskuren Filme Jean-Luc Godards gezählt werden. Dafür spricht mindestens einen Grund: Ein Wille, der nicht durch einen Lehransatz, sondern vielleicht durch Großzügigkeit getragen wird, durch eine sanfte Hand, auch wenn sie ins Leere greift (wie es in einer Filmsequenz zu sehen ist, in der Indianer versuchen, ein Gespräch mit dem Schreiber einer verlassenen Bibliothek in Sarajevo zu führen).
Schon seit langem hat Godard den Krieg zu einem der Hauptmotive in seinen Filmen gemacht, von Vietnam hin zum Konflikt im ehemaligen Jugoslawien, über Streifzüge durch die verblassten Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg und den aktuellen Konflikt im Mittleren Osten. Heute macht sich der Filmemacher mit “Notre musique” an einen menschlichen und ernsten Versuch, wie es auch im Film erwähnt wird: “Man muss die Vergangenheit wiederherstellen und gleichzeitig die Zukunft ermöglichen, das Leid mit der Schuld vereinen”. Die Reise führt durch die Ruinen Sarajevos, einen Schauplatz, der anscheinend nach Godards Ansicht noch nicht ausreichend im Kino gezeigt (womit er nicht Unrecht hat). Die Reise befasst sich im Weiteren mit dem Wiederaufbau der Brücke von Mostar, und ist vielleicht ein weiterer atypischer Versuch, für den Frieden in Israel zu demonstrieren. Die Reiseetappen werden durch eine Vielfalt von beunruhigenden Überlegungen anlässlich der Buchmesse in Sarajevo unterstrichen, bei der Godard sich selbst, durch seine tragikomische Rhetorik gestützt, filmt. Der Film folgt in einem unerwarteten Fluss diesem brillanten Monolog, dessen Musikalität den dramatischen Marsch der Menschen aus der Vergangenheit und Gegenwart synthetisch skizziert. Es ist eine finstere Musik, aber nicht zwangsläufig eine Begräbnismusik.
Julien Welter






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