Länge 104 Min.
Format 35 mm, 1:1.85
Mit: Michel Joelsas, Germano Haiut, Paulo Autran, Simone Spoladore, Eduardo Moreira, Caio Blat, Daniela Piepszyk, Gabriel Eric Bursztein, Felipe Hanna Braun, Haim Fridman, Hugueta Sendacz
- Synopsis
.Brasilien im Jahr 1970. Seit 1964 herrscht eine Militärdiktatur. In Mexiko versucht die brasilianische Nationalelf, die Fußballweltmeisterschaft zu gewinnen. Für den zwölfjährigen Mauro gibt es nichts Wichtigeres auf der Welt als seine Lieblingsmannschaft. Plötzlich beschließen seine aus unbekannten Gründen verängstigten Eltern, „in den Urlaub“ zu fahren und den Jungen überstürzt in die Obhut seines Großvaters väterlicherseits zu geben, der in Bom Retiro am Stadtrand von São Paulo lebt. Doch leider kann sich der Großvater nicht wie vorgesehen um seinen Enkel kümmern...- Kritik
Als Regisseur, der schon häufig Filme, Serien oder Videoinstallationen für Kinder gemacht hat, drehte Cao Hamburger seinen neuen Film aus der Perspektive eines kleinen Jungen namens Mauro. Im Brasilien der 70er-Jahre durchlebt dieser, beinahe sich selbst überlassen, große familiäre Erschütterungen. Hals über Kopf haben seine Eltern das Haus verlassen, um „in den Urlaub“ zu fahren. Die Angst, die ihnen dann auf der Straße bei jedem Militärfahrzeug ins Gesicht geschrieben steht, lässt keinen Zweifel mehr offen: Sie fahren nicht einfach nur weg, sondern versuchen, dem unterdrückerischen Regime zu entfliehen. Mauro lassen sie bei seinem Großvater, obgleich sie ahnen, dass dieser soeben verstorben ist. So kommt der Junge beim alten jüdischen Junggesellen Shlomo, dem Nachbar und Freund des Großvaters, unter. Cao Hamburger setzt sich hier in großer Ernsthaftigkeit mit dem traditionellen Kinothema des ungleichen, vom Zufall zueinander geführten Paares auseinander. Gegen seinen Willen ist Mauro mit seinem bockigen und wenig umgänglichen Charakter ein faszinierender Junge. Er lernt die ungeordnete Welt der Großen, das heißt den Tod, die Religion, die Politik und die Geheimnisse seiner Eltern ungeschminkt und ohne große Erklärungen kennen.
Die sensible Kameraführung des Regisseurs erlaubt es, dem Jungen bei seinen Entdeckungen und Wutausbrüchen aus nächster Nähe, auf Schritt und Tritt zu folgen. Die Psychologie steht im Vordergrund, dabei ist die Grundstimmung zugleich beschaulich und düster, denn Cao Hamburger zögert nicht, seinen jungen Helden, der bald das Ende seiner Kindheit erreicht hat, auch in Momenten der Langeweile oder beim Warten in einem Flur zu zeigen. Neben dem aktuellen Zeitgeschehen geht es auch um die eigenen Wurzeln und die Frage, wer man ist. Vergeblich wühlt Mauro in Schränken und Schubladen. Er trägt einen zu großen Hut und sieht vergilbte Fotos. Paradoxerweise ist es der Fußball, zugleich Kinderspiel und Sache des nationalen Interesses, der ihn wirklich formt und hier als Ausgangspunkt für den Start ins Erwachsenenleben interpretiert wird. In einem alten Fernseher spielt Pelé spielt in Schwarz und Weiß, und zugleich ist ein ganzes Land stolz darauf, die Legende auf ihrem Weg zum ewigen Ruhm zu begleiten. Ebensolche Begeisterung empfindet Mauro bei einem Fußballspiel in seinem Viertel, bei dem er mit grenzenloser Bewunderung den Torwart beobachtet, der wie durch ein Wunder alle Schüsse hält. Aus dem Off kommt ein unvergesslicher Satz des Jungen: „In diesem Moment wollte ich schwarz sein und durch die Luft fliegen.“ Doch auf der Erde lehrt ihn die Erfahrung, dass die Augenblicke der Gnade viel seltener sind und dass ihn die Realität in Form von Gewalt und Trennung allzu schnell einholt. So gelangt der Junge zu jener Erkenntnis der Erwachsenen, dass man irren und straucheln kann, sich seine Träume aber immer bewahren sollte. Delphine Valloire
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- Biographie Cao Hamburger
Geboren 1962 in São Paulo. Drehte zwischen 1982 und 1985 eine Reihe von Super-8- Kurz filmen. Führte bei über 200 Werbeclips Regie, veröffentlichte Kinderbücher, konzipierte Videoinstallationen für Kinder und TV-Serien zur Gesundheitsvorsorge. War als Regisseur und Autor bei einigen der beliebtesten brasilianischen TV-Kinderserien tätig.






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Man kann irren und straucheln, sollte sich seine Träume aber immer bewahren
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