Der Neuankömmling trägt die Nummer 6.
„Fragen belasten die andern, Antworten machen einen unfrei.“
Als er den Dorfbewohnern Fragen stellt, bekommt er zur Antwort: „Fragen belasten die andern, Antworten machen einen unfrei.“ Dieses Leitmotiv steht auf einem Schild, ebenso wie „Wer schweigt, hat ein glückliches Leben“. Im Dorf sind (fast) alle Bewohner freundlich, lächelnd und zuvorkommend. Es sei denn, man stellt Fragen ...
Wo liegt das Dorf? Wer bewacht es? Warum ist Nummer 6 dort gelandet? Was will man von ihm? In einem von einer grünen Kuppel bekrönten Bau sitzt "Nummer 2" mit Schal in einem großen, kugelförmigen Sessel vor einem Steuerpult mit riesigem Bildschirm und überwacht Tag und Nacht das gesamte Dorf und dessen Bewohner. Ohne Unterlass fragt er Nummer 6 nach den Gründen für seine Kündigung.
Nummer 6 antwortet nicht. Er will nicht abgestempelt, etikettiert und gleichgeschaltet werden. Er will sich nicht brechen oder überzeugen lassen. Er will sich nicht fügen. Er ist unbeugsam und unbestechlich. Nicht aus ideologischen Gründen oder aus Überzeugung, sondern weil es seinem Charakter entspricht. Für seine Kündigung gibt es keinen Grund, der auf einen Gegensatz von „gut“ und „böse“ zurückzuführen ist. Es gibt nur Handlungen, und diese Handlungen müssen in Frage gestellt werden, wenn sie das eigene Gewissen belasten. Wenn man sie nicht in Frage stellen kann, muss man zumindest alles tun, um sich nicht mitschuldig zu machen.
Nachgeben oder aufgeben? Nummer 6 hat seine Entscheidung getroffen. Und setzt dafür sogar seinen Verstand und sein Leben aufs Spiel.







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